![]() |
||||||||||||||
|
Der gefickte Traum vom Glück Arne Pahlke, März 2008
Und als ich träumte, ich wäre rundum glücklich, riss mich ein entsetzlicher Wadenkrampf aus diesem wunderschönen Traum. Vom Schmerzröcheln begleitet sprang ich aus dem Bett und schlug mir dabei meinen noch halbschlafenden Kopf an der Kante eines Bücherregals auf, woraufhin Blut aus meinem Schädel tropfte und mir in mein linkes Auge lief. Hallblind tastete ich mich bei völliger Dunkelheit ins Badezimmer, um mir, nachdem ich das Licht angeschaltet habe, im Spiegel die Kopfwunde anzusehen. Doch leider machte mich der Wadenkrampf taumelnd. Er ließ mich ganz seltsam voranschreiten, als wäre mein rechtes Bein aus zähem und zugleich unzähmbarem Gummi. Ich verlor das Gleichgewicht und knickte seitwärts ein. Und während ich mich im freien Fall befand und meine Arme hilf- und orientierungslos nach einem neuen Gleichgewicht ruderten, kam mir meine verstorbene Tante Margit in den Sinn, die zwei Tage nach ihrer Pensionierung beim Äpfel pflücken von der Leiter geflogen war und sich dabei das Genick gebrochen hatte. Und da sage noch einer: Obst aus eigenem Anbau ist gesund. Ich kam zwar mit dem Leben davon, zog mir aber eine zweite Kopfwunde zu, als ich mit meinem Hinterkopf auf dem scharfkantigen Metallgriff der untersten Schublade meines Spülunterschranks aufschlug. Und leider war diese Kopfwunde viel größer. Ich spürte sofort die Wärme des Blutes, das mir den Nacken hinunterlief und auf den Boden tropfte. Und dazu dieses pochende hämmernde Pulsieren unter meiner Schädeldecke, das mich zunehmend einlullte. Als ich den sich schnell ausweitenden Blutsee mit meiner Hand ertastete, schleppte ich mich zum Telefon, um mir einen Rettungswagen herbeizurufen. Ich lallte den Grund meines Anrufes in den Hörer und nannte meine Adresse. Zwar bat mich die Dame mit der betäubenden Stimme anschließend noch am Hörer zu bleiben. Doch ich fühlte mich viel zu müde zum telefonieren. Ich schaffte es gerade eben noch bis zu meiner Wohnungstür und konnte mich so ablegen, dass mich die Notärzte lediglich einsammeln mussten. Sodann verschwand mein Bewusstsein hinter einem tiefschwarzen Vorhang. Als ich wieder zu mir kam, lag ich tatsächlich in einem Krankenwagen. Ich hatte es also geschafft. Jedenfalls dachte ich dies, bis ich das Gesicht des Rettungssanitäters sah.
„Oh Scheiße“, schoss es mir durch den schmerztauben Kopf: „Das ist doch die grässlich aussehende Tunte, der ich vor ein paar Tagen nach einigen aufmunternden tätschelnden “Knüffen” die Brieftasche abgenommen hatte. Und zur Belohnung habe ich ihr anschließend ins Gesicht uriniert. Ok, so etwas tut man nicht. Aber ich hatte Langeweile und außerdem nichts Essbares mehr im Kühlschrank. Außerdem hatte dieser Typ so einen leicht devot-masochistischen Gesichtsausdruck, dass ich mir dachte, das es ihm im Endeffekt sogar gefallen könnte, was ich mit ihm anstellte. Vor allem das urinale Finale. Tat es aber wohl nicht, denn er schaute mich jetzt ganz grimmig an. Ok, das ging noch in Ordnung. Mulmig wurde mir erst, als er mich hämisch angrinste und der Rettungswagen kurz darauf zum stehen kam. Und zwar definitiv nicht vor einem Krankenhaus. Ich wollte mich – leicht panisch geworden - aufrichten. „Das kannst du knicken!“, spottete der Rettungssanitäter: „Ich habe dir versehentlich ein Mittelchen gespritzt, dass dich vorübergehend etwas … na sagen wir es mal so …mumifiziert.“ „Das hört sich nicht gut an – überhaupt nicht gut ...“, flüsterte ich und zitterte irgendwie ganz spastisch nach innen. Und dann kam der Fahrer dazu. Und dann poppten mich die beiden rachsüchtigen Tunten durch. Wie kann man bloß so nachtragend sein? Und wieso war ich einerseits wie gelähmt und spürte andrerseits doch jeden Zentimeter dieser für mein Gefühl viel zu stark angeschwollenen Fremdkörper in mir? Und ich konnte noch nicht einmal schreien, weil mir die bösen Schwestern so eine unbehagliche Maulsperre eingesteckt hatten. Naja, eines hat mich diese Geschichte auf jeden Fall gelehrt. Man kann noch so schöne Träume vom großen Glück träumen. Am Ende sind diese ohne jeden Wert. So etwa dann, wenn einem das Leben schon kurz darauf auf so hinterhältige Weise gleich doppelt und dreifach fickt! |
||||||||||||||
![]() |
||||||||||||||
|
leider noch kein Kommentar vorhanden. Sei der Erste, der einen Kommentar schreibt! |
||||||||||||||
![]() |
||||||||||||||
|
® sämtliche Textrechte liegen bei Arne Pahlke/Wortmutation |
||||||||||||||