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Der Tag, an dem mein Penis verschwand Arne Pahlke, Januar 2010
Der Tag, an dem mein Penis verschwand, begann zunächst ganz normal. Vorsätzlich überhörte ich gleich mehrmals meinen Wecker und redete mir dabei beharrlich ein, dass ich die absolute Hoheit über ihn genieße. Als hätte jemals irgendein schmieriger Regenwurm die Hoheit über die Sonne gewonnen, nur weil er sich ihren sengenden Strahlen durch ein lakaienhaftes Abtauchen ins schlammige Erdreich entzieht. Mein Erdloch fand sich unter meiner Bettdecke. Und unter meiner Bettdecke spürte ich das schläfrige Abschwellen meiner Morgenlatte. Mein Tag begann also gänzlich extraordinär. Und somit verlor ich wie an jedem ganz gewöhnlichen Dutzendtag auch an diesem Morgen den Kampf gegen meinen Wecker. Es war ein ganz normaler Wecker, der als eine der ungezählten Foltermaschinen eine Zeit darstellte, die Geißel einer Welt geworden ist, in der die Zeit mehr und mehr zu einer Maßeinheit für Geld verkommen ist. Ich schob mich schlaftrunken ins Bad. Der Deckenfluter topedierte mich mit dem für ihn so typischen aufdringlichen grellen Licht, dass sich vor allem direkt nach dem Anschalten anfühlt, als würde es geradewegs in unsere Augenhöhlen eindringen, um sich von dort den Weg in unsere Gehirne zu bahnen, um da – „wer-weiß-was-auch-immer“ anzurichten. Ich verspürte einen starken Harndrang, wie ich es fast jeden Morgen direkt nach dem Aufstehen tue. Also stellte ich mich vor die Kloschüssel und griff nach meinem Mannesteil. Und ich tat dies blind. Schließlich kann jeder Mann blind nach seinem Penis greifen, denn nach kaum etwas greifen des Mannes Hände häufiger und begieriger, als nach seinem herausragendem Geschlechtsmerkmal. Doch an diesem Morgen …. griff ich ins Leere. Im Bruchteil einer Sekunde wurde mein kompletter Körper von einer Gänsehaut überzogen. Es war eine Gänsehaut, wie ich eine solche noch nie zuvor erlebt habe. Und meine Atmung überschlug sich, als ich meine Blicke nach unten senkte – eben nach dorthin, wo einst mein Penis war. Mein Penis war weg. Mein Penis hing nicht mehr an seinem ihm zustehenden Platz. Wo ich noch vor wenigen Minuten schlaftrunken meinen Morgenständer tätschelte, sah ich nur noch dieses Loch. Und es war kein Loch gleich der vaginalen Öffnung einer Frau. Es war nur ein winzig kleines Loch ohne Schamlippen oder ähnliches – eben einfach nur ein Loch. „Oh, mein Gott“, stammelte ich wohl zehn- oder vielleicht sogar zwanzigmal direkt hintereinander, ehe mir schwindelig wurde und ich auf die kalten Fließen sank. Und dort lag ich etwa eine halbe Stunde in einer Art Schockstarre, ehe ich wieder einigermaßen klare Gedanken fassen konnte. Langsam und zitternd tasteten sich meine Finger zur winzigen Körperöffnung vor, die plötzlich und warum auch immer da war. Ich kam mir dabei wie jemand vor, der unter Arachnophobie leidet. Jemand, der in Selbsttherapie ein Exemplar einer völlig unbekannten Spinnenart ertasten soll, die triumphierend auf seiner Körpermitte hockt. Nur eben mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass meine Spinne mein Genital auf dem Gewissen hatte; - was die Annäherung nicht unbedingt leichter gestaltete. Irgendwann aber berührte eine meiner Fingerspitzen die Öffnung, die in etwa die Größe eines 50 Cent-Stückes hatte. Ja, das ominöse Loch war wirklich da, denn ich konnte es deutlich spüren. Nacheinander berührte ich es mit jedem meiner Finger, ehe ich vorsichtig mit meinem linken Zeigefinger in die Öffnung eindrang. Es war ganz unzweifelhaft ein Loch. Und dieses Loch wuchs aus meinem Körper oder führte in diesen meinen Körper hinein; - ganz nach Belieben. Mein Harndrang kehrte zurück. Und dies viel stärker, als vor einer guten halben Stunde, als meine bescheidene kleine Welt noch in Ordnung schien. Also zog ich mich am Klo hoch und setzte mich auf die Kloschüssel. Als ich noch einen Penis hatte, pinkelte ich nie im sitzen, schoss es mir durch den Kopf. Wozu