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Dienstag, 10. Mai 2005
Die fortwährende norddeutsche Unwetterkatastrophe
Als ein normal fühlender Mensch, der die Sonne weitaus mehr liebt, als lebensfeindliche Minusgrade, muss man sich vom norddeutschen Wetter gefickt fühlen. Allerdings sollte man sich von diesem Wetter derart hart und rücksichtslos gefickt fühlen, dass es selbst einem Masochisten um Gnade winseln lässt.
Ich kann jene Menschen nicht verstehen, die ihr Leben, in einem von der Sonne verwöhntem Land, gegen ein tristes Dasein in dieser Wetter- und Trübsinns-Kloake Norddeutschland eintauschen. Und dafür führen manche von ihnen lauter jämmerliche Gründe im Gepäck. Viele kommen in dieses Unwetterverließ, weil sie ein paar Euro mehr in der Tasche haben wollen. Sie tauschen also wertloses Notengift gegen echte Lebensqualität. Wie viele Südländer habe ich in Deutschland schon elendig verkümmern sehen, habe gesehen, wie sich ihr einst freudig strahlender und liebenswerter Gesichtsausdruck veränderte. Dieser wurde zunehmend freudloser, hässlicher, vom Wetter böse und dunkel gegerbt.
Wir Norddeutschen können ja nichts dafür, das wir so unglaublich deprimierte und verbissene Gesichter haben. Wir sind im Grunde genommen keine schlechteren Menschen, als etwa Thailänder, Spanier oder Afrikaner. Es ist doch vor allem das Wetter, das uns Norddeutsche so entsetzlich hässlich macht. Meine Seele weiß schon, warum sie Südländer(innen) begehrt. Sie fühlt sich halt von sonnigen Gemütern angezogen und nicht von kalten und bleichen Gemütsleichen. Längst wurde es bewiesen, dass in jenen Ländern und Regionen, in denen wenig Sonne scheint und die durchschnittlichen Temperaturen niedrig sind, psychische Leiden wie etwa die Depression weitaus verbreiteter sind, als in wärmeren Regionen.
Ich würde sofort nach Süd-Spanien, Portugal oder noch weitaus lieber nach Indonesien oder Thailand auswandern, wenn ich das nötige Geld für ein klitzekleines Holzhäuschen sowie die Sicherheit auf einen zumindest geringen Lebensstandard hätte. Ich würde liebend gerne fließendes Heißwasser gegen einen Brunnen im verwilderten Garten eintauschen, PC-Tätigkeit gegen Gartenarbeit.
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Ich bin ein Kind der Sonne. Aus wetterwendischer Sicht bin ich somit in dieser erbärmlichen Region chronisch unterernährt. Und jedes Jahr veranstalte ich dasselbe tragisch komische Kasperletheater, indem ich mich bereits im Oktober auf den nächsten Frühling freue. Doch es ist wie die Vorfreude eines russischen Waisenkindes auf das Weihnachtsfest, welches einmal mehr hauptsächlich in der Vorstellung stattfinden wird.
Jawohl, ich hasse den norddeutschen Frühling und den lächerlich kurzen Sommer. Und ich hasse die kalken Sackgesichter, die mir mit ihren typisch deutschen dämlichen versuchten Heiterkeitsminen verkaufen wollen, dass auch dieser Sommer mit 19 Grad durchschnittlicher Tageshöchsttemperatur gar nicht mal so schlecht war.
Wir haben jetzt Mitte Mai. Zwei-Drittel des Frühlings, der in meinen Augen wieder einmal keiner war und sein wird, sind vorbei. Und der Sommer wird ebenfalls beschissen ausfallen. Ja, diese Prognose erlaube ich mir bereits jetzt! Und gut wird er doch selbst dann nicht, wenn er ein halbes Dutzend Schönwetterperioden bereithält. Denn was bedeutet das für diese Region – eine Schönwetterperiode?
Wir wissen es alle: zwei bis drei Tage Sonnenschein, ehe der nächste Tiefausläufer wieder kalte Luft, Regen und Kälte mit sich trägt, die dann 1-2 Wochen anhalten wird. Selbst, wenn wir einen richtig guten Sommer bekommen, dürfen wir vielleicht 30 Sonnentage erwarten. Und ich erlaube mir zu sagen, das ich selbst dies als nicht richtig gut sondern als ziemlich dürftig empfinde.
Schon seit über einem Jahrzehnt reden sie von der globalen Erwärmung und schon seit über einem Jahrzehnt muss ich mir selbst in den Sommermonaten immer wieder die Heizung anstellen. Wohl erst, wenn in allen anderen Ländern unter der globalen Erwärmung geächzt wird, wird man hier in Hamburg zumindest den ganzen Sommer über mit einem T-Shirt und kurzer Hose vor die Haustür gehen können.
Fick dich, du mich peinigendes norddeutsches Unwetter!
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