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Die atomare Bedrohung … oder was nicht sein darf Arne Pahlke, Februar 2007
Selbstverständlich kann es wieder passieren, dass es ein, von Experten für sicher befundenes Atomkraftwerk, wie aus einer üblen Laune heraus, über weite Landstriche Becquerel regnen lässt, der dann bedauerlicherweise nicht mit den nächsten Sonnenstrahlen verdunsten will, sondern uns über Jahrzehnte oder gar über Jahrhunderte Schilddrüsenkrebs und Leukämieepidemien bringt. Sowie jede Menge weiterer böser Überraschungen, wie etwa genetische und teratogene Schäden. Aber wozu uns Sorgen machen, denn natürlich sind unsere Atomkraftwerke sehr viel sicherer, als jene, wo es Strahlen regnete und wo es noch immer Strahlen regnet. Nein, bei uns hier in Europa würde ein solches Desaster nie eintreten, schon gar nicht hier in Deutschland. Aber warum bleiben wir hier von einer solchen Katastrophe verschont? Dies ist einfach zu beantworten: Wir bleiben davon verschont, weil wir uns ein solches Unglück einfach nicht leisten können! Man stelle sich nur einmal vor, hier in Dunkeldeutschland käme es zu einem vergleichbaren „Zwischenfall“ wie in Tschernobyl. Welch verniedlichendes Wort übrigens für eine radioaktive Katastrophe, die bislang bereits zehntausenden Menschen das Leben gekostet hat. Also, man stelle sich bitte vor, es würde über Generationen hinweg ein vergleichbares Stück Land hier in der guten alten BRD unbewohnbar werden. Wo sollen wir denn dann alle hin? Wir haben doch gar nicht genügend Platz. Und wir Deutschen sind nun einmal nicht so beliebt, dass alle Welt lauthals „… kommt doch zu uns …“ rufen würde. Wie gut also, dass uns ein solches Unglück niemals vor der eigenen Tür treffen wird. Und wie überaus beruhigend, dass wir vielleicht in dreißig Jahren überhaupt keine Atomkraftwerke mehr in Deutschland haben werden. Ach ja, da gibt es noch die vielen anderen europäischen Atommeiler. Aber die stehen doch weit genug weg, zumindest tun sie dies, wenn man in seinem „Es-darf-nicht-sein-was-nicht-sein-darf-Wahn“ darauf besteht, dass es bei unseren Nachbarn auch niemals zu irgendwelchen gravierenden Zwischenfällen kommen wird. Doch wer sagt eigentlich, dass, nur weil wir den Atomaussteig (zumindest vorübergehend) beschlossen haben, während der Restlaufzeit nun nichts mehr in unseren heimischen Brütern anbrennt? Ach so ja, entschuldigen sie bitte, ich übersah völlig die Überflüssigkeit meiner Frage. Natürlich allein schon aus der Belohnungstheoriewarte aus gesehen, wird uns in den letzten Jahrzehnten nichts mehr passieren. Schließlich haben wir beschlossen irgendwann in den nächsten Jahrzehnten komplett aus dem Atomprogramm auszusteigen. Ne, dann ist natürlich klar, dass uns nichts mehr passieren kann. Ich meine, wenn ich z.B. um einen unberechenbaren Hund weiß, der in meiner Nähe wohnt, weshalb ich beschlossen habe, diesen in einigen Jahren wegsperren zu lassen. Ich meine, was soll von diesem Hund bis zum Zeitpunkt seiner Sicherheitsverwahrung noch an Gefahr für michausgehen? Der Köter wird doch schließlich irgendwann in ferner Zukunft weggesperrt. Wie gut also, dass wir das geklärt hätten. Ich bin jetzt auch schon viel ruhiger geworden. Und sie hoffentlich auch? Aber es könnte doch aber auch passieren, dass demnächst irgendein größenwahnsinniger Despot eine dieser bösen Atombömbchen in seinen fiebrig heißen Händen hält. Und wäre es dann nicht denkbar, dass er diese auf vernichtende Weise einzusetzen gedenkt? Weiterhin darf man doch noch davon ausgehen, dass wenn ein selbstherrlicher Despot erst einmal die Möglichkeit hat eine dieser Atombomben bauen zu lassen, er doch sicherlich nicht so weit davon entfernt sein dürfte, 2, 3 oder 5 dieser Allesvernichter herstellen zu können? Oder verfange ich mich da einmal mehr in wirren Weltuntergangsphantasien? Und wer sagt eigentlich, dass jemand, selbst wenn er eine oder mehrere Atombomben in seinen Händen hält, niemals so verrückt sein würde, diese dann auch einzusetzen, weil er das todbringende Echo fürchten müsste?
Irgendwie scheint der Gedanke, dass die Welt durch eine radioaktive Katastrophe und einer daraus resultierenden Kettenreaktion an den Rand des Abgrunds getrieben werden könnte, sei dies durch ein leckes Atomkraftwerk oder aber durch eine, an ungünstiger Stelle detonierte Atombombe, heute nicht mehr sehr salonfähig zu sein. Es scheint fast so, dass selbst die Mehrheit der einstigen Aktivisten, die sich im Kampf gegen das Wettrüsten und gegen die Atomenergie seinerzeit aufgerieben haben, heute sämtlichen atomaren Gefahren gegenüber müde oder gar gleichgültig gegenüberstehen. Ach so ja, Atomkraftwerke und Atombomben - das sind ja mal gar nicht so gefährlich, wie wir damals gedacht haben. Wir waren halt jung und dumm. Noch in den 70er Jahren waren die Menschen voll von Angst, dass irgendwer auf der Welt den „roten Knopf“ drücken könnte. Und ich frage mich, was eigentlich seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts an weltbewegenden Veränderungen stattgefunden hat, die es nun angeblich so undenkbar machen sollen, dass irgendwo z.B. aufgrund einer Verkettung unglücklicher oder aber bewusst herbeigeführter Umstände, eine solche Bombe nicht auf die Reise gehen könnte? Sind wir etwa alle zu müde oder zu träge geworden, um uns mit diesem Szenario auf ebendiese Weise auseinander zu setzen, wie wir es einst taten? Oder ist die real existierende atomare Bedrohung, die heute eigentlich höher eingestuft werden muss, als noch vor 30 Jahren, in der allgemeinen Wahrnehmung zu einer Bedrohung unter vielen Bedrohungen verkommen? Ist die atomare Bedrohung für uns eventuell sogar vergleichbar mit der Feinstoffbelastung auf öffentlichen Gehwegen, den Laserdruckergiften in Büros oder den gesundheitlichen Risiken durch Schimmelpilze in Wohnräumen? Oder sollte es sogar so sein, dass wir, nur um nicht verrückt zu werden, einfach alle in diesem Beruhigungspsalm mit einstimmen, sobald einer der Verantwortlichen auf dieser Welt wieder einmal verkündet, dass nicht passieren wird, was nicht passieren darf? |
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