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Es mangelt mir an Anerkennung
Viele sagen: Anerkennung muss man sich verdienen. Und in einer Konsumgesellschaft funktioniert eben dies am ehesten über das Geld. Wenn du viel Geld hast, dann bist du automatisch in vielen Bereichen des Lebens anerkannt. Und auch, wenn sich diese Form der Anerkennung auf ein schauerliches Trugbild aufbaut, lässt es sich damit vortrefflich leben. Man darf dabei nur nicht so genau hinter die Falschspielerfassade blicken. Und alle jene, die nicht genug Geld haben, die müssen sich das Geld verdienen. Tun sie dies, so ernten sie doppelte Anerkennung. Sie ernten die Würdigung ihrer Arbeitsleistung und überdies die Anerkennung für ihre Wohlstandsgüter, die sie sich durch ihre Arbeit erworben haben. Und sie ernten um so mehr Anerkennung, umso widriger die Umstände, unter denen sie ihr Geld verdient haben.
Ich kenne aber viele Menschen, die ihre Arbeit nicht gerne tun. Ich meine damit vor allem jene, die einen ganzen Monat lang schuften, und doch nie genug verdienen werden, um sich selbst nach einem langen Arbeitsleben ein eigenes Haus bauen zu können – schuldenfrei! Was für eine widerwärtige Ausbeuterei. Jeder Indianer konnte sich sein eigenes Zelt bauen – und wenn es sein musste, sogar bei jedem Vollmond ein neues. Und Indianer hatten auch ihr eigenes Stück Land, bis der weiße Mann mit seiner Vorstellung von Zivilisation daherkam.
Viele Menschen merken gar nicht, wie sehr sie ausgebeutet werden – wie sehr sie sich selbst ausbeuten. So ist ein Haus nie das Geld wert, was es kostet. Und warum steht eigentlich nicht jedem Neugeborenen direkt ein Stück Land zu? Warum tut es dies nicht? Viele Menschen tun sich die Lohnsklaverei nicht nur deshalb an, weil sie überleben wollen, sondern weil sie um einen kleinen Krumen Anerkennung kämpfen.
Ihr Motto: „Ich habe zwar nicht viel, aber was ich habe, dies habe ich mit eigenen Händen verdient.“ Und dieses Motto wird auch künftig dafür Sorge tragen, dass man eine breite Bevölkerungsschicht am Rande des Existenzminimums arbeitend verelenden lassen kann. Es ist ein perfides Spiel um Macht, Anerkennung und (Selbst-)Betrug.
Und auch ich bin nur ein Rad in diesem blutigen Gefüge. Ja, ich würde heute sogar für einen Euro die Stunde arbeiten, wenn ich diesen einen Euro denn wenigstens behalten dürfte. So tief bin ich bereits vor mir selbst gesunken. Und es ist ein elendiger Faustschlag für jeden Restkrumen Selbstachtung, wenn man Menschen mit Ein-Euro-Jobs abspeist – und ihnen dabei lächelnd ins Gesicht grinst, dass dies eventuell DIE Chance für sie ist, wieder zurück in den regulären Arbeitsmarkt zu finden. Wohin zurück bitte - in welche Hölle?
Die zivile Welt mutiert zu einem Ausbeutungslager, das sich schon bald nicht mehr vor der abartigsten Diktatur zu verstecken braucht. Es gibt natürlich viele Menschen, die das anders sehen - und zwar vorrangig Menschen mit (viel) Geld!
Meiner Selbstachtung tut aber all dies weh. Und dies, obgleich niemand von mir erwartet, einen solchen Job annehmen zu müssen. Ich bin ein Glückskind - ich muss nie wieder arbeiten, da ich ich als dauerhaft erwerbsunfähig eingestuft wurde. Aber was heißt eigentlich dauerhaft erwerbsunfähig? Und wie soll ich mit diesem Befund leben – oder soll ich damit eventuell gar nicht leben – sondern daraus die finale Konsequenz ziehen?
