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Arbeite um zu leben - lebe um zu arbeiten Arne Pahlke, April 2001
Ich höre euch, wie ihr nach immer gleichen Strukturen, nach dem Taktschlag fremdgestellter Uhren euch Tag für Tag müde aus euren Betten hebt. Ich schau in eure Winkelgesichter, grau wie der Beton, den ihr begeht. Spüre, wir ihr infantil in einem scheinheiligen Alptraum lebt, aus dem ihr scheinbar kein Entkommen seht.
Ich höre, wie eure gequälten Schritte an meinem Fenster vorüberziehen. Ihr hegt den gut pürierten Traum im Kopf, irgendwann einmal, vielleicht doch noch mal, das große Los zu ziehen.
Ich sehe euch, wenn ich mich gegen Mittag erstmals auf die seelenarme Straße wage. Oft wünsch' ich mir dann, die Masse Mensch wäre durch einen Zauber in den Rinnstein gespült. Dies wäre für mich ein Zeichen von Zivilcourage. Doch ihr bleibt und werdet mehr und immer mehr - fast wie ein nach meinem Leben trachtendes Totenmeer.
Ich lese von euren Verfall in Gazetten, die ich eigentlich seit Jahren nicht mehr inhalieren will. Ich rieche euch an Orten, die so entsetzlich sind, dass mein müder Verstand tobt und mein graues Herz davor Reisaus nehmen will.
Was hat euch bloß zu dem gemacht, was ihr eigentlich nicht seid? Spürt ihr's nicht? Ihr seid ein Komposthaufen voll von Entbehrlichkeit!
Gelebter Kapitalismus ist nichts anderes als Diktatur für Fortgeschrittene! Ich wünsche euch, dass ihr irgendwann einmal erkennt, wer euch da im Spiegel so traurig anschaut. Sagt, ist euch dieses Antlitz nicht irgendwie vertraut? Wart ihr nicht einmal von weitaus edleren Idealen besessen, als wie besessen freudenleeres Gut zu mehren?
Es ist nie zu spät, um umzukehren!
Ich träume davon, dass es einen Sieg gibt, der keiner abstrusen Inflation anheim fällt. Und auch wenn ihr es bereits wisst: Geld regiert nicht die Welt! Allein wir Narren sind bis in bei beide Ohren in es verliebt. Und warum? Wir fühlen uns zu wenig geliebt!
Leg Deine Schaufel nieder! Schalt den Computer aus! Hörst du sie, die alten Lieder. Du Clown der Arbeit, geh nach Haus! Lass dir nicht länger mehr vorgaukeln, du bist ein guter Mensch auf dem rechten Weg!
Warum schreist du denn dann stumm in deinem Zwinger und sehnst dir selbst am Wochenende das Wochenende herbei? Warum zeigst du deinem Leben heimlich den Stinkfinger? "Arbeit macht nicht frei - macht sie dich nicht frei!"
Warum trinkst du, um zu vergessen, dass du bist? Warum verhältst du dich wie ein fingerloser Pianist? Warum lachst du verschämte Tränen in deinen Schlund? Warum redest du dir selbst nur immer wieder nach dem Mund? Warum bäumst du dich denn nicht endlich einmal auf und brüllst es in alle Welt hinaus: "Arbeit macht nicht frei - macht sie mich nicht frei!"
Stell die Maschinen aus! Entledige dich deiner Sklavenkluft! Du bist nicht geboren fürs Tagein, Tagaus. Die Welt, sie ist kein Vogelhaus.
Hörst du sie, die alten Kinderlieder: "Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?" Du nicht - Nein, du niemals wieder! Und wenn er kommt, was sagt du ihm dann?
Manchmal, wenn ich vor lauter Angst meine Augen schließe, dann ahne ich, wer wir wirklich sind. Manchmal, inmitten meiner zuckersüßen Träume sind wir alle wieder Kind.
Und keiner schreit dann mehr einsam in seinem Zwinger. Niemand springt dann mehr von Pein verfolgt in den Tod. Das Kind in dir ist allein deiner Torheit Bezwinger. Drum erteile ihm kein Spielverbot! |
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® sämtliche Textrechte liegen bei Arne Pahlke/Wortmutation |
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