Allein unter Zombies

Arne Pahlke, Februar 2010

 

Ich bin umzingelt von atmenden Blähungen,

die sich in ihrer knechtischen Unfreiheit an mir vorbeirotten.

Ich bin eingekesselt von verstandesinvaliden Hohlkörpern,

die mich beständig mit ihrer Bedeutungslosigkeit beschweren.

Ich fliehe im Stechschritt vor ihrer beißenden Leere.

Und mein von ihnen belagerter Geist trägt Zornesschaum vorm Mund.

 

Ihre Gegenwart ist ungesund für mich!

Doch eine Heilung ist nirgendwo in Sicht!

 

Es bleibt mir nur die wiederholte Flucht und eine vorübergehende Schmerzlinderung.

Ich verschanze mich in meiner von ihnen uneinnehmbaren autonomen Welt;

- treibe ihren verätzenden Fäulnisgestank aus meinem Freigeistbunker.

 

Sie wollen mein Gehirn!

Diese geistigen Bankrotteure wollen mein Gehirn!

 

Sie rufen mich immerzu – doch ich ignoriere ihre Rufe!

Sie bieten mir ihre Freundschaft – doch ich bevorzuge mein Selbst!

Denn ich will nicht ihre externe Festplatte sein,

auf der sie ihren virusverseuchten Datenmüll ablegen.

Ich wehre mich gegen jede Abgleichung und Annäherung unserer Daten!

Ich wehre mich dagegen ihr Duplikat zu sein!

Denn wir sind nicht nur NICHT dieselbe Rasse; -

wir sind nicht einmal dieselbe Spezies!

 

Allein unter Zombies

 

 

Sie bombardieren mich mit substanzlosen Nachrichten.

Und ihre Nachrichten nennen sie Messages.

Sie wissen nicht, was sie sagen.

Und erst recht wissen sie nicht, was sie schreiben.

Ungehemmt verbreiten sie ihr verstrahltes Leergut über Instant Messenger:

„Hi du – meld‘ dich doch mal wieder!“

 

Wer ist du?

Und was soll ich wem und wozu melden?

S T E R B T !!!

Ach ja, ihr seid ja bereits tot …

 

Ich bin ein Abgetrennter in einem Meer von Untoten.

Und ich muss mich jeden Tag neu erfinden, nur um nicht wie sie zu enden.

Ihre Gegenwart lähmt meinen Scharfsinn.

Ihre Substanzlosigkeit färbt auf mich ab.

Mit jeder Stunde, die ich länger in ihrer Gegenwart verweile,

werde ich langweiliger und hässlicher – werde ich immer mehr wie sie.

 

Sie nagen an meinem Gehirn.

Sie wollen, dass ich genauso stumpfsinnig werde wie sie selbst.

Und so muss ich jeden Tag aufs Neue auf mich aufpassen,

denn sonst wache ich irgendwann tatsächlich als einer von ihnen auf.

 

Ich fühle mich allein unter Zombies.

Denn es gibt immer weniger Menschen wie mich.

Und leider finden wir wenigen Verbliebenen kaum mehr zueinander.

Wir sitzen in unseren Bunkern fest,

um den Fäulnisgestank der Untoten zu entgehen.

 

Wir sehen das Ende auf uns zukommen.

Wir ahnen, dass die kollektive Einfalt der Untoten am Ende triumphieren wird.

Und wir wissen, dass dieses Wissen letztlich zu nichts anderem führt,

als zu diesem ständigen Schmerz in uns.

Und doch leben wir lieber mit diesem Schmerz,

 als das wir einer von ihnen werden wollen.

Ja, lieber führen wir ein Leben voll von Leid und Einsamkeit;

- ein Leben allein unter Zombies,

als freiwillig einer von ihnen zu sein.

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Kommentar von Konkalit,   23 Februar 2010

Unter ihnen zu leben ist wie in einem mit Giftgas gefüllten Raum zu verweilen. Man kann eine Zeitlang die Luft anhalten aber bereits mit dem ersten Atemzug beginnt die systematische Zerstörung seines Geistes und Leibes. Und hat man diese Pest, dieses Gift, diese Räude erstmal in sich, so verbreitet es sich rasend schnell und innerhalb weniger Minuten ist man tot - so wie sie. Manchmal - leider fiel zu oft, taucht man ein in dieses Säurebad , man ist gezwungen zu arbeiten, einkaufen zu gehen oder sonstiges - und die obersten Hautschichten lösen sich ab. Zombies die nicht mal die Gnade kennen dein Ende schnell zu machen, nein sie fressen dich langsam auf. Man kann nicht immer den Freien Geist und die eigene individuelle und kranke Meinung ausleben, doch wieviel einfacher wäre es wenn sie - die Zombies - nicht wirklich SO impertinent und vollständig blind und dumm wären.

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