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Die Lobpreisung der immergleichen Protagonisten Arne Pahlke, Januar 2010
Als der Milliardär Dietmar Hopp unlängst für sein langjähriges, soziales Engagement im Sport geehrt wurde und Franz Beckenbauer ihm zu Ehren eine verneigende Laudatio hielt, da wurde es mir einmal mehr bewusst. Mir wurde einmal mehr bewusst, dass in der Öffentlichkeit – in den Medien - eine Lobpreisung der immergleichen Protagonisten stattfindet. Und in der Regel lobpreisen sich viele dieser Personen sogar ständig gegenseitig. So kann doch z.B. niemand mehr genau sagen, wie viele öffentliche Ehrungen und Lobpreisungen der Dietmar-Hopp-Laudator Franz Beckenbauer in seinem Leben bereits erhalten hat. Kann unser Kaiser mittlerweile auf einhundert oder sogar auf zweihundert oder noch mehr Ehrungen zurückblicken? Zurück zu Dietmar Hopp: Sein Vermögen wird auf über 4 Milliarden Euro geschätzt. Und das Herr Hopp ein wohltätiger Mann ist, dies steht auch für mich völlig außer Frage. Auch wenn ich an dieser Stelle anmerken möchte, dass er sich mit vielen seiner Spenden irgendwie selbst ein Denkmal zu setzen scheint. So gibt es mittlerweile nicht nur eine Dietmar-Hopp-Allee, eine Dietmar-Hopp-Sporthalle und eine Dietmar-Hopp-Stiftung. Auch wird sein TSG 1899 Hoffenheim von vielen Menschen als eine wohltätige Geste missverstanden, obgleich der Verein inklusive des von Hopp finanzierten Stadions das persönliche Spielzeug des Milliardärs ist. Aber nichtsdestotrotz sei hiermit nochmals festgestellt, dass Herr Hopp ein ausgesprochen wohltätiges Herz hat. So hat seine Dietmar-Hopp-Stiftung seit ihrer Gründung bereits 230 Millionen Euro (Stand: November 2009) ausgeschüttet. Was mich allerdings traurig und wütend macht, dies ist die Tatsache, dass jemand wie Dietmar Hopp für sein Engagement Ehrenbürgerschaften, Verdienstmedaillen, das Bundesverdienstkreuz und last but not least den „Laureus Medien Preis für Wohltätigkeit“ einheimst. Und dem gegenübergestellt, die 87jährige Frau Krüger, für die ich einmal die Woche einkaufen gehe, kein einziges Mal in ihrem Leben für ihr soziales Engagement geehrt wurde. Und auch in Zukunft wird ihr keine öffentliche Ehrung zuteil werden, obgleich sie von ihrer kläglichen Rente, die bei circa 850 Euro liegt, Monat für Monat 200 Euro an unterschiedliche Institutionen spendet.
Ein Herr von Oscars
Vergleicht man Frau Krügers Einkommen/Vermögen mit dem Einkommen/Vermögen eines Dietmar Hopps, dann müsste eigentlich jeder normal denkende Mensch zu der Feststellung gelangen, dass Frau Krüger einen Preis für Mildtätigkeit mindestens genauso verdient hätte wie ein Herr Hopp. Ja, eigentlich hätte sie einen Preis für Wohltätigkeit so gar noch eher verdient als der freundliche Herr Hopp. Warum? Nun, der Hopp kann auch trotz seiner großen Spendenbereitschaft weiterhin das Leben eines Milliardärs leben, ohne auch nur die kleinste finanzielle Einschränkung zu spüren. Doch die mildtätige Frau Krüger muss sich aufgrund ihrer Spendenbereitschaft sehr wohl einschränken. Ihre Spende verlangt ihr ein echtes spürbares Opfer ab. Was mich somit in diesem Zusammenhang traurig und wütend stimmt, dies ist der Umstand, dass am Ende fast immer die Höhe der Spenden für eine öffentliche Ehrung ausschlaggebend ist. Hingegen wird dem persönlichen Opfer, die eine Spende für den Spender bedeutet, meist weit weniger bis gar keine Bedeutung zugemessen. Und so werden wohl auch in Zukunft fast ausnahmslos nur jene öffentlich geehrt werden, die bereits ohne diese ständigen Ehrungen ein ehrenvolles Leben auf der Sonnenseite führen; - wie etwa schwerreiche Unternehmer von der Sorte eines Dietmar Hopps. Doch sind die Gates, Buffets oder Hopps dieser Welt wirklich die ehrungswürdigeren Spender als z.B. eine Frau Krüger? Müssen solche Männer wieder und wieder geehrt werden, während von der aufopferungsvollen Wohltätigkeit einer Frau Krüger niemand Notiz nimmt? Und mir stößt nicht allein die Lobpreisung und Ehrung millionen-/milliardenschwerer Spender bitter auf. Ich verachte auch diese gegenseitige Beweihräucherung der in den Medien stehenden und von den Medien lebenden Meute. Und das wohl Beklagenswerteste an diesen inflationären Beweihräucherungszeremonien ist, dass das Volk wiederholt und voller Inbrunst die immergleichen Protagonisten umjubelt. Ja, die Masse verehrt selbst zweitklassige Schauspieler und Sänger wie Götter, obgleich diese einfach nur einen mehr oder weniger guten Job gemacht haben, so wie die Krankenschwester oder der Bäcker ihren Job tun. Oscar, Bambi, Cannes-Filmfestival, MTV-Avards, Golden Globes, Berlinale, Emmy Awards, Goldene Kamera und wie