Der finstere Schakal

Arne Pahlke, November 2009

 

Vor ungefähr 2000 Jahren,

da lebte ich schon einmal.

Als die Wunder noch zahlreich waren,

nannte man mich den Schakal.

 

Ich schlug Jesus an das Kreuz.

Und ich hab es gern getan.

Nein, ich hab es nie bereut;

denn er war ein Scharlatan.

 

Nein, auferstanden ist er nicht –

hab ich ihn doch danach verbrannt.

Zu Asche wurde sein Bleichgesicht;

und all dies durch Gottes-Lotsen-Hand.

 

Ich kam auf diese dunkle Welt

wohl schon über hundertmal.

Die Schöpfung hat mich her bestellt,

denn ich bin ihr finsterer Schakal.

 

Julius Cäsar schlug ich tot.

Nein, er wurde nie erdolcht.

Ich bin kein Held – kein Patriot.

Ich bin doch nur der große böse Wolf.

 

 

élicien Rops: Le Werwolf, original etching,

 

Meine Pranken sind Gericht,

sind das Urteil und der Tod.

Mitleid? Nein, das fühl ich nicht!

Denn der Mensch ist ein Idiot.

 

Und nun wurde ich geboren

Ja, ich weiß - zum letzten Mal.

Denn die Welt, sie ist verloren.

Und mit ihr auch ihr Schakal.

 

Und so wandle ich umher;

wissend um den großen Tod.

Menschen so viel wie Sand am Meer,

vor ihrem letzten Abendrot.

 

Ein Meer aus Asche seien wir -

treiben mit Jesus im Weltengrab.

Ich war euer finstrer Kurier

und bin nun der Hüter von eurem Sarg

 

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