Die Eiche

Arne Pahlke, 1986

 

Kahl vom sauren Regen

windet sich dein Geäst.

Du warst der Inbegriff vom Leben;

warst des Lebens Manifest.

Knie vor deiner schüttere Krone,

beweine deine einstige Pracht.

O, du meine weise Ikone;

du schlägst deine letzte Schlacht.

Dein harziges Blut befleckt deine Rinde,

es rinnt über deinen stumpfen Stamm.

Deine morschen Zweige wehen im Winde.

und mir ist , als schauten sie mich an.

 

Die Eiche

 

Ich habe Höhlen auf dir gebaut;

habe ehrfürchtig zu dir hoch geschaut.

Nein, als Kind, da hätte ich nie gedacht,

dass dir der Regen eines Tages mal so zu schaffen macht.

Dein Leben schlug Wurzeln. Sie welken dahin.

Dein starkes Geäst verliert seinen Sinn.

Dein Tod kommt vielen Menschen hier sehr gelegen.

Dein Standort war ihnen ein Dorn im Auge gewesen.

Die Baupläne liegen bereits wie faulendes Laub auf dem Tisch.

Bald, meine alte Freundin, bist vielleicht auch du so ein Wisch.

Doch tröste dich, denn eines scheint gewiss:

Spätestens, wenn dein letzter Stammesbruder gefallen ist,

dann stirbt auch der Mensch an Atemnot,

dann endlich ist auch dein Mörder tot.

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