Auf nach Nimmermeer
® Arne Pahlke, 11. Februar 2012
 


Gebäre Metamorphosen
Greif die Stete im Schnee.
Palliative Preziosen
Es sticht dein Wurmloch in See
Degressive Matrosen
Grüß die Theodizee

Folg den Dispositionen
Wieg dich in ihrem Schoß
Hinter dir Illusionen 
Wähl‘ den Regelverstoß
Oh du Meer aus Photonen
Spring hinein und werd‘ groß

 

 

 



Folg dem Pendel der Ödnis
Er schlägt nach ihm aus
Es führt dich zur Basis
In ein kuratives Zuhaus
Nein, es gibt kein Osiris
Doch es gibt ein Hinaus


Korrosive Debütanten
Auf infernaler Mission
Im Nimmermeer: Immigranten
Im Hier: nur Fiktion
Drum folg’ den Adjutanten
Hin zur Basisstation.


 


An Gedenken an Klaus R.,  der in meiner Jugend jahrelang mein bester Freund war.

Klaus hat vor wenigen Tagen den Freitod gewählt.
 

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Konkalit, 12 Februar 2012 -       Auch wenn es sich heuchlerisch anhören mag, weil man denjenigen überhaupt nicht kannte. Tut mir wirklich leid für dich. Ich finde es gut dass du ihm damit gedenkst. Hattest du denn zuletzt noch Kontakt zu ihm?

Maffay, 12 Februar 2012  - KLaus, auch ich möchte Dir als ein Freund aus alten Tagen alles Gute auf deiner letzten Reise wünschen. Der Maffay aus JUZ- und Cafe-Brazil-Zeiten

The Educator, 13. Fbruar 2012 -    Das schlimme ist die Hölle VOR dem Schlussakt. Aber ... aber genau diese Hölle wird von kaum jemanden anerkannt. Erst wenn es schon geschehen ist. Erst dann ... Ja, erst dann. Wenn überhaupt ... erst dann. Was können wir noch tun, um sowas zu verhindern? Wir predigen und schreiben uns die Finger wund, in allen wichtigen Belangen. Du sogar noch um ein vielfaches mehr. Das machen wir doch nicht NUR allein deshalb, weil wir Kontakte pflegen wollen, oder NUR unterhalten. In nicht wenigen Texten wollen wir doch auch etwas wichtiges mitteilen. Und das sind genau die wichtigen Dinge. Und das sind sie. Ja. Das sind wichtige Dinge. Und dann passierts wieder. In Deiner Umgebung, ja, und in meiner ebenfalls. Ja. Dann passierts wieder. Und es passiert wieder. Vor vier Wochen hätts mich bald selbst erwischt. Lieber hätte ich den Freitod gewählt, als qualvoll sterben. Und noch nicht mal mehr einen letzten Beitrag konnt ich ins Forum schreiben. Nach sechs Tagen Todesangst dann die erleichternde Nachricht. Ja, ich weiß ... ich weiß, wir müssen nach vorne schauen. OK, OK. Schauen wir nach vorne. Ok, machen wir. Ja. In Ordnung, schauen wir nach vorne und kämpfen weiter. müssen wir ja. Es tut mir aber so unendlich leid für Dich, und für ihn ebenfalls. Scheisse verdammt. Bullshit. Ich kann hier nicht einfach so losheulen. Das kann ich doch jetzt nicht einfach so. Aber ich kann es nicht mehr zurückhalten. Kann ich nicht. Bullshit. Verdammt. Scheisse. Warum das alles? Ich muß jetzt aufhören zu schreiben. Ich seh kaum noch was.