Ich bin deprimiert. Ich bin so sehr deprimiert, dass mir mein veräußerter Zynismus immer häufiger körperlich weh tut. Doch meine Gutachter und vor allem mein freundlicher Vertrauensarzt sagen mir immer wieder, dass ich mich nicht zu schämen bräuchte, schließlich hätte ich es doch schriftlich, dass ich dauerhaft erwerbsunfähig bin. Ich kann also nichts für mein Unvermögen und muss mich somit auch nicht ständig neu erklären. Ja, aber was sonst? Soll ich mein Schicksal annehmen und den Tod abwarten und bis dahin die Fresse halten, damit ich als Kostenverursacher bloß niemanden auf die Füße trete?
Ich bin gottverdammt kein schweigendes Abfallprodukt! Ich kann immerhin 400 Kilometer im Monat laufen, wenn es sein muss, sogar leicht und locker die doppelte Distanz. Und was kann ich dafür, dass mir dafür niemand Geld gibt. Als Indianer wäre ich Spurenleser, Fährtensucher, Jagdläufer – hier und jetzt aber bin ich Dreck – ein Spastiker – menschlicher Müll!
Was nützt es mir, dass ich so unendlich viel schreiben und durchaus logisch denken kann? Was bringt es mir, das ich viele Probleme unserer Gesellschaft erkenne und benenne? Was trägt es mir zu, wenn ich durchaus selbstkritisch, liebevoll und wach durchs Leben laufe?
Mein Gott, ich habe doch so unendlich viel Phantasie und Kreativität in mir, dass es einem Verbrechen gleichkäme, mich nicht mehr gebrauchen zu können. Nur verdammt, ich kann nirgendwohin gehen und meine Kreativität unters Volk bringen. Ich bin auf meine eigenen vier Wände angewiesen, wie eine verletzbare Schnecke auf ihr Haus. Aber es scheint keine Schneckenhausarbeit zu geben, die ohne Eigenkapital auskommt, oder die nicht im Ekel erregenden Versicherung- und/oder Telefonverkäufergefilden endet. Ich schrieb zwar eben noch, dass ich bereits tief gesunken bin, aber ich würde solche Jobs dennoch niemals annehmen.
Seit über 12 Jahren kann ich nun schon keiner normalen Tätigkeit mehr nachgehen. Dennoch habe ich es zumindest 7 Jahre lang geschafft, mich mit unnatürlichen Tätigkeiten selbst über Wasser zu halten. Doch seit ein paar Jahren spielt mein Kopf bei diesem heftigen Überlebensspiel nicht mehr mit. Doch so elendig manche dieser Tätigkeiten auch waren, sie waren gut für mein Ego – waren mir eine wertvolle Nahrung – waren mir Anerkennung. Eben diese Anerkennung fehlt mir heute - sehr sogar!
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Text ist aus dem Jahre 2005 - dieses Foto von 2010
Und ist es somit ein Wunder, dass meine Homepage mittlerweile fast 2000 Seiten zählt (Bemerkung: im Jahr 2010 sind es bereits 4000), dass ich zum Laufwunder mutiert bin, dass ich mit 37 Jahren täglich an meinem Waschbrettbauch arbeite, als ginge es dabei um Leben und Tod? Nein, all dies ist kein Wunder! All dies ist der verzweifelte Schrei nach Anerkennung! Und es tut weh, zu wissen, wie armselig diese meine Versuche eigentlich sind; - auf welch traurigem Fundament ich mir ein Existenzrecht errichten will. Aber, wenn man fast lebenslänglich einer Arbeit nachgeht, die man hasst, nur um Geld zu verdienen, ist dies nicht auch armselig, wenngleich man dafür zumindest eine finanzielle Anerkennung erntet? Wäre es da nicht viel aufrichtiger, wie einst die Indianer, gegen das Feindliche aufzubegehren, in einem letzten verbitterten Kampf stolz in den Tod zu ziehen?
