Ach, die sind schon alle tot?
® Arne Pahlke, Januar 2012


 

Hans Müller: (sitzt auf dem Sofa und blättert in der Fernsehzeitung)  Sag mal, Lieschen,  ich warte nun schon seit Jahren, dass endlich mal wieder eine neue Peter-Alexander-Show im Fernsehen läuft. Wann gibt es denn endlich mal wieder eine Neue? Oder bestehen da irgendwelche Zerwürfnisse, von denen ich nichts weiß? So erstatte doch mal Bericht, Lieschen! Du liest doch diese ganzen Klatschblätter, in denen über solche Dinge geschrieben wird.


Liselotte Müller: (sitzt neben ihren Mann und häkelt einen Topflappen) Ach Hänschen, Peters letzte Show lief doch bereits 1996.


Hans Müller: Ja, aber warum denn, Lieschen? Dieser Mann ist doch ein Genie; - ein wahres Multitalent. Der kann nicht nur moderieren, singen, tanzen und steppen, sondern auch Sketsche spielen und herrliche Parodien. Da können diese ganzen  talentlosen Möchtegerns von heute doch überhaupt nicht mithalten, mit dem, was der große Peter Alexander alles kann. Und deshalb gehört dieser Mann endlich wieder auf die Bühne!


Liselotte Müller: Ja, aber der große Peter Alexander ist doch tot, Hänschen!


Hans Müller: (nimmt die Zeitung runter und schaut leicht verdutzt zu seiner Frau)  Ach ja? Seit wann das denn?


Liselotte Müller: Seit letztes Jahr Februar, Hänschen! Hast Du das schon wieder vergessen? Darüber haben die doch groß und breit im Fernsehen berichtet!?


Hans Müller: Willst Du etwa sagen, dass ich vergesslich bin? (vergräbt sein Gesicht wieder hinter der Fernsehzeitung) Schade, um diesen großen Mann. Wirklich jammerschade. Du, da wird seine Hilde aber traurig sein, denn die waren ja ein Herz und eine Seele. So wie wir beide, Lieschen! So wie wir beide! (tätschelt seiner Frau liebevoll über den Oberschenkel) 


Liselotte Müller: (tätschelt ihren Mann liebevoll zurück) Ja, so wie wir beide, Hänschen. Aber seine Hildegarde ist  bereits Jahre vor ihm gegangen. Dies war doch auch der Grund, warum der Peter sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat. Der hat den Tod seiner Frau nie überwunden.


Hans Müller: (legt sich die Zeitung auf den Schoß und schaut seiner Frau tief in die Augen)  Du, Täubchen, ich würde es auch nicht verkraften, wenn Du vor mir gehen würdest. Ich würde mich dann wohl auch komplett aus der Öffentlichkeit zurückziehen.


Liselotte Müller: (lacht milde) Ach, Hänschen. Aus welcher Öffentlichkeit willst Du Dich denn zurückziehen? Seit über 10 Jahren gehst Du doch nur noch zum Hecke schneiden vor die Tür.


Hans Müller: Immerhin, Lieschen! Immerhin! Viele Männer in meinem Alter gehen überhaupt nirgendwo mehr hin; -  Peter Alexander zum Beispiel.


Liselotte Müller: Hänschen, Du immer und Deine bösen Spöttereien. Du weißt genau, dass ich die nicht mag! Und apropos weggehen, - wir sind  seit Jahren nicht mehr schön weggegangen.


Hans Müller: Lieschen, ich sprach von Männern, die noch wo hingehen – nicht von Männern, die mit ihren Frauen weggehen. Aber wenn Du willst, dann gehen wir beiden Hübschen mal wieder in eine große Fernsehshow. Weißt Du noch, letztens ...?

Liselotte Müller: Letztens war 1974!  Musik ist Trumpf mit Peter Frankenfeld - Ostseehalle - Reihe 11, Platz 22 und 23. 

Hans Müller: Sag ich doch: Letztens! Sei doch nicht immer so pingelig mit Deinen Zeitangaben, Herrschaftszeiten! Mach Dich mal lieber schlau, wo die nächste Peter-Frankenfeld-Show aufgezeichnet wird. Da fahren wir beiden Hübschen nämlich hin.


Liselotte Müller: Nun hör aber auf, Hänschen!  Peter Frankenfeld ist bereits seit über 30 Jahren tot. Sag doch gleich, wenn Du nicht mit mir ausfahren willst!

 

 


Hans Müller: Nein, mein Täubchen, ich will doch mit Dir ausfahren! Was kann ich denn dafür, wenn die ganzen Show-Peters ausgestorben sind? Dann fahren wir halt zu einer Leseveranstaltung von diesem Loriot, obwohl ich den ja schon etwas steif finde.


Liselotte Müller: Na, dann wirst  Du den Herrn jetzt wohl noch steifer finden, da er ebenfalls tot ist.


Hans Müller: (nimmt die Zeitung vom Gesicht und schaut seine Frau streng an)  L I E S C H E N ! Du immer und Deine bösen Spöttereien. Du weißt genau, dass ich die nicht mag!  (macht eine kleine Redepause) Na gut, dann gehen wir eben nicht zu Loriot sondern zu Rudi Carrell!


