44  (… oder FAIL)

® Arne Pahlke, 14. Juli 2011

 

„Scheiße, das ist doch Gesichtskrebs, oder?“ nuschelte ich entsetzt, als ich heute Morgen mein entartetes Spiegelbild betrachtete. „Damit muss ich nachher unbedingt zu meinem Hautarzt. Der soll sich diese Wucherungen mal ganz genau anschauen und mir dann sagen, wie man dieser bestialischen Krankheit begegnen kann, oder ob es für mich bereits zu spät ist“. 

Und durch den irritierenden Anblick  aufgewühlt, vollführte ich eine ziemlich verhaltensgestört aussehende Grimasse, die meinen Gesichtskrebs  noch schlimmer und furchteinflößender aussehen ließ.

Oh, das hätte ich wirklich nicht tun sollen, denn danach fühlte ich mich nicht nur angewidert und aufgewühlt, sondern zusätzlich noch zutiefst deprimiert.

Und dies änderte sich auch nicht, nachdem mir langsam klar wurde, dass ich ja gar nicht unter Gesichtskrebs leide, sondern lediglich unter „Fäulnis am infizierten Lebendobjekt“ (kurz FAIL); - eine Krankheit, die jeden Menschen im fortgeschrittenen Lebensalter heimsucht und die (früher oder später) unweigerlich zum Tode führt.

„Ach so! Na dann ist ja alles gut“, stellte ich zunächst erleichtert fest und gratulierte mir zu meinem 44ten Geburtstag. Doch, direkt nachdem ich die Zahl 44 ausgesprochen hatte, klappten meine Mundwinkel gaaaaanz weit nach unten und ich war noch deprimierter als nach meiner Fehldiagnose: Gesichtskrebs.

„Hilfe, ich werde sterben! Ich werde sterben! Ich leide unter FAIL und diese  Krankheit bereitet sich immer weiter in mir aus.

Ja, sie wuchert bereits überall tumorartig nach außen. Gott, was sieht das scheiße aus! Aber ich kann doch nix dafür, dass ich so aussehe, Leute! Ich bin ein Infizierter – ich bin FAIL-krank – ich brauche Hilfe!  Ich brauche dringend Hilfe! Irgendwer muss für mich den Notarzt rufen!  Aber kein Arzt auf dieser Welt kann mir helfen. Dabei wäre dies doch so bitter nötig, da mich bereits die ersten jungen und noch gesunden Menschen aufgrund des zunehmend sichtbarer werdenden Krankheitsbildes verspotten und denunzieren. Noch 20 Jahre weiter und sie werden über mich herfallen und in einem U-Bahn-Schacht einen Pogo auf meinem Gesicht tanzen.”

 

Arne Pahlke am 14.Juli2011

14. Juli 2011 - Glückwunsch um 44ten, du alter Sack!

 

 

Am ganzen Leib zitternd mixte  ich mir einen Anti-Aging-Karottensaft. Ja, ich weiß - hilft am Ende auch nix - aber beruhigt kurzweilig - oder eben auch nicht. Denn alles in mir schrie nach rascher Beruhigung, nach Aufmunterung.

„Warum ruft mich denn niemand an, um mir zum Geburtstag zu gratulieren?“, rief ich mir deshalb selbst patzig und flehentlich zugleich zu.  Nicht, dass mir Geburtstagsglückwünsche in meinem Alter noch sonderlich viel bedeuten würden; - aber ich könnte ja zumindest so tun, als würden sie mir etwas bedeuten. Und vielleicht würde meine Psyche diesen Köder schlucken? 

Aber es rief mich niemand an.

Ok, es war erst 7 Uhr. Und warum stehe ich auch so früh auf?

Senile Bettflucht, Herr Pahlke?

Also musste ich mir anders behelfen und fuhr meinen PC hoch.

Früher erhielt ich die ersten Geburtstagsglückwünsche noch in der realen Welt von Familienangehörigen, Freunden oder Lebensabschnittspartnern. Und heute? Heute  erhielt ich meine erste Glückwunschbotschaft, von einem mir verhassten Social-Network, bei dem ich mich vor Jahren  „irrtümlicherweise“ angemeldet habe und dort seitdem nicht mehr rauskomme.  Ja, heute gratulieren mir als erstes irgendwelche seelenlose Foren- und Blog-Anbieter-Robots.

„…Hallo ohne_Zucker, das XY-Forum wünscht dir alles Gute zum Geburtstag! “

Doch da - halt!

*freu* 

„Lieber Der_Rabe, die Mutti wünscht Dir alles Gute für Dein neues Lebensjahr!“

Hat mir meine Mutti also doch als erster Mensch Glückwünsche übermittelt; - und zwar bereits um 0:01 Uhr. Wie süß von ihr, dass sie extra für ihren Sohn bis Mitternacht aufgeblieben ist.

Aber seit wann hat Mutti einen Internetanschluss?  Und überhaupt, Mutti hat doch gar keinen Computer.

Ach so, nein, ich Dummerchen. Das ist doch nur eine automatisierte Mail von diesem hässlichen Schwulenmuttimaskottchen der Tuckenplattform Gayromeo.

Na toll! 

Dann eben nur Glückwünsche von diesem Hackfressen-Network und dem Schwanzmädchen-Portal.

Aber egal! Ich habe heute wirklich weitaus größere Probleme, als diese elendige automatisierte Glückwunschscheiße.

Ich werde alt!

Nein, verdammt, ich bin alt!

Sanitäter! Sanitäter!

44 – FAIL!

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Helga Ferddersen, 14 Juli 2011 -  Was soll ich sagen? 50 FAIL!! FAIL!! . Ansonsten amüsant zu lesen und mein Herzliches Beileid

Wortmutation: Unmöglich,  dass sich auf meiner Seite so unfassbar alte  Menschen  aufhalten! ;-) 

Alter-Gamel-Gamer, 14 Juli 2011  - Herzlichen Glückwunsch, Herr Nachbar wünscht der alte Gammel-Gamer

Wortmutation: Und noch son alter Sack :-)

Realtive Existenz, 14 Juli 2011 - Herzlichen Glückwunsch Herr Pahlke... ;o) !!!

Wortmutation: und ich sag brav: Danke schön :-)

Rene, 19 Juli 2011, - Glückwunsch nachträglich ...alter Sack.Müssen mal zusammen laufen gehen..habe meinen ersten Triathlon mit 1:28:28 abgeschlossen !

Wortmutation: Hallo Rene! Wir können gerne mal zusammen “ne Runde” joggen. Triathlon ist cool - wäre nur nichts für mich wegen Schwimmen.

Konkalit, 13 August 2011 Naja was soll ich sagen, ich muss auch leider sehr spät nachträglich gratulieren weil ich umzog und erst jetzt wieder Internet hab und was kann man sonst noch schreiben? Dass die Zeit bei niemanden ein Verbündeter ist? Das kann einen schon zusetzen und manche regelrecht depresssiv. Aber bei dir bleibt wohl alles im Rahmen solange du dir kein Botox spritzt.Viele Grüße Thomas

Wortmutation: Das optische Altern finde ich am Ende weit weniger schlimm, als dass die mir bekannten Menschen auf eine Weise mitaltern,  die ich (zumindest jetzt ) so nicht mitgehen will. Die Jugend ist nicht mehr meins – die „Seriosität des Alters“ aber auch nicht. Ich versuche das Alter einfach Alter sein zu lassen - und nicht so viel Dinge und Entscheidungen davon abhängig zu machen.

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