Bitte, kein langweiliges Geficke!

® Arne Pahlke, Februar 2011

 

Dass ich ein Mensch bin, mit z.T. sehr von der Masse separierten Denk- und Verhaltensmustern, dies werde ich kategorisch nicht ableugnen. Und dieses verschachtelte und nicht selten widersprüchlich wirkende Wesen, das sich vor allem in meiner Kreativität zeigt, bin ich auch in meiner Sexualität.

Schließlich ist die Sexualität Teil unserer Persönlichkeit. Und meine Persönlichkeit war bereits im Knabenalter so geartet, dass dieser gewöhnliche Sex, wie er von der Mehrheit geschlechtsreifer Menschen praktiziert wird, irgendwie nicht das war, was ich unter einem erfüllenden Liebesleben verstand. Es war nun allerdings auch nicht so, dass mich etwa die Vorstellung, ein Mädchen zu penetrieren oder sie zu lecken, nicht sexuell erregen konnte. Dies tat es sehr wohl! Allerdings tat es dies weit weniger -  so als reiner Akt – ohne ein (gedankliches) Drumherum.

Bei mir fand und findet Sex vornehmlich im Kopf statt. Wenn mein Gehirn nicht sexuell stimuliert wird, wird auch der Rest meines Körpers nicht stimuliert.  Doch obgleich unser Gehirn unsere „erogenste Zone“ ist; - wird sie vor allem von Männern nicht in einem ausreichenden Maße in das Sexualleben mit einbezogen. Erfüllender Sex ist für die meisten Männer vielmehr eine (mechanische) Sache von Reibungsreizen.

 

 

Auch bei der Masturbation ist auffällig, dass sehr viele Männer sich ihr Ejakulat ziemlich emotionslos aus ihren Lenden prügeln. Und so, wie viele Männer wichsen, ficken sie dann auch. Sie ziehen beim Geschlechtsverkehr einfach ihr Masturbations-Programm durch; - nur eben mit dem Unterschied, das anstatt ihrer hohlen Hand eine vaginale Öffnung bereitliegt. Ich nenne solchen Sex gerne etwas spöttisch: „Selbstbefriedigung mit Fremdbeteiligung“. Die meisten Männer (und auch Frauen) ficken nach Schema F, nach einem verlässlichen, von ihnen oft hundert- bzw. tausendfach durchgenudelten Bumsprogramm. Sie ficken quasi nach dem Motto: 

never change a running-fucking-system!

Nun, wem dies reicht – bitte schön! Doch mein Gehirn will stimuliert werden – und umso mehr es stimuliert wird, desto nebensächlicher werden die Reibungsreize – umso geiler (befriedigender) wird der Sex bzw. die Masturbation. Ich kann mein Gehirn auf eine Weise stimulieren, dass es nur noch einen minimalen Berührungsreiz an meiner Eichel oder an Penisschaft braucht, um abzuspritzen. Ich bin somit nicht auf rein mechanisches Reibungsreizficken angewiesen, sondern für mich zeichnet sich erfüllender Sex eben durch weit mehr aus, als durch dieses rhythmische Rammeln bis zum Erguss.

Sex, bei dem meine erogenste Zone (also mein Gehirn) am stärksten stimuliert wird, finde ich vornehmlich in der Welt des BDSM. Denn hier finden die stärksten Reibungsreize in der Regel im Gehirn statt.

So macht es für mich (meine sexuelle Befriedigung) z.B. einen gewaltigen Unterschied, ob eine sexuell „normal“ geartete Frau von mir erwartet, dass ich sie „einfach so“ (rein reibungstechnisch) ficke - oder ob ich dies tue, in der Rolle ihres „Meisters“ oder bösen Onkels, der sie etwa gegen ihren Willen nimmt. Wenn ich in eine Rolle schlüpfe, darf ich die ganze Moralscheiße von mir stoßen. Ich darf eine Frau z.B. schlecht behandeln, sie erniedrigen und nach Gebrauch sogar wegsperren. Ich darf sie behandeln wie eine Sklavin ohne Rechte oder wie ein kleines ungezogenes Mädchen; - oder auch wie ein billiges Flittchen, die ich zu einer Nutte ausbilde. Und dafür hasst mich die Frau nicht einmal, sondern sie liebt mich, weil ich ihr etwas gebe, was ihr gut tut.

Zwei erwachsene Menschen, die erfüllenden Sex miteinander haben wollen, sollten vielleicht als allererstes die ihnen anerzogene falsche Moral von sich werfen. Es gibt nichts moralisch Verwerfliches beim Sex zwischen zwei erwachsenen Personen! Man darf nicht nur über jede noch so abgründige sexuelle Phantasie reden. Man darf auch jede Phantasie ausleben; -  auch wenn man einige Phantasien erst in eine realistische/realisierbare Form umwandeln muss. 

Bei einer dieser profanen Beischlafnummern hingegen, bei der eine Frau nichts weiter von mir wünscht, als dass sie ihre Öffnung von mir gestopft bekommt, damit sie sich ausgefüllt fühlt, finde ich langweilig.  Ich vermag es mittlerweile zwar, solche Nummern auch einigermaßen erfolgreich  über die Bühne zu bringen, indem ich beim Ficken einfach sofort mein Kopfkino starte - aber es ist eben um ein Vielfaches schöner, wenn man gemeinsam Kopfkino fährt. Dann ist es auch keine Selbstbefriedigung mit Fremdbeteiligung mehr, sondern etwas Gemeinsames.

Außerdem ist dieser Sex, der sich vor allem nach dem männlichen Höhepunkt (Samenerguss) ausrichtet, doch wirklich auf die Dauer total fade. Ich koste meine Geilheit und die meiner Partnerin lieber möglichst lange aus  - spiele mit unserer Lust-, als das ich mich wie zwanghaft dem Diktat des Ejakulats unterwerfe.  Ich finde es z.B. viel befriedigender, wenn ich eine Frau über einen Abend/Nacht ein Dutzend Mal und häufiger penetriere, ohne dabei zu kommen; - als drei Minuten in ihr zu rühren und abzuspritzen.

Deshalb ergreife ich auch regelrecht die Flucht vor Frauen, die einfach nur mit mir schlafen wollen;  - da ich dann sofort fürchte, dass dies bestimmt wieder in  einem langweiligen Geficke mündet.

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Chris08, 7 Februar 2011 - sehr schön und bildhaft beschrieben und von mir zu 100% unterschrieben. Sex unter einer Stunde ist kein Sex!

Irina909, 23 Mai 2011 -  Sehr treffend. Es geht um mehr als den Akt der Penetration. Erotik braucht Leidenschaft, zeit, Wahrhaftigkeit und Aufgeschlossenheit!

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