Entmannung

Arne Pahlke, 1994

 

Die objektive Linse trübt die Stille.

Geballte Panik schneidet die Pupille.

Schweißdrüsen absondern salziges Nass.

Netzhaut wie Hornhaut mit Aderlass.

 

Genitale Geschmacksknospen fallen schleimig zu Boden.

Die stumpfe Rasierklinge am Hodensack.

Die Vorhaut scheint auf der Hut.

Aus ihrem Innern sickert gerinnendes Blut.

 

Rasante Gerinnung seiner Wahrnehmung.

Geschockte Besinnung am Muskelstrang.

 

Der entmannte Mann

hechelt wie ein pubertierender Knabe,

der erstmals in seinem Leben erigiert.

 

Sein Körper vibriert

und verliert

seine Exekutive.

Jean Lecomte du Noüy (Der Traum des Eunuchen)

Die verwirrten Samenzellen fließen, Keimtod

im Erguss, treibend zu Boden.

Lappender Hoden

daneben. Umgeben

von der Flüssigkeit der Vorsteherdrüse.

 

Die Eichel schwillt vor gefällter Erregung.

Nur eine rasche Bewegung

und Zweihundertmillionen Leben gehen dahin,

denkt er sich - und Sinn um Sinn,

sensorisch wie motorisch - alles verliert sich.

 

Mittelhirn und Großhirn bauen Hängebrücken,

während der entmannte Mann, in zähen Stücken

sein Leben an die Kacheln kotzt.

 

Gesichtsmuskeln erschlaffen parallel zum Weichteil.

Und als letztes, schrumpfendes Detail

speichert sein Gehirn

ein abgetrenntes Mannesteil.

 

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