Der Rabe in Menschengestalt

® Arne Pahlke, November 2011

 

Habt ihr je gehört von diesem Raben

in gar jämmerlicher Menschengestalt?

Dessen elendes Dasein nur ein Darben;

dessen Verbannungsort ein Dämonenwald?

 

Der mit seinen abgemahnten Flügeln,

bloßgestellt und verzagt;

zwangsgeerdet von unsichtbaren Zügeln,

sich jede Hoffnung untersagt?

Könnt ihr mich sehen, mich die Mischgestalt

mit meinem ausgedünnten Federhaar?

Getrautet ihr euch je in euren eigenen Dämonenwald

oder siecht ihr dahin, als euch verwaltender Avatar?

 

Das Missbehagen meines Seins haftet an mir,

wie das Harz unrettbarer Bäume.

Ich bin ein sardonischer Weiser, ein Kvasir,

verbannt in unbewohnbare Zwischenräume.

Ich bin der Einsiedlerrabe in Menschengestalt,

lästig schlau und schädlich lernbegierig.

Ich bin der Lockvogel in meinem Dämonenwald,

invalid und selbstzerfleischungshungrig.

 

Suche Halt im Schizophrenen.

Suche Trost in fremden Tränen.

Suche Mut  in unsrer aller Bangigkeit.

Suche Einkehr fernab jeglicher Zeit.

 

Ich suche Muße im Wahn,

den satanischen Bass im himmlischen Sopran.

All dies und mehr suche und finde ich nicht...

... in diesem Wald der Dämonen;

... in diesem Wald der Deformationen...

…in diesem Wald der einsamen Raben in Menschengestalt.

 

Ich im Wald der Dämonen (am 5. November 2011 )

 

schreibe einen Kommentar..
Dein Kommentar zum Text abgeben

The Educator, 13. Oktober 2011 - Das Lesen dieses Textes, sowie das Wahrnehmen des Geländes auf den Fotos, regt ehrlich gesagt, tief sitzende Sehnsüchte in mir an. Und wenn ich mich weiter darauf einlassen würde (oder sogar habe?), dann könnte (kann?) ich mich nicht mehr gegen ein entstehendes Bauchkribbeln erwehren. Ein Kribbeln, ausgelöst durch Faszination, Schauer, Misstrauen gegenüber Unbekanntem, gefühlter Grausamkeit, einem Verlorenheitsgefühl, gleichzeitig aber auch durch eine wohltuende Vertrautheit, einer versöhnlichen Geborgenheit, einem Gefühl größter Hoffnung, einem verborgenen Spieltrieb, ja sogar einem Hauch Glückseligkeit. Diese (scheinbaren?) Widersprüchlichkeiten harmonieren und wechselwirken aber dennoch ohne Schranken miteinander. In der Vergangenheit war ich oft und lange, sowohl alleine, als auch mit Menschen in Wäldern. Zu diesen Zeiten war es noch üblich, in Lichtungen solcher Wälder ein Lagerfeuer einzurichten. Egal, ob ich mich stundenlang alleine in den Wäldern “herumtrieb”, oder tagelang mit meiner damaligen Clique die Zelte aufgeschlagen habe.

Hatte wohl auch ein ganz klein wenig damit zu tun, daß in den 80er Jahren so manche Horrorfilme erschienen sind, bei denen sich ebenfalls Jugendliche im Wald aufhielten. Und diese damaligen Nordamerikanischen Jugendlichen, in diesen Filmen, hatten fast das gleiche Verhalten und die gleichen Sprüche drauf, wie wir hier. Das fühlt sich jetzt im nachhinein schon fast wie ein kultischer Mythos an. Sozusagen als unausgesprochener Ehrencodex unter ganz bestimmten, aber dennoch weitverbreiteten Jugendlichen, die aber inzwischen längst keine Jugendlichen mehr sind. Zumindest kommt MIR das alles so vor. Aber es tut gut. Unsagbar gut.

® sämtliche Textrechte liegen bei Arne Pahlke/Wortmutation