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Der Vater, der nicht wahrhaben wollte, dass sein Sohn schwul ist. ® Arne Pahlke, Januar 2011
„Du Helmut? Ich glaube, unser Michael ist schwul“ „Wie kommst du denn auf sowas, Gabi? Nie im Leben ist unser Michael schwul. Unser Junge ist völlig normal!“ „Na, also ich habe da so ein Gefühl … „Ach, du immer mit deinen blöden Gefühlen. „Es ist aber mehr als nur ein Gefühl. Es gibt einige Indizien, die dafür sprechen…“ „Indizien, die dafür sprechen, dass unser Junge schwul ist? Ich habe dir schon tausendmal gesagt, dass du damit aufhören sollst diese blöden Gerichtssendungen anzuschauen. Indizien? Tzz! Machst du jetzt ein auf Babara Salesch? Du reimst dir mal wieder einen totalen Nonsens zusammen. Hol‘ mir lieber noch ‘ne Flasche Bier! „Nein, wir müssen jetzt darüber reden!“ „Worüber denn? Es gibt nichts zu reden! Unser Junge ist kein Homo!“ „Michael ist jetzt 16 und hatte noch immer keine Freundin.“ Na und? Nur, weil unser Michi mit 16 noch keine Freundin hatte, soll er schwul sein? „Nein, nicht nur deshalb, Helmut. Aber seit einigen Wochen benutzt Michi auch mein Make-up und mein Kajalstift. „Dann lass ihn doch! Unser Michi achtet halt auf sein Äußereres. Wäre es dir lieber, wenn er aussehen würde wie ein Junkie? Und schau dir doch die ganzen Männer im Fernsehen an. Die sind doch heute alle geschminkt. Selbst die harten Kerle in den Actionfilmen, die der Michi so gerne mit mir anschaut. Auch die sind alle geschminkt. „Helmut, in Wahrheit mag Michael überhaupt gar keine Actionfilme.“ „Aber selbstverständlich tut er das! Ich gehe doch alle zwei Woche mit ihm ins Kino. Und dort schauen wir uns jedes Mal einen Actionfilm an. Jedes Mal!“ „Hast du Michael denn überhaupt jemals gefragt, ob er nicht lieber etwas anderes wie Actionfilme ansehen würde?“ „Nein! Warum sollte ich das tun? Unser Michi ist doch ein total normaler 16jähriger Junge. Und jeder normale 16jährige Junge liebt Actionfilme, in denen die Post abgeht und es ordentlich kracht. „In seiner DVD-Sammlung ist aber kein einziger Actionfilm zu finden. Und nicht nur das. Letzte Woche hat unser Michael sich Brokeback Mountain gekauft. Und den hat er sich gemeinsam mit seinem besten Freund Jörg angesehen. „Ist das jetzt verboten, sich gemeinsam mit seinem besten Kumpel Filme anzusehen? Läuft man dadurch heutzutage Gefahr, von seiner eigenen Mutter als schwul diffamiert zu werden? Und was ist bitte Brokeback Mountain?“ „Das ist ein Western mit zwei Schwulen, die sich ineinander verlieben.“ „Also, Gabi, nun drehst du völlig am Rad. Es gibt keine Western mit Schwulen! Western und Schwule, das schließt einander aus! So ein Schwachsinn hab ich ja noch nie gehört. Western mit Schwulen. Tzz. Wenn unser Michi sich Westernfilme kauft und diese anschaut, dann ist dies sicherlich kein Indiz dafür, dass er schwul ist, sondern vielmehr dafür, dass aus unserem Junge langsam ein echter Kerl wird. Unser Junge soll sich ruhig viele Western ansehen. Vorbilder wie John Wayne, Burt Lancaster oder Rock Hudson werden ihm gut tun, denn das waren noch echte Kerle!“ „Helmut, Rock Hudson war schwul und starb an AIDS!“ „Gabi, deine Korinthenkackerei geht mir allmählich auf den Sack. Hol‘ mir jetzt gefälligst eine Flasche Bier! Deine Schwatzereien kann man ja nüchtern niemandem mehr zumuten.“
