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Der ultimative Albtraum Arne Pahlke, Juli 2010
Bereits seit Monaten zieht es mich immer wieder in diesen Albtraum, der mir von Mal zu Mal stofflicher erscheint und dessen zügellose Ausläufer ich jedes Mal früher wittere, ehe diese mich in sich aufsaugen. Und jedes Mal versuche ich diesem Albtraum zu entkommen, indem ich einfach meine Augen aufreiße. Doch ich bekomme meine verdammten Augen einfach nicht auf. Ich arbeite als Barkeeper in einer heruntergekommenen Kaschemme. Irgendwann mitten in der Nacht, direkt nachdem der letzte Gast gegangen ist, schließe ich die Schenke hinter mir zu und steige die Treppe einer nahegelegenen U-Bahn-Station hinab. Und ich spüre bereits beim Hinabsteigen der Stufen, dass mit dieser U-Bahn-Station in dieser Nacht irgendetwas nicht stimmt. Ich höre mich atmen und ich höre das Echo meiner Schritte. Und mir ist so, als würde die Treppe einen Plan verfolgen; - als würde sie mich führen. Und ich wage es nicht stehen zu bleiben, weil ich fürchte, dass die Treppe es auf keinen Fall zulassen würde, wenn ich jetzt einfach stehen bliebe. Also steige ich die Stufen hinab. Doch es sind weitaus mehr Stufen als sonst; - und sie führen viel tiefer hinab als sonst. Ich steige die Stufen immer schneller - ich stürze geradezu in die U-Bahn-Station. Und dieser U-Bahn-Tunnel scheint mich erwartet zu haben. Jede Kachel, jede Deckenlampe, jedes Graffiti scheint von mir Notiz zu nehmen. Es zieht mich wie auf einem unsichtbaren Transportband zu einer weiteren Treppe, die zum Bahnsteig führt. Ich betrete den Bahnsteig. Keine Menschenseele ist zu sehen. Alles wird immer unheimlicher – entsetzlich unheimlich, beklemmend und furchteinflößend. Ich will sofort raus aus dieser U-Bahn-Station. Doch als ich mich umdrehe, um die Treppe hochzulaufen, ist da keine Treppe mehr. Kein Aufgang – kein Ausgang – nichts mehr da – nur noch Wand. Und alles glotzt mich an. Die ganze U-Bahn-Station ist wie ein großer Organismus mit einem eigenen Bewusstsein. Und dieser Organismus hat mich geschluckt. Die U-Bahn fährt ein. Ängstlich schaue ich nach, wohin der Zug fährt. Aber weder auf den Hinweistafeln auf dem Bahnsteig, noch auch auf der Bahn selbst wird ein Fahrziel angegeben. Die Zugtüren öffnen sich automatisch.
Mir wird sofort klar, dass ich keine andere Wahl habe, als in diesen Zug einzusteigen. Das Bewusstsein der U-Bahn-Station lässt mich dies mit aller Nachdrücklichkeit spüren. Also steige ich widerwillig in den Zug. Die Türen schließen sich. Der Zug fährt an. Niemand ist im Abteil; - nur ich und meine Angst, die immer wieder zu mir zurückspringt; - ganz gleich, wie oft ich sie auch von mir werfe. Ich schaue aus den Zugfenstern und sehe schwach ausgeleuchtete Tunnelwände an mir vorbeirauschen. Und dann ertönt diese Stimme, wie ich sie schon tausendmal zuvor gehört habe; - diese elendige Frauenstimme, die den Fahrgästen die jeweils nächste Station ansagt. Und was sagt sie? Was sagt sie mir da, diese Bestie, mit ihrer aufgesetzt fröhlichen monotonen Stimme? Sie sagt: „Nächste Station: Hölle. Endstation. Bitte alle aussteigen. Dieser Zug endet hier und wird ausgesetzt.“ „Wie bitte!“ Was hat sie eben gesagt“, schreie ich voller Entsetzen und trete mit meinen Füßen gegen die Türen. Doch da wird der Zug wird bereits langsamer und langsamer und kommt schließlich zum Stillstand. Wieder öffnen sich die Türen des Zuges vollautomatisch. Und ich spüre einen unwiderstehlichen Sog, der immer stärker wird und mich zu einer der Türen zieht. Doch dort ist kein Bahnsteig zu sehen. Dort ist nichts zu sehen oder zu ertasten, auf dass ich hinabstiegen könnte. Dort ist lediglich ein tiefschwarzer Abgrund – ein schwarzes endloses tiefes und endlos weites eiskaltes Nichts. Doch erneut spüre ich, dass mir keine andere Wahl bleibt. Ich muss in dieses schwarze endlos tiefe und endlos weite eiskalte Nichts hinaustreten. Und immer genau in diesem Augenblick, in dem ich dies tue; - in dem ich mich in dieses endlose Nichts stürze, reißt es mich schweißfiebernd aus dem Schlaf. Doch ich weiß, ich bin der Hölle nicht dauerhaft entkommen. Ich werde wieder und wieder in diese U-Bahn-Station hinabsteigen und der Zug wird mich wieder und wieder mitnehmen. Ja, ich weiß, dass die Nacht, aus der es kein Erwachen mehr für mich gibt, früher oder später kommen wird. |
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Konkalit, 26 Juli 2010 - Du schaffst es immer mit deinen Worten beklemmende Vorstellungen zu schaffen. Alpträume die man schon zigmal geträumt hat und in denen man genau den Ablauf kennt und ihn dennoch nicht aufhalten kann sind besonders ätzend. Nadja G., 27 Juli 2010 - BUAH! Voll unheimlich. Hoffentlich bekomme ich heute Nacht keine Albträume :-( Aber dann weiß ich wenigstens, bei wem ich mich beschweren kann ;-) Schäfchen, 28 Juni 2011 - Ich habe auch oft Albträume doch machen die mir keine Angst mehr. Mir egal, ob mir da die Zähne ausfallen, an Krebs erkranke, von Monstern verfolgt und gegessen werde. Seitdem ich mit mir selbst im Reinen bin, bin ich die Ruhe selbst und träum den Traum zu Ende – eine echte Schlaftablette. |
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® sämtliche Textrechte liegen bei Arne Pahlke/Wortmutation |
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