auch? Richtige Männer pinkeln im Stehen. Aber war ich jetzt noch ein richtiger Mann, so ganz ohne Penis? Trotz meines starken Harndrangs vergingen wohl annähernd zehn Minuten, ehe sich das erste kleine Rinnsal einen Weg durch meine neue Körperöffnung bahnte, um sich kurz darauf in ein gelben Sturzbach zu verwandeln. Und ja, es war mein eigener Urin und mein Loch. Doch wo kam dieses Loch her? Und warum war es plötzlich da? Und wo war mein Penis abgeblieben? Und was um Himmels Willen sollte ich denn jetzt mit diesem Loch zwischen meinen Beinen anfangen? Sollte ich nicht besser einen Krankenwagen rufen? „Was fehlt ihnen? „Mein Penis, wehrte Dame. Mir fehlt einfach nur mein Penis. Nein, er ist nicht abgerissen. Mein Penis ist einfach verschwunden. Unmittelbar nach dem Aufstehen muss er mir verloren gegangen sein. Als ich Wasser lassen wollte, war er plötzlich nicht mehr da, wehre Dame.“ Einen Krankenwagen zu rufen verwarf ich rasch als keine besonders gute Idee. Aber was sollte ich dann tun? Sollte ich einfach so unangemeldet bei meinem Urologen vorbeischauen? Ich meine, er ist ein recht kompetenter Kerl. So ist das nicht. Doch bei aller Wertschätzung für sein außerordentliches Fachwissen; - wie hätte er mir in diesem Fall helfen können? „Herr Doktor, mein Penis ist heute Morgen einfach so verschwunden. Schauen sie hier mein Loch! Was schlagen sie vor, was wir jetzt unternehmen?“ Ich glaube, dieser Anblick würde ihm zutiefst beunruhigen oder unglaublich wütend machen. Ja, er würde am Ende glatt denken, dass ich mich selbst verstümmelt habe und mir nunmehr auf seine Kosten einen unsagbar makaberen Scherz erlaube. Oder halluziniere ich? Habe ich am gestrigen Abend eventuell irgendwelche psychedelischen Drogen konsumiert? Nein – nein – nein! Es liegt schon über zehn Jahre zurück, dass ich harte Drogen genommen habe. Hatte ich also einen Flash-Back? Doch was für ein heftiger Flashback müsste das wohl bitteschön sein, der nicht nur eine Stunde lang konsequent Spur hält, sondern der mir überdies ein Miniatur-Pinkelloch in meine Mitte projiziert? Und zwar ein sichtbares und zu ertastendes Loch, in das ich jeden Finger einzeln hineinstecken kann; - ein Loch - aus dem ich urinieren kann. Ich halluzinierte nicht, auch wenn ich mir dies in jenen Momenten wirklich sehnlichst gewünscht habe. Doch ich war - den Umständen entsprechend - bei klarem Verstand. Mein Penis war weg. So einfach war das. Keine Psychose - kein Flashback. Mein Penis hatte sich ganz einfach nur von mir verabschiedet; - nicht mehr und nicht weniger war geschehen.
Ich wurde erstaunlich ruhig. Und zwei Dosen Bier später machte sich sogar eine heitere Gelassenheit in mir breit. Ich rief auf der Arbeit an und sagte, dass mir etwas fehlen würde und ich deshalb nicht kommen könne. „Oh, Herr Kranzmeier. Was fehlt ihnen denn?“, fragte mein Chef in dieser Tonlage, die Mitgefühl signalisieren will, die eigentliche Verärgerung über einen Zustand aber nicht herauszufiltern vermag. Ich entgegnete meinem Chef, dass ich ihm auf gar keinen Fall sagen könne was mir fehlt und beendete das Gespräch. Sodann stellte ich mich vor den großen Spiegelschrank im Schlafzimmer und begutachtete mein Loch. Meine Panik war mittlerweile komplett von mir gewichen. Sie machte einer starken Neugierde Platz, die mich mein Loch genauestens begutachten ließ. Ich wollte einfach alles über dieses kleine Loch in Erfahrung bringen, denn dieses Ding ersetzte schließlich meinen Penis. Wie fühlte es sich an? Wie schmeckte es? Wie tief konnte ich mit meinen Fingern und anderen Gegenständen in das Loch eindringen? Und wie stark konnte ich es weiten, bevor es wehtat? Und wie reagierte es auf Wärme und auf Kälte? Als ich mein Loch irgendwann sanft massierte, durchzogen mich angenehme Gefühlswellen. Sie waren mit jenen vergleichbar, von denen ich mitunter als kleiner Junge getragen wurde, etwa dann, wenn sich meine Eichel an einer Unterhose rieb. Und doch fühlten sie sich gleichzeitig ganz