Blutiges Frühstück mit Ei ® Arne Pahlke 2005


Heute filetiere ich mir ein zartgliedriges Mädchen. Ich zerlege es kunstgerecht und verspeise es anschließend zum Frühstück. Und zwar gemeinsam mit einem abgetriebenen Küken. Dabei überfliege ich die Tageszeitung und modelliere mir aus den leuchtroten Buchstaben neue Headlines.

„Irrer tötet dreizehn Kassiererinnen bei Karstadt, da er annahm, dass diese ihm mit der Herausgabe des Wechselgeldes vergiften wollten …“

„Weltweit vier Millionen Menschen mit Helfersyndrom an einer seltsamen Aggressionsbulimie erkrankt …“

„Bizarrer Virus: Tausende Priester erleiden unerklärliche orale Samenverluste während ihrer Sonntagsgottesdienste …“


Ein diabolisches Lächeln überflutet meine bluttriefende Futterluke.

Ich nage an der rechten Arschbacke des frisch geschlachteten Mädchens und lutsche anschließend an ihrer gerösteten Kniekehle. Dabei frage ich mich, ob sie mich wohl, wenn sie mich jemals fassen sollten, möglicherweise für einen Pädophilen halten könnten, nur weil ich zum Frühstück Kinder verspeise? Hätte ich mir doch lieber eine alte zähe Frau greifen und töten sollen, damit die Leute nicht schlecht über mich reden? Doch welcher normale Mensch vertilgt schon freiwillig altes Schlachtfleisch, wenn er genauso gut ein junges Opferlamm haben kann?

Etwas schade finde ich allerdings, dass das Mädchen dann doch so jung an Jahren war. Nein, doch nicht, weil ich Mitleid mit diesem Balg hatte. Wäre sie aber zwei Jahre älter, dann wäre ihr Fleisch hormonell besser durchdüngt gewesen. Eigentlich schmecken junge Knaben deshalb ja auch um einiges besser, aber nur, wenn sie schon geschlechtsreif sind. Bei Schweinefleisch wird uns jener köstliche leicht bittere sämige Gaumenschmaus ja leider verwehrt, da sie den jungen Ferkeln bereits einige Wochen nach der Geburt ohne Betäubung die Hoden herausziehen.

Was sind das bloß für Monstren? So etwas brächte ich niemals fertig.

Ich habe das Mädchen mittels zwei kräftiger Hammerschläge getötet. Und selbstverständlich habe ich ihr diese vorher angekündigt, damit sie wusste, was sie erwartete. Man sollte Kinder schließlich nicht für blöd verkaufen.


Letztens habe ich einem Jungen die Hoden herausgetrennt. Ja, natürlich war er zu diesem Zeitpunkt bereits tot. Sie halten mich doch nicht etwa für eines dieser Monster, die kleine unschuldige Ferkel bei lebendigem Leibe kastrieren? Ich dachte mir, das seine kleinen Bällchen bestimmt einen tollen Kräckerersatz abgeben würden. Und ich sollte recht behalten! Warum denn nicht? Die Dschungelnatter Desire Nick, diese lächerliche Diva mit ihrem Sprachfehler, den sie Dialekt nennt, die hat doch schließlich auch einen Hoden zerbissen und anschließend geschluckt, als ging es dabei um den krönenden Abschluss eines Blow-Jobs. Und deshalb heucheln Sie nun bitte keine Entrüstung! Wenn jemand einen Kängeruhhoden verspeist, dann nennen sie dies höchstens Geschmacksverirrung – bei einem Knabenhoden soll der Spaß dann aber plötzlich vorbei sein? Also, ich finde, dies stellt keinen großen Unterschied dar. Und bei beiden Bällen knackt es wunderbar appetitlich, wenn man diese zerbeißt.


 


 

Es geht doch nichts über ein schönes ausgedehntes Frühstück. Doch kaum überfliege ich den Börsenteil der Tageszeitung, da flammt in mir die Erkenntnis: Unsere Welt ist krank. Und weil sie so maßlos krank ist, ist es nicht mehr meine Welt! Ich bin von lauter Irren umgeben. Um so wichtiger ist eine gesunde ausgeglichene Ernährung. Sehen Sie, selbst das Mädchen nickt mir zustimmend zu, während ihr Kopf vom Tisch rollt.

Menschenfleisch ist eigentlich eine Köstlichkeit, die ich mir häufiger genehmigen würde, wenn nur nicht die Wegschaffung der Überreste so viel Arbeit verursachen würde. Die Beschaffung? Nein, die Beschaffung stellt kein Problem dar. Es laufen so viele Schweine - klein wie groß – durch die Straßen dieser Welt. Da muss ein Sammler, Jäger und Vertilger einfach nur zugreifen. Und Dank der zunehmenden Verfettung muss ein Menschenfresser viele der umher wandelnden Mahlzeiten nicht einmal mehr mästen. Sie liefern ihre Schlachtreife sozusagen direkt ans Messer.

Nicht aber dieses wohlschmeckende Mädchen, dessen Hintern auf meinem großen Steakteller liegt. Ich liebe dieses wunderbar zarte Fleisch – Gewichtsklasse M – höchstens!

Genauso wie mein Frühstücksei, in dem das abgetriebene Kücken steckt, dessen Mutter im Hühner-KZ wahrscheinlich noch immer täglich neue Ausschussware produzieren muss, ehe es gegrillt wird. Ich wollte eigentlich wegen all dieser Scheußlichkeiten, die sich rund um Frühstückseier abspielen, bereits vor längerer Zeit aufhören diese zu essen. Allein, dass man einem ungeborenen Leben jeglicher Chance auf ein Dasein beraubt, finde ich unerträglich. Das Mädchen hingegen hatte ihre Chance – sie hatte ein Dasein. Und in der Kürze liegt die Würze.

Und sind wir doch mal ehrlich zu uns selbst – das Mädchen ist knapp 12 Jahre alt geworden. Alles, was danach kommt, ist doch nur noch ein langer elendiger Kompostierungsakt, der auch durch unser selbstbetrügerisches Schönreden keinen Krumen besser wird. Ich habe das Mädchen sozusagen mitsamt ihrer Zukunftssorgen geschluckt, möchte deshalb aber nicht gleich als Heilsbringer verehrt werden. Ich habe es ja gern getan und durchaus auch aus niederen Motiven.

O, die Eieruhr. Acht Minuten vergehen wie im Fluge, wenn man über Alltäglichkeiten philosophiert. Aber irgendwie mag ich dieses Ei nicht mehr essen. Ob ich es dem Mädchen einführe, und sie als gefüllte Gretel enden lasse, oder fänden Sie das geschmacklos?

Sie entschuldigen mich bitte – ich habe noch etwas zu erledigen …

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