Wenn ich mit jemandem chatte, der mich nicht kennt, und wenn dieser jemand mich dann fragt, was ich beruflich mache, dann fühle ich mich oft schlecht. Oft lüge ich dann, indem ich z.B. sage, dass ich zu Hause arbeite. Na ja, es stimmt sogar – jeden gottverdammten Tag – nur eben ohne Geld und ohne Perspektive und ohne einen Auftrag. Mich braucht niemand – mich ruft niemand – ich bin mein eigener Herr. Vor ein paar Jahren habe ich 12 Bücher geschrieben und publiziert mit insgesamt knapp 3000 Seiten Umfang. Allerdings habe ich eine große Begabung darin, vor allem jene Dinge zu können, die scheinbar nichts wert sind – zumindest kein Geld. Ich bin hochgradig begabt darin, dem Geld aus dem Weg zu gehen.
Wäre ich in den letzen Jahren nicht immer wieder neuen Engeln begegnet, die mir vor allem auch finanziell geholfen hätten, dann wäre mein Leben wohl noch um ein Vielfaches armseliger. So aber kann ich wenigstens den Luxus des Minderwertigen auskosten.
Ich habe dennoch Angst, entsetzliche Angst sogar, wenn ich in die Zukunft blicke. Wohin führt mich mein Weg? Ich verursache nur Kosten und stänkere in meiner sarkastischen Manier herum. Ist das meine Form von Dankbarkeit? Und für solche Leute müssen arbeitende Menschen zahlen, ja, vielleicht sogar du, der dies hier liest. Und vielleicht gehst du für all dies nicht einmal gerne arbeiten. Indianer gingen übrigens stets gerne arbeiten, weil sie keine Arbeit hatten – sie hatten Aufgaben – und für diese Aufgaben ernteten sie Anerkennung; - insbesondere selbsterkennende Anerkennung.
Was ist das bloß für eine Welt?
Ich bin unglücklich - ich könnte immerzu weinen, wenn ich über mein Elend nachdenke. Allerdings habe ich gelernt, nur noch sehr wenig über spezielle Probleme nachzudenken. Doch, so wie viele Menschen kurz vor dem Einschlafen an ihre Zukunft denken, denke ich sehr oft daran, wie schön es wäre, wenn ich einfach den Tod wählen könnte. Aber ich kann mich nicht selbst umbringen. Oft werde ich bei der Vorstellung daran furchtbar drollig: Nein, Arne, im Dezember geht es nicht, dann versaust du deinen Freunden und deinen Sohn das Weihnachtsfest. Und im Januar hat dein Sohn Geburtstag. Es wäre höchstgradig unfair, sich das Leben zeitnah zu seinem Erdenankunftstag auszulöschen. Im Frühling mag ich nicht sterben, weil in mir dann wieder etwas Hoffnung blüht. Aber niemand frage mich bitte, auf was ich im Frühling hoffe, denn auch darüber will ich nicht ernsthaft nachdenken. Im Juni hat meine Mutter Geburtstag – und so weiter und so fort. Also töte ich mich, wie die meisten von uns, indem ich langsam innerlich wie äußerlich verfaule. Ich werde hässlich und krank. Aber warum halte ich dann meinen dämlichen Körper gesund, warum trinke ich seit Jahren kein Alkohol mehr, warum bin ich so ungemein sportlich und tue viel für meine bröckelnde Schönheit? Ach ja, ich tue es für mich und meine kleine Portion Anerkennung.
Ich glaube, ich weiß, warum Menschen sich unter anderem nach einer Beziehung sehnen. Wohl auch deshalb, weil uns in einer partnerschaftlichen Verbindung ein Mensch wieder und wieder anerkennt, als das, was wir sind. Ich habe es z.B. immer gerne gehört, wenn mein Traumtänzer mich ein „Genius“ genannt hat. Doch, ach, was sind solche Titel eigentlich wert? Wenn eine Beziehung verfliegt, und dies tut sie häufig, wer verleiht seinem Partner im nachhinein noch derartige Titel? Waren sie also erstunken und erlogen, allein für ein Wohlgefühl vorgetragen?
