![]() |
|||||||||||||||
|
Der Amokläufer
Er sprengt seine mühsam gehobelte Eiweißproduktion Nacht für Nacht in sein frisch gewaschenes Elendslaken. Doch der blutgierige Druck lässt einfach nicht von ihm ab.
Eine unverbrauchbare Bitterkeit haftet an ihm, Er taucht seine schwindende Klarsicht in einen leeren Blutkelch, der bislang Nacht für Nacht an ihm vorüber zog. Er spielt Skrupel kegeln, häutet seine Hemmungen, und entfremdet sich von seinem porösen Zentrum.
Er hat längst aufgehört, jene Toten zu zählen, die er vernichtet hat, um seine fatale Ohnmacht zu betäuben.
Doch heute Nacht ist jene Nacht, die kein Morgen kennt. Kein neues altes Erwachen mehr. Kein neuer alter Tag voll von Schmerz.
Vorbei, jene Schmerzwehen seiner verzichtbaren Existenz, die heute Nacht, mit sich und der Welt einen blutigen Frieden schließen wird.
Mühsam richtet er sich auf zum Schlussakkord. Und er schaut dabei so aus, als wartete er auf ein Zeichen, auf irgendein Zauberwort, auf einen Wunderwink. Doch sein ganzes Leben lang wartete er bereits vergebens auf irgendein Zeichen.
Seine Zeit läuft leer, steht still, wird unverstellbar, als er, wie von Geisterhand geführt, vor dieser Hintertür steht, die er in Fiebertraum bereits so oft vor sich sah.
Er hat sich nunmehr dividiert zu Gewehren und Handgranaten. Und ein allerletztes Mal ergießt er sich in ein zögerliches Abwarten, erfleht er sich eine Sekundenbesserung durch Wunderhand. Doch nichts passiert! Und in seiner Hand gefriert der Tod.
Es treibt ihn hinein in den Innenraum einer Musikbeschallungstätte.
Hier soll es sein. Hier an diesem Ort der ausgelassenen sinnentleerten Heiterkeit. Hier sollen sie bluten, aus seinen tausend gefräßigen Wunden, sollen einmal kurz und dann nie wieder jenen Schmerz anfühlen, der ihm seit Jahr und Tag begleitet.
Es ist soweit. Es entreißt ihm sein Gesicht. Und bereits der erste Bleiflug richtet über seine Nachzeit.
„Welch Groteske…“, durchzuckt es ihm: “..warum nur spielen sie ausgerechnet in diesem Augenblick sein Lieblingslied?“
Ein unkorrigierbarer Hassimpuls feuert taktvoll die Magazine leer.
Und erneut wartet er auf irgendein Zauberwort, auf einen Wunderwink, oder zumindest auf ein gutes Gefühl. Doch er fühlt sich elendig, fühlt sich leer und betrogen.
Jemand vor ihm krümmt sich auf den Boden in Todeswehen, und schaut ihm vorwurfsvoll und fragend an. „Warum schaut er mich nur so an?“, fragt ihm ein fremdes Gesicht, welches ihm aus einem blutverschmierten Spiegel überrascht anglotzt
Er weiß es doch nicht, wer dieses Blutbad hier anrichtete; weiß nicht, wer dafür zur Verantwortung zu ziehen ist. Er weiß nicht, wer all dies hier tat, wer all diesen Kummer flutete. Er kann nicht sagen, wann die Liebe für ihn jede Kraft verloren hat; weiß nicht zu sagen, wann er gefror - und zu was?
Er weiß nicht einmal, wer dort in seinem Spiegelbild diesen Ring an der Granate zieht; und mit ihr in der Hand seelenruhig stehenbleibt, als würde dieser jemand ganz fest an ein Zeichen glauben, wie er es tat, sein ganzes Leben schon.
Ein Zeichen, das nicht kommen wird! © Arne Pahlke, Januar 2005 |
|||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||
![]() |
|||||||||||||||
|
Konkalit 21. Februar 2009 -Wer auf das Gefühl der Befreiung und des Sinns wartet nachdem er Schüsse abgefeuert und Schädel gespalten hat, ist der Amokläufer aus Verzweiflung. Länger warten und man ist irgendwann über diese Phase hinweg und wird zum Amokläufer aus Mordlust und purer Bosheit und dass macht dann viel mehr Spaß denn dann braucht man keinen Grund, keine Erlösung oder Zuwendung mehr, man geht im Dunklen auf und dieser Amoklauf ist schlussendlich sowas wie ein letzter spaßiger Akt, ein Zeitvertreibt , sowas wie die 15 Minuten des Ruhms und damit hats sich. |
|||||||||||||||
![]() |
|||||||||||||||
|
® sämtliche Textrechte liegen bei Arne Pahlke/Wortmutation |
|||||||||||||||