„Nein, Helmut! Wir müssen das jetzt klären! Ich habe unserem Michi neulich zufällig gesehen, wie er mit seinem besten Freund Jörg durch den Stadtpark spaziert ist.“ „Ach, und das ist neuerdings auch schwul, wenn zwei Männer gemeinsam durch den Park gehen? Vielleicht wollten sie sich dort einfach nur hübsche Mädels anschauen. „Helmut, sie haben sich geküsst!“ „Gabi, es fehlt nicht mehr viel und ich kleb‘ dir eine! Hast du noch nie etwas von Freundschafts- oder Brüderküssen gehört? Selbst Mafiosos küssen sich, du depperte Kuh.“ „Auf Zunge?“ „Was du da wieder gesehen haben willst. Wie weit warst du denn von ihnen entfernt? Wahrscheinlich haben sich ihre Lippen nur flüchtig berührt, wie es bei einem Bruderkuss üblich ist. Doch du Blindschleiche konstruierst daraus gleich einen schwulen Zungenkuss.“ „Eine Minute ist flüchtig?“ „Ach, papperlapapp! Morgen früh gehen wir zu Fielmann und dort machst du gefälligst einen Sehtest ! Und anschließend schick ich dich direkt zu einem Neurologen. Und nun ist Schluss mit diesem Scheißgerede über die angebliche Homosexualität unseres Jungen. Michael ist genauso wenig schwul wie du gescheit!“ „Ach, dann interessiert es dich wohl auch nicht, dass Michael eine Ausbildung zum Herrenschneider absolvieren möchte?“ „Was ist daran verkehrt? Wahrscheinlich, weil unser Michi echte Männerkleidung entwerfen will. Ja, wahrscheinlich, weil er in Zukunft nicht mehr diesen Schwuchtelscheiß tragen möchte, der heute so fabriziert wird. “ „Schaust du dir überhaupt jemals an, was unser Sohn so an Klamotten trägt?“ „Nun, viele junge Männer wollen auffallen um jeden Preis. Er will das Interesse der Mädchen wecken. Das liegt doch wohl auf der Hand.“ „Mit Girlyhosen und rosa Strickpullis?“ „Warum denn nicht? Erinnere dich doch nur an diesen Teufelskerl Evel Knievel. Der trug sogar bunte Kostüme und war dennoch ein ganzer Kerl und nebenbei der weltbeste Motoradstuntmen. Der Typ war knallhart. Der hat 38 Unfälle überlebt; - darunter sogar einen, bei dem er sich 40 Knochen gebrochen hat. Und aus ebendiesem Holz ist auch unser Michi geschnitzt. Du wirst es schon noch sehen. „Helmut, würdest du deine Augen bitte nicht länger vor der Realität verschließen?! Ich habe mehrere Dildos in Michaels Bettkasten gefunden.“ „Dann hat unser Junge wohl doch heimlich eine Freundin am Start? Was für ein kleiner durchtriebener Teufelskerl.“ „H E L M U T, B I T T E! Wie erklärst du dir dann das Pornomagazin, das neben den Dildos lag, in denen Männer abgebildet sind, die miteinander Sex haben?“ „Was weiß denn ich!? Vielleicht will er damit seinen besten Freund verschaukeln.“ „Ach, du meinst, Jörg. Also den Jörg, den er neulich im Stadtpark eine Minute lang seine Zunge in den Hals geschoben hat?“ „Du tickst doch nicht ganz richtig, mir hier so einen Blödsinn aufzutischen. Ich hab langsam das Gefühl, dass du dir es sehnlichst wünscht, dass unser Sohn einer dieser Analerotiker wird. Aber den Gefallen wird dir Michael nicht tun! Am Sonntag nehme ich meinen Jungen mit zur Jagd. Wer weiß, was du ihn bereits alles an Schwulitäten eingeredet hast. Sonntag lass ich ihn sein erstes Wildschein schießen, auch wenn er es dies eigentlich noch gar nicht dürfte. Ich werde dir schon zeigen, wie normal mein Junge ist.“ „Dein Junge will gar nicht mehr mit dir zur Jagd, du Ignorant. Er spielt neuerdings sogar mit den Gedanken Veganer zu werden. Außerdem hat Michi Sonntag überhaupt keine Zeit mit dir zur Jagd zu gehen, wie er Sonntag bereits mit Jörg in die Oper geht, um sich dort den Schwanensee anzusehen.“ „So, jetzt reicht es mir aber, du blöde Kuh. Halt endlich dein verlogenes Mundwerk!“ K L A T S C H! |
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