Ist somit die ständige Suche nach Anerkennung im Grunde genommen nicht der Motor, der uns wieder und wieder ins Verderben laufen lässt? Ich selbst erkenne einige Dinge, die ich vollbringe, durchaus als anerkennungswürdig an. Allerdings funktioniert dies meist nur, wenn ich allein bin. Sobald andere Menschen zugegen sind, insbesondere jene, die sich auf normalem Weg ihre Anerkennung verdienen (z.B. als Lohnsklaven), dann fühle ich mich minderwertig und ziehe mich in eine meiner Traumwelten zurück, um mir dort ein klein wenig Anerkennung zu klauen. (sieht ja niemand) © Arne Pahlke April 2005
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Die Egomaschine, 14 Januar 2011...ja ich kann Deinen auszug stellenweise nachvollziehn, er macht mich auch betroffen, durch das Gelesene sehe ich daß nicht allein ich das Problem habe, wenn gleich meine Situation sich anders darstellt, ich bitte Dich um eines, bloß nicht Schluuuß machen, denn du hast bessere Ideen als dieses, etwas Besseres als den Tod können wir überall finden.........Die Ursache dieses gesellschaftlichen Problems ist die Egomaschine, jeder hat sie und jeder will sie auch immer mal wieder loswerden, und das Ego will ständig sich darstellen, Anerkennung haben und wenns das nicht hat, ist es traurig und verzweifelt, dabei haben die indianer sicherlich andre Werte gehabt, wie jeder der in dieser Welt lebt, ist unendliche liebe und wertvoll und jede Existenz hat einen göttlichen Funken in sich und du sicherlich auch, Arne, meint die Egomaschine
Wortmutation: Vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich habe mir meinen Text (aus dem Jahre 2005) eben selbst noch einmal durchgelesen. Vieles würde ich heute anders schreiben – und manches gar nicht mehr, weil es mir aus heutiger Sicht peinlich ist oder ich anders (weniger rührselig und dafür differenzierter) darüber denke. Aber ich ändere/lösche meine Texte im Nachhinein nicht. Das Wesentlichste, was sich bezogen auf die Textaussage von damals für mich verändert hat, ist, dass ich die Anerkennung vorrangig in mir selbst suche und finde. Ich fühle mich nicht mehr so abhängig von der Anerkennung anderer – und kaum noch von der Anerkennung jener gesichtslosen Masse. Ich suche und finde meine Anerkennung immer mehr in kleinen Dingen und allem vorn in meiner Kreativität.
The Educator, 1 September 2011 - Die Bereicherung ist aber da. Und zwar, sowohl für Dich, als auch für viele Deiner Mitmenschen. Diese Homepage zu Erstellen, mit Deinen kleineren und größeren Werken, nach und nach immer mehr zu Füllen, ist ja keine Nebensache. Und obendrein hast Du auch noch eine Plattform (Forum) bereit gestellt. Somit können sich sogar die Menschen, die sich durch die meisten Deiner Werke angesprochen, oder gar berührt fühlen, im Forum mitteilen. Dieses Forum gibt eine gewisse Sicherheit und sogar Vertrautheit, weil es in Deine Werke mit eingebettet ist. Dafür möchte ich Dir persönlich danken. Wenn Du Dir stattdessen den Buckel krumm geschuftet hättest, wäre das in dem Maße, bei weitem nicht möglich gewesen. Bin jedenfalls ganz froh, daß ich hier her gefunden habe.
Wortmutation: Danke schön! Womöglich (…nein, sehr wahrscheinlich sogar) wird am Ende meines irdischen Seins die Hauptleistung meines Lebens die Summe meines kreativen Schaffens sein; - und zwar ganz unabhängig davon, für wie wertlos die Mehrheit mein Gesamtwerk befindet. Meine Kreativität versöhnt mich nicht nur mit meinem Scheitern in vielen Bereichen des Lebens – es lässt mich dieses in meiner Wahrnehmung sogar zunehmend als der zu zahlende Preis für diese meine Schöpferkraft annehmen.
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