diese Witzveranstaltungen nicht alle heißen. Denn wo gibt es denn den Oscar für die weltbeste Altenpflegerin? Diese ganzen Preisverleihungsveranstaltungen für diese mediale Meute sind eine lächerliche Farce! Doch als am Abstoßendsten empfinde ich die Ehrungen der “immergleichen Toten”; - das widerliche öffentliche zu Grabe tragen und Beweihräuchern ebendieser Toten. Meine Güte, was für eine erbärmliche Trauerposse wurde seinerzeit bei dem ermordeten Rudolf Moshammer abgezogen. Da gab es nicht nur LIVE-Übertragungen seiner Beerdigung auf mehreren Fernsehkanälen. Nein, er bekam auch ein öffentliches Geleit. Und wildfremde Menschen legten tausende Kränze und Blumen vor seinem Geschäft nieder. Und von allen Seiten regnete es warme Nachrufe; - und zwar von den immergleichen Protagonisten. Doch seien wir mal ehrlich. Wenn z.B. irgendwo in Berlin eine alte dickliche kunsthaartragende Tunte von einem Stricher umgebracht worden wäre. Wer von uns hätte davon wohl Notiz genommen? Der Tod dieses Menschen wäre einem Regionalblatt eine kleine Meldung wert gewesen. Und viele von denen, die den ermordeten Moshammer hochleben ließen, hätten beim Lesen dieser Meldung mit ihren Schultern gezuckt und gesagt: „Tja, Pech gehabt.“ Oder nehmen wir den tragischen Tod des Robert Enke. Ich weiß, was es bedeutet mit schweren Depressionen zu leben. Ich weiß, dass der seelische Schmerz dabei alles andere überlagern kann und einen jeden Lebensmut nimmt, sodass sich Selbstmordgedanken fast automatisch einstellen. Das Leben verkommt zu einem Überlebenskampf. Doch sollte ich mich jemals aufgrund meiner Depressionen umbringen, dann wird davon kaum jemand Notiz nehmen. Und schon gar nicht bekäme ich ein staatsähnliches Begräbnis und Ehrungen postum. Mich würde danach in den Medien auch niemand „mutig“ nennen, weil ich heroisch den Freitod wählte. Ich würde mich einfach einreihen bei den vielen namenlosen gescheiterten Existenzen, da ich nicht zum Zirkel der immergleichen Protagonisten zähle. Ich empfinde es als traurig, dass es so viele Menschen gibt, die das Leben von in der Öffentlichkeit stehenden Menschen höher einstufen, als ihren eigenen Wert und den ihrer Nächsten. Sie nehmen an Beerdigungen von ihnen völlig fremden Personen via Fernsehen teil. Sie verleihen ihrer Trauer und ihrem Mitgefühl in Internet-Kondolenzbüchern Ausdruck, während sie z.B. der Tod eines Arbeitskollegen eher kalt lässt. Nun ja, dieser war schließlich auch keine Person des öffentlichen Lebens. Doch was zum Teufel war und ist z.B. ehrungswürdiger an einem Rudolf Moshammer als an einer Frau Krüger? Ich weiß nicht, wer mich mehr anwidert. Jene immergleichen Protagonisten, die sich ständig aufs Neue gegenseitig ehren und lobpreisen. Oder jene Masse Mensch, die den immergleichen Protagonisten ständig aufs Neue Beifall klatscht und ihr Leben und Handeln überhöht bewertet – sogar über dessen Tod hinaus. |
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Jisatsu, 13 Juni 2011 -Genau! Also, ich war schon am verzweifeln, weil ich bald dacht', ich wär'n Einsiedler mit meinem Desinteresse an der aktuellen Musik-, Film- und Spielebranche, weil ich denke "immer wieder die selben üblichen Verdächtigen und derselbe inhaltliche Zirkus"...Soll nicht heißen, dass es 10, 15 Jahre früher nun total besser aussah - aber, ich weiß nicht, Trash is' mir da immer noch lieber als auf Hochglanz poliertes. Trash hat so 'was unvollkommenes an sich, was schon wieder Liebenswertigkeitserscheinungen besitzt.Und überhaupt... ich glaube, an dieser Beweihräucherung von Prominenten wird die Welt auch mit dran zu Grunde gehen. Weil sich irgendwann jeder wünscht, in diesen illustren Kreis hinein zu kommen, aber nur eine begrenzte Anzahl von Menschen eben in so viel Überfluss und Aufmerksamkeit leben kann. Wenn sich nämlich jeder nur noch wünscht, VIP-Status zu erreichen, dann gibt's nämlich z. B. irgendwann keine Ärzte mehr in unseren Krankenhäusern, die einen nach 'nem Unfall wieder zusammenflicken (und einem unter Umständen das Leben retten), dann gäb's keinen Gemüsehändler mehr, von dem man auc 'mal 'was zu futtern kriegen könnte - nein, es gäbe noch nicht einmal mehr einen Butler, der dir als VIP den ganzen Dreck hinterräumen würde, oder einen Menschen, der dir ein Heimkino - und sei es auch nur zum blanken Angeben - zusammenbaut. Kleinere Auswüchse davon kann man ja jetzt schon in der sogenannten "Unterschicht" sehen... Im Ghetto wollen kleine Jungs lieber Gangsterrapper werden als einen normalen Beruf zu erlernen. Also, wenn's schon soweit kommt, na dann, good fight, good night für die Zukunft... |
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