Liselotte Müller: Tot!


Hans Müller: (wirft die Zeitung wütend auf den Tisch)   Nun ist aber langsam mal gut, Liselotte! Bei Dir sind ja wohl alle tot?


Liselotte Müller: (häkelt seelenruhig weiter)  Nein, nicht bei mir sind alle tot – sondern die sind alle tot! Aber lass uns doch in eine Show von den Kerkeling.


Hans Müller:  Wer ist denn dieser Kerkeling? Den Namen habe ich ja noch nie gehört. Ist das etwa so’n neunmodischer Heini?


Liselotte Müller: Ach, papperlapapp, Hänschen! Der Kerkeling ist ein hochtalentierter und sympathischer Mann. Und er ist ebenfalls ein Multitalent, so wie einst der große Peter.


Hans Müller:  Na, und das soll ich Dir glauben? Seit wann will der denn ein Multitalent sein?


Liselotte Müller: Bereits seit Ende der 80er Jahre, Hänschen.


Hans Müller:  Oh, mein Gott - Du kommst mir hier mit einem totalen Frischling. Du kriegst mich gewiss in keine Show, die von solch einem Praktikanten moderiert wird! Der soll sich erstmal beweisen! Und was ist mit Hans-Joachim Kulenkampff? Was macht der im Moment so?

Liselotte Müller: (wird wütend) Tot, Hans! Der ist im Moment tot!


Hans Müller: Ach, da schau mal einer an. Vorgestern noch auf der Showbühne und heute schon tot. Und Hans Rosenthal?

Liselotte Müller: T O T! Sag, willst Du mich veräppeln? Jetzt fehlt nur noch, dass Du mich in eine Heinz-Erhardt-Show einladen willst.


Hans Müller: Was spräche denn dagegen, Täubchen?


Liselotte Müller: (wirft ihr Häkelzeug auf den Tisch)  Ach, lass mich doch in Ruhe, Du oller Tüdelbüdel.  Ich  gehe jetzt in die Küche und schmier’ mir dort ‘ne  Stulle. (geht in die Küche)


Hans Müller: (ruft seiner Frau hinterher) Nun werd doch nicht gleich böse, Täubchen! Dann fahren wir halt in irgendeine Show von diesem Gottschalk. Der wird doch wohl noch leben, oder?


Liselotte Müller: (wieder versöhnlich) Ja, der lebt noch, Hänschen.


Hans Müller: (hält sich die Zeitung ganz dicht vors Gesicht und murmelt)  Oh, schade eigentlich ...

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Konkalit, 14 Januar 2012  - sehr treffender Text wie sich ältere Semester oft unterhalten und dabei erkennen wie sehr die Zeit an ihnen vorbeigerauscht ist. Es halten oft Berühmheiten wie Schauspieler, Humoristen, Musiker etc. her. Ich kann mich noch an einmal erinnern wie entsetzt mein Vater reagierte als er mich fragte wie alt eigentlich Bud Spencer heute sei und ich ihm draraufhin "über 80" entgegnete und er sich beinah an seinem Bissen verschluckte weil er sich noch wie gestern daran erinnerte wie er damals zur Premiere etlicher Filme ins Kino ging ^^

Wortmutation: Es waren vor allem Bud-Spencer-und-Terence-Hill-Filme, die ich mit meinem damaligen Spielfreund  (in den 70er Jahren) im längst abgerisseneren alten Holstenkino in Bergedorf angeschaut habe - und zwar immer Sonntags um die Mittagszeit für 3 Mark (Logenplätze 5 Mark). Ach ja, was haben wir  diese Filme damals geliebt. Heute kann ich diesen “Buddy-hat-Bumm-gemacht-Filmchen” allerdings nichts mehr abgewinnen - außer vielleicht ein paar nostalgische Gefühle.

Helga Feddersen, 15 Januar 2012 -  Und meiner einer ist auch schon tot und bleibt hier unerwähnt!

Wortmutation: Oh, liebe Helga, wie konnte ich es nur wagen, Dich an dieser Stelle unerwähnt zu lassen, obgleich Du nie eine große Fernsehshow moderiert hast. Schließlich hast Du (zwischen 1976- 1980) gemeinsam mit Frank Zander zumindest den Plattenteller moderiert. Oh Mädchen, das waren noch Zeiten, nicht wahr? Allein Euer Text zu Eurem Begrüßungssong war richtig goldig:„Hallo ihr daheim, Plattenküchen-Time. Seid ihr alle spitz auf Stars und Gags und Hits - Plattenküchen-Time. Alles bleibt daheim. Come on friends let's go zur Plattenküchen Show. Und hier sind Gott sei Dank: Helga und Frank“. Ich sollte vielleicht mal einen Text über die vielen schrägen und aus heutiger Sicht oft naiven eher vergessenen kleinen Shows von Damals schreiben. Aber lieber nicht - ich werde dabei immer so sentimental.

Chris 21. Januar 2012 - Genau so ist es. Nur einen Entertainer haben wir noch, und dann heißt erst auch noch Peter.

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