anders und fremd an. Ich fragte mich, ob ich nicht besser meine Freundin anrufen solle, um ihr für den Abend abzusagen. Ich meine, sie war ganz wild auf meinen großen fleischigen Schwanz, auch wenn sie dies mir gegenüber niemals offen zugegeben hätte. Sie genoss es, wenn ich sie damit regelrecht aufspießte. Es war unbedingt davon auszugehen, dass meine Freundin mehr als nur leicht irritiert sein würde, wenn ihre Hand in meine Hose gleiten würde und sie dort anstatt meines Prügels nur dieses kleine Pinkelloch ertasten würde. Was würde ich ihr dann sagen? „Ach ja, Spatz…. ich habe vorhin am Telefon ganz vergessen dir zu erzählen, dass mein Penis weg ist. Dafür habe ich jetzt dieses kleine niedliche Loch, das du gerade mit deinem langen Fingernagel blutig scheuerst, weil du warum auch immer Panik schiebst. Nein, du musst dir wirklich keine Sorgen machen. Ich fühle mich fantastisch. Ich vermisse meinen Penis bereits nach wenigen Stunden überhaupt nicht mehr. Ich liebe mein kleines Pinkelloch. Es ist längst nicht so selbstherrlich und besitzergreifend wie mein Penis. Ich fühle mich damit viel freier und selbstbestimmter.“ Da meine damalige Freundin einen Hang zur Hysterie hatte und unsere Beziehung mir von Stunde zu Stunde ohnehin nutzloser erschien, zog ich es vor sie anzurufen und die Verabredung sowie auch die Beziehung abzusagen. Ich sagte ihr oder vielmehr ihrem Anrufbeantworter, dass ich der blöden Fickerei seit heute nichts mehr abgewinnen könne und deshalb Schluss mache, weil ich mir mit ihr nicht anderes als das blödes Geficke vorstellen könne. Und somit wäre die einzige Grundlage für den Fortbestand unserer Beziehung mit dem heutigen Tag entzogen. Das klang logisch und fair. Also legte ich nach dieser Klarstellung unverzüglich auf. Direkt nach dem Anruf verließ ich meine Wohnung. Ich weiß nicht mehr genau, wo ich an diesem Tag überall war und was ich alles anstellte. Ich war wie von Sinnen. Nicht nur, dass ich mir annähernd zwanzig Paar Sneakers gekauft habe; - ich gebrauchte den ganzen Tag über kein einziges obszönes Wort. Dafür musste ich einmal vor der Polizei fliehen, die eine Lehrerin herbeigerufen hatte, nachdem ich ihren Biologieunterricht gestürmt war, um den Kindern Anschauungsunterricht zu geben. Es war wohl ungefähr drei Uhr in der Nacht, als ich völlig erschöpft Nachhause kam, in mein Bett fiel und sofort eingeschlafen bin. Als mich der Wecker Stunden später aus dem Schlaf riss, schlug ich schweißgebadet meine Augen auf und griff mir reflexartig zwischen meine Beine. Und tatsächlich: er war wieder da. Es war sogar so, als wäre er nie wirklich weggewesen. Ich hatte meinen Penis wieder. „Oh danke, lieber Herrgott“, schickte ich ein kleines Gebet gen Zimmerdecke. Schließlich hatte mir der liebe Herrgott das kleine und irgendwie geschlechtslos aussehende Pinkelloch wieder in ein großes Stück Fleisch zum Anfassen verwandelt, wofür ich ihm unsagbar dankbar war. Doch wie ist es zu alledem überhaupt gekommen? Langsam dämmerte es mir. Als ich neben mir zum Nachtschrank blickte, erspähte ich das Buch dieser französischen Feministin, von der meine Freundin mir so oft vorgeschwärmt hatte. Gestern war sie dann der Meinung, dass es nicht schaden könne, wenn ich auch mal ein Buch von dieser französischen Feministin lesen würde, da ich laut meiner Freundin frauenfeindliche Attitüden hätte. Ich und frauenfeindliche Attitüden? Und es würde nicht schaden, wenn ich dieses Buch lese? Nun, ihr wisst ja inzwischen, was dieses Buch mir angetan hat. Ich griff nach dem Buch. Ganz vorsichtig nahm ich es auf. Ich tat es wie jemand, der eine Schlange in die Hand nimmt, um ihr Gift zu melken, ohne dabei zu Schaden zu kommen. Ich sah das Lesezeichen in der Mitte des Vorworts. Ich hatte gestern Abend vorm Schlafen gehen also noch nicht einmal richtig damit angefangen in diesem Emanzenbuch zu lesen und dennoch hat es bereits diese derart teuflische Wirkung in mir entfacht. Es schauderte mich und ich warf das Buch zu