Fast eine Jugend

Arne Pahlke , Juni 2009

 

Sie sind noch jung;

ihnen gehört diese Welt.

Doch diese Welt, sie zerfällt.

Sie sind noch jung

und sie haben die Kraft.

Doch all ihre Kraft scheint umsonst.

Sie schauen verbittert.

Sie lachen gequält.

Sie taumeln wie angezählt.

Schau dich nur um,

sie sind traurig und stumpf.

Ausgehöhlt von dieser Zeit.

Sie suchen nach Liebe

und finden nur Leid …

… ersaufen in Lustlosigkeit.

Jung, wie sie sind,

will ich heut nicht mehr sein.

Sie sind jung und doch Totengebein.

 

Aus der Folge "Das Gesicht", Euphorion Verlag Berlin 1924.

 

Sie sind noch jung;

haben Träume und Mut.

Doch diese Welt, sie schäumt Wut.

Ihre Zukunft eine Schuld,

die kein Mensch je abbezahlt.

Und ihre Stärke ist oft nur geprahlt.

Sie weinen stumm nach innen

und erliegen dem Hass.

Ihre Tränen fluten hin zur Gewalt.

Und was sollen sie auch tun,

außer hassen und schreien;

als ihr Elend weit von sich zu speien?

Sie wünschen sich Zukunft

und stehen vor dem Aus.

Ich kann ihren Hass gut verstehen.

Wer lehrt sie Vernunft?

Wer lehrt sie klar zu sehen?

Etwa wir, die im Gleichschritt nur gehen?

 

Sie sind noch jung;

sind die Erben der Welt.

Doch diese Welt, sie zerfällt.

Sie sind noch jung;

vom Stumpfsinn infiziert …

von Belanglosigkeit infiltriert.

Sie träumen von Wärme

und frieren allein …

und würden so gern anders sein.

Doch sie spür‘n diese Ohnmacht

und sie formt sie kalt.

Und wo Kälte ist flutet Gewalt.

 

Fast eine Jugend,

nur ganz elend und defekt.

Euer einst reines Wesen Schmutz befleckt.

Fast eine Jugend,

Wir haben vor euch versagt, …

werden zu recht von euch angeklagt.

 

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