Wortmutation: Folgendes zur Erklärung:  Ich besuchte mit Klaus dieselbe Klasse - und zwar vom ersten bis zum letzten Schuljahr. In den letzten Jahren unserer Schulzeit wurde Klaus dann zu einem meiner besten Schulkameraden und überdies mein unmittelbarer Sitznachbar. Auch  trafen wir uns häufig  nach der Schule. Doch wirklich beste Freunde wurden wir erst nach der gemeinsamen Schulzeit - und zwar für etwa fünf Jahre. Wenn ich von der Arbeit nach Hause kam, saß er z.B. oft schon in meinem Zimmer und wir dattelten bei einem Bier “Kaiser” (sein damaliges Lieblingsspiel) oder schauten Videos. Später saßen wir oft bei Klaus im Keller - dieser wurde quasi der Treffpunkt einer kleinen verschworenen Gemeinschaft. Auch gingen wir häufig zusammen ins JUZ, auf Partys, oder in eine Disco zum Feiern. Wir taten halt all das, was gute Freunde als Jugendliche damals so taten. Wir hatten Spaß - aber waren auch füreinander da, wenn es Probleme gab. Ich habe Klaus als absolut loyalen Menschen und Freund in Erinnerung. Allerdings kenne ich nur den Klaus von früher - ich weiß nicht, was der Klaus von heute für ein Mensch war! Ich habe unsere gemeinsame Zeit aber nie vergessen - auch nicht in den 18 Jahren, in denen ich nicht hier gelebt habe. Ich habe mich oft gefragt, wie es ihm wohl jetzt ergeht und auch mehrfach nach seinem Namen gegoogelt - und hatte mich dann sehr für ihn gefreut, als ich vor ein paar Jahren einen Zeitungsbericht entdeckt hatte, wo er mit ebender Frau zu sehen, der er damals schon liebte,  nebst zwei süßen Kindern. Ich wähnte ihn glücklich und freute mich für ihn. Nachdem ich hierher zurückgezogen bin, wäre es mir nie eingefallen, an seine Tür zu klingeln. Er hatte sein Leben - und unsere Freundschaft lag über 20 Jahre zurück. Ich trauere also um den alten Klaus - um eine alte längst vergessene Zeit - und bin mir nicht mal sicher, ob er mir im Hier und Jetzt hätte noch begegnen wollen.


The Educator, 13. Februar 2012  - Danke erstmal, daß Du uns den Hintergrund dieser Freundschaft erzählt hast. Die Dramatik dieses Ereignisses bleibt zwar, aber Du hast das ja vernünftig für Dich einordnen können. Habe das wohl überbewertet, als ich gestern um ca. 23 Uhr das Gedicht gelesen habe. Wohl nicht zuletzt auch deswegen, weil meine eigene Tragödie vom Januar nochmal aufgeflammt ist, welche ich aber ansonsten umgänglich verarbeitet und ebenfalls eingeordnet habe. Auch, daß ich der Vergangenheit gleich ein paar Mal mit den Freitod von Personen aus meiner direkten Umgebung konfrontiert war, ist wohl nochmal hochgekommen. Der einzige der letzte Nacht ein Problem hatte, war wohl ich und nicht jemand anderes, wie ich das geglaubt habe. Obwohl ich total müde war, konnte ich nicht schlafen. Auch dachte ich, daß ich irgend etwas tun müsse und mich Angesichts dieser Tragödie nicht einfach so ins Bett legen darf. Dieser Zustand hat sich dann über sechs Stunden lang so zugespitzt, daß ich am frühen Morgen den Kommentar oben schrieb. Ich habe diesen jetzt nochmal durchgelesen und schäme mich sogar ein wenig. Das hätte nicht sein müssen, daß ich so einen … ja … ich sag mal emotionalen Anfall bekam. Sorry, daß ich Dich so aufgeschreckt habe. Stelle fest, daß Bedarf vorhanden ist, um ein wenig an mir zu arbeiten, in Punkto voreiliges Handeln.

Wortmutation:Nun, ich denke auch, dass Dein eigenes derzeitiges Gefühlschaos Dich zu dieser (Über-)Reaktion getrieben hat und Du deshalb “überlesen” hast, dass Klaus mein bester Freund in meiner Jugend war - und diese Epoche meines Daseins liegt nun einmal ein Vierteljahrhundert zurück. Aber dafür musst du dich nicht schämen. Und sein Freitod bleibt ja eine sehr tragische Angelegenheit, die mir sehr nahe geht, obwohl wir seit Ewigkeiten kein Kontakt mehr haben.  Es tut mir sehr leid, dass Klaus sich in einer derart ausweglos scheinenden Situation befand, die ihm letztlich zu diesem Schritt trieb. Sein Tod hat auf jeden Fall viele Erinnerungen an früher geweckt.

® sämtliche Textrechte liegen bei Arne Pahlke/Wortmutation