Boden. Mit meiner Freundin habe ich noch am selben Tag Schluss gemacht. Als Abschiedsgeschenk habe ich ein paar Ohrfeigen verpasst. Ok, vielleicht flog auch die eine oder andere Faust hinterher. Was sollte ich tun? Ich war wütend und endlich wieder ein ganzer Mann. Jawohl, das Testosteron hatte mich wieder und ich spürte in jeder Pore, dass ich ihr körperlich überlegen war. Und ebendies sollte die Emanze in diesem Moment auch deutlich spüren. Warum musste sie mir auch so ein übelgesinntes Buch unterjubeln? Irgendwann mitten in der Nacht habe ich sie vor einem Frauenhaus abgelegt. Ich dachte mir halt, dass sie dort am ehesten auf jenen Menschentyp treffen wird, mit dem sie sich gut versteht, sobald sie denn irgendwann wieder zu Bewusstsein gekommen ist. Ich hatte natürlich schon etwas Angst davor, dass sie in dieser typischen weibischen Art diesen kleinen Vorfall häuslicher Gewalt total überdramatisiert. Ich habe mich davon allerdings nicht verrückt machen lassen. Ich bin ins nächstbeste Bordell gefahren und habe meinem Penis zu seiner Quasi-Wiederauferstehung ein wenig Spaß gegönnt. Seit jenem Tag, an dem mein Penis verschwand, hatte ich keine Freundin mehr. Seit über 5 Jahren lebe ich meine Lust nunmehr allein in Bordellen aus. Und dies auch nur mit Frauen aus jenen Ländern, in denen aktive Feministinnen mit der Todesstrafe rechnen müssen. Ich muss mich einfach möglichst gut absichern, damit sich so eine Sache niemals wiederholt. Und eben deshalb habe ich dieses Erlebnis auch niedergeschrieben. Eben, damit anderen Männern mein Schicksal erspart bleibt. Wenn euch eure Freundin oder Ehefrau also jemals ein Buch in die Hand drücken sollte, welches euch auch nur im Anflug feministisch-emanzipatorisch erscheint, so verbrennt dieses Buch sofort! Ja, wenn es sein muss, dann sogar mitsamt der Hexe, die es euch zu lesen gab. |
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Kommentar von Chaoslady, 25 Januar 2010 - Kerl ich glaube du kiffst zu viel ... aber grundsätzlich sehr provokant, schlagfertig, direkt und humorvoll geschrieben. nice - hat sich gut lesen lassen. Wortmutation: Danke für Deinen Eintrag :-) Es war kein "Kiff" sondern der Geist des Weines, der mich zu dieser Geschichte nötigte. Anonym, 17 Juli 2010Ich muss sagen, erst wusste ich nicht recht, was ich von deiner kleinen Kurzgeschichte halten sollte, aber mir geht es genauso, ich habe zwar kein Loch, aber ich merke wie die Emanzipation auf mein Glied, mit voller Macht, einschlägt, ich finde es nicht schlimm, wenn Frauen arbeiten, zum Bund gehen, oder Dinge tun, die eigentlich Männersache sind, im Gegenteil, das ist garnicht so schlecht... NUR, was mich stört ist: ,,Das es Frauen anscheinend nicht reicht, mit uns gleichgestellt zu sein, sondern das Sie uns mit solchen Büchern ihre "angebliche" Überlegenheit in unsere Köpfer pressen wollen!" Ich finde wir sind alle mehr oder weniger gleich, aber einander durch feministische oder frauenfeindliche Dinge zu unterdrücken ist flasch!!! PS: großes Lob an deinen Text! mit freundlichem Gruß, Philipp (18 m) Wortmutation: Eine (der vielen schlechten) Angewohnheiten von Frauen ist die, dass sie uns Männer zwanghaft verändern/umerziehen wollen. Wir sollen gefälligst dem Bild gleichen, was sie sich von uns in ihren wirren (verkitschten) Träumen machen - und dafür ist manchen Frauen jede Manipulation recht. Aber ein paar gute Eigenschaften haben Frauen ja doch; - ansonsten würden wir uns vor ihnen nicht wiederholt zum Narren machen. Sie haben z.B. dieses Loch da. :-) Toidiud, 17 März 2011 - Erst schreibst Du einen echt guten Text und danach einen derart dummen Kommentar. Ich liebe es auch, mich wie ein Mann zu benehmen und darauf zu scheißen, was "man" heutzutage alles angeblich nicht mehr tun darf, damit sich "Prinzessin" auch ja nicht unterdrückt fühlt.Aber Gewalt gegen Frauen is nich wirklich witzig, Freundchen. Viele Grüße an dein "Pinkelloch" |
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