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Adieu, mein Prinz ® Arne Pahlke Die purpurne Kerze zu Deinen Füßen weint lang gezogene Wachstränen, wie aus Schmerz gegossen. Das Blumenmeer an Deinen Flügeln atmet die schwere Luft der Vergänglichkeit. Die Blüten neigen sich Dir zu und flüstern Dir stumm die Hoffnung. Vierundzwanzig Augenpaare suchen Dich oder die Antwort auf eine immer wiederkehrende Frage. Doch ihr beide liegt für uns unsichtbar gemacht, verborgen, weich gebettet im Irgendwo. Aus manchen Augen laufen Tränen, hinweg über blasse Wangen, und schmerzfeuchte Tücher graben sich in entblösste Gesichter. Vereinzelt findet man auch zwei Hände, ungeschickt, verkrampft, wie zu einem Gebet vereint. Ich sehe Dich verschwommen vor mir, wie du dort am Kreuze hängst, mit einem Lachen auf Deinen Lippen. Ich sehe Dich verschwommen vor mir, leidend, und trotz allem mit diesem so berauschenden, hypnotischem Blick, gefüllt mit Leben. Nun spricht er von Dir, der Mann in Schwarz, in schönen Worten, doch unsere Liebe, sie kommt darin nicht vor. Ich schaue auf den Ring an meinem Finger und spür tief in mir ein Beben. Fühlst Du Dich wohl, mein Prinz, dort, ganz hoch gebettet? Fühlst Du Dich wohl, wo wir jetzt alle bei Dir sind? Ich hab geträumt von Dir; ich träumte, Du wärest ein Engel, und wir beiden tanzten ausgelassen dort im Lichtermeer. Oh, Gott, Herr, warum nur, warum nur ausgerechnet er? Es ist so still hier, und ein unsichtbarer Nebel deckt mich zu. Diese Stille, die nichts durchdringt, nicht einmal dies Gebet, an Dich gerichtet. Meine Hände, starr gefaltet, scheinen mir zu gefrieren. Bitte, lass mich Deine Nähe spüren! Ich singe für Dich und bekomme doch meinen Mund nicht auf, weil ich fürchte, Du gehst mit jedem Atemstoß mir ein Stück noch mehr verloren. Erinnerst Du Dich an unser erstes Rendezvous, an die Nacht, wo uns die Sterne hoch vom Himmel fielen? Ich schließe die Augen, und ich sehe, wie wir zwei uns in der Ewigkeit verlieren. Nun sitz ich hier, in der allerletzten Reihe – verzeih mir, dass ich jetzt nicht ganz nah bei Dir bin. Doch sei getröstet, mein Blick, er richtet sich nach Dir hin aus, nur getrübt vom Seelenjammer Deiner Eltern. An ihrer Seite sitzt Dein kleiner Bruder, und er wirft manchmal einen scheuen Blick in die allerletzte Reihe; dann weinen wir Dir eine gemeinsame Träne zum Abschied. Dabei wollte ich doch nicht weinen, nicht jetzt, ich hab’s Dir doch so fest versprochen. Doch die Dämme, ich spüre es, sie brechen schon. Ich schau den Sarg in Deiner Lieblingsfarbe und frage mich, wie schaut er innen aus? Deiner Mutter zuckt der Kummerpfahl im Fleisch – Dein Vater schaut totenbleich, mitten hinein in Dein Schlafgemach. Ich kenne niemanden hier, habe nur Deinem Bruder kurz die Hand gereicht. Doch wo Du weilst, mein Prinz, da bin auch ich daheim. Nun fällt ein Sonnenschein durchs Fenster ein, und es scheint, als führte er sich direkt in Dein großes Herz hinein.
Vier Knaben treten hinter einem Vorhang hervor, und sie singen ein Lied von der Wiedergeburt. Aber Du bist doch gar nicht weg von mir. Mir wird so komisch zumute, alles klingt mir plötzlich fern. Lass mich Dich in Gedanken umarmen, mein Prinz, auf dass wir uns nie verlieren. Oh, wie schön, Du wirst auf Händen getragen. Davon hast Du doch immer geträumt, nicht wahr? Wir folgen Dir still; ich ganz weit hinten dran. Man lässt Dich nun hinab und ich friere mit Dir. Spürst Du es, ich zittre am ganzen Leib? Ja, ganz entsetzlich zittre ich! Wir werden uns an den schönen vielen Erinnerungen erwärmen müssen, hörst Du? Ich werde Dir Geschichten von damals erzählen, so laut, dass Du mich hören kannst, wo auch immer Du bist, das verspreche ich Dir! Jetzt ist es soweit, alle haben sie von Dir Abschied genommen; haben Dir Sand in die Augen gestreut, dass Du süße Träume hast. Nun stehe nur noch ich alleine hier vor Deinem Grab. Ich schaue nicht zu Dir herab, ich habe es nie getan, und ich werde es auch jetzt nicht tun! Der eiskalte Wind bläst mir die Vergänglichkeit ins Gesicht, doch ich spüre, es bleibt etwas von uns für die Ewigkeit darin enthalten. Ich umarme Dich ganz zärtlich. Und wenn ich gleich nach Hause komme und mich dort in unser Bett hineinbegebe, dann werde ich an Deinem Kopfkissen riechen, mir Deinen Pullover überziehen und auf Dich warten. Ach, mein Prinz, habe ich Dir heute eigentlich schon gesagt, dass ich Dich ganz doll lieb habe?
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