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Begegnung in einer Kellerbar
Wer, wie ich, dein Lächeln sah, den faltenlosen Aufschlag deiner Augenlider, der will wieder und wieder in ein solches Antlitz sehen. So ist’s geschehen, mir widerfahren, als ich vor zwei Wochen in jene kurios kauzige Kellerbar hinabstieg. Es liegt fürwahr ein kleiner Frieden hinter dieser Tür, wie man mir vielfach vorab erzählte, eine Form von verträumter Zeitlosigkeit. Sei bereit dafür, hauchte ich mir zu und trat hinein. Und deine Augen, sie fanden mich, noch ehe ich mich selbst im Lichterschein wiederfand. Sie spürten mich mit einer unverschämten und wunderbar beschämenden Leichtigkeit auf, hielten federleicht an meinen Blicken fest und zogen mich in meiner Ganzheit zu dir.
Gott sei Dank, du warst die optische Antithese eines normalen Mannes gewesen, wie man sich einen solchen an einem ordinären Bartresen vorstellt. Du warst so wunderbar erhellt, erhellt vor und in dir selbst, warst nicht, wie ich, bereits stehend angezählt und wund gelaufen. Du hast mir, den glitzernden Scherbenhaufen, ein Lächeln geschickt. Und in mir tickte es, in mir gebar sich der Versuch, die Sekunden zu multiplizieren, die ich beanspruchte, um an dich heranzutreten. Du wirktest zu natürlich, um deine blühende Schönheit anzubeten, du warst viel zu seelenvoll, um meinen Verstand zu dir sprechen zu lassen. Ich fühlte lieber deine Hand an mein Herz fassen.
„Lass uns tanzen“, sprachst du sanft und nahmst mich sogleich bei der Hand. Und ich fühlte: Jeder Widerstand war zwecklos. Jeder Widerstand ist zwecklos – es klang so grandios in meinen Ohren. Wie schnell und federleicht wir zur Tanzfläche flogen, wie wir beide einen Bogen schlugen, um eine Meute trinkender, vor sich hinkender Figuren. Ich log dich an, dass ich nicht tanzen könne, wohlwissend, dass ich früher, als ich noch regelmäßig in solchen Etablissements verkehrte, ein guter und sehr spezieller Tänzer war; - derart speziell, dass die Leute anerkennend zu mir schaute. Nur, dies war bereits Jahre her, doch diese Jahre schmelzten neben dir zu einem Nichts.
Ich im Jahre 2007 vor dem Daniels in Hamburg, wo diese Begegnung im Jahre 2006 stattfand
Und dein Antlitz, er machte mich taumelnd, machte mich zu deinem heimlich an dir hängenden Klettentier. Wir tanzten füreinander, wobei ich mich bübisch in dir verfing, mich sehnend in dir verlor. Und ach, in dir kam ich einen halben Millimeter neu zur Welt. Welch wunderbarer Augenblick. Welch Sekundenglück für die Ewigkeit. Ich tanzte mit meinem Bauch und ich lachte. O, wie selten ist’s geworden, das eine Horde Fröhlichkeit mir im Kehlengrund drückt und sich hinaus in die Welt dirigiert.Und ich verbat mir jedes Wort, welches aus jämmerlicher Vernunft geboren. Du hast mir für einige Stunden eine gütige Hand voll von deiner Hoffnung geborgen, bis hinein ins Morgengrauen.
Es war schön mit dir, so wunderschön, einfach neben dir stehen zu dürfen und in deiner Aura zu baden. Wenn ich dich jemals wiedersehen sollte, muß ich dir unbedingt – ganz unbedingt – oder auch nicht sagen, dass du mir ein Abgesandter warst, ein Lichterglanz.
Du sagtest, ich solle tanzen, wenn mich meine Gedanken umzingeln, soll sie dadurch für den Augenblick von mir fegen, wie lästigen Staub, soll lieber meinen Körper sprechen lassen.
O, wie bitter war dieses Morgengrauen. Doch übermorgen, da werde ich wieder in diesen Keller schauen, werde darauf vertrauen, dass ich mich dort erneut überlebe. Und ich werde tanzen. Ja, versprochen, ich werde meinen Körper sprechen lassen. Ganz gleich, ob du zugegen bist, du Wesen mit dem faltenlosen Aufschlag deiner Augenlider.
Doch insgeheim, ja insgeheim, und warum sollte ich dich in diesem Punkt belügen, hoffe ich darauf… dich wiederzusehen. © Arne Pahlke, 2006 |
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