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Frischzellenkuren im Jahrhundert der Jugend
Frischzellenkuren im Jahrhundert der Jugend. Durch Einspritzung frischer embryonaler notgeschlachteter Drüsenzellen wird die Gehirnmasse von wahnsinnig gewordenen Rindern zwecks Wachstumsförderung Kleinkindern injiziert. Nach einigen Jahren zeigt sich die gewünschte Wirkung: Zuckungen bei durchzechten Nächten, begleitet von hämmernden Beats und scheppernden High-Hits. Kreislaufzusammenbrüche beim Anblick eines ausgeblichenen Knabenliebhabers, der am Fenster seiner Suite im Atlantik-Hotel masturbiert. (die Rede ist hier von dem Männlein mit der Kinderüberraschung im Schritt) Hysterische Selbstmordgelüste vereinzelter Bravogirlies nach Besteigen der Personenwaage. Unglaublich: 39 Kilo bei 1 Meter 70! Wer würde so verfettet schon weiterleben wollen? Manische Depressionen bei den Jünglingen, weil ihr Selbstwertgefühl beim Anblick der Kinoplakate im Vergleich zu ihrer clearasilbeschichteten Wenigkeit wie ein Stück BSE-Fleisch beim Braten zu schrumpfen beginnt. Doch der Wirkungskreis gerät nun erst in seine entscheidende Phase: Das pubertierende Elend lässt sich hemmungslos volllaufen. Es kifft sich zu oder wirft sich Glückspillen in die naiv dümpelnde Mördergrube und wartet sehnsuchtsvoll auf die innere Revolution. Doch ihre Gehirne sind versiegelt, teilweise verdunstet. Sie treiben in immer größer werdenden Meeren seinlos dahin. Viele von ihnen haben sich das Sprechen bereits abgewöhnt; - andere reduzieren ihren Sprachschatz auf Gameboy-Niveau. Man weiß fortan, was man will, doch nicht mehr, wie man’s umsetzt, und setzt sich von daher lieber ins gemachte Nest. Die Liebe mutiert zur Eigenliebe und die Selbstaufgabe wird mit Entsetzen von sich gefetzt. Der innere Schweinehund besiegt das süße Ferkel und der letzte Milchzahn macht dem sich ausweitenden Haifischmaul Platz.
Der Wahnsinn steht nun kurz davor erwachsen zu werden und erhält einen aufmunternden Klaps auf die sich ausbreitenden Gesäßbacken. Tiefster Glaube wird nun endgültig als Aberglaube verspottet und gekreuzigt, und somit hält der mutierte Jüngling, vom Leben arg gebeutelt, um die Hand einer zufällig ins Leben gerollten Frau an, da ihm die Zeit davoneilt und das Haupthaar verfliegt. Das weibliche Geschlecht erkennt indes den Wert des Geldes und lernt mit zunehmender Faltenbildung weibliche Frigidität gewinnbringend einzusetzen. Man lässt sich schwängern oder schwängert, je nach Entartung; - bleibt aus Gewohnheit oder Notwendigkeit miteinander verflochten und träumt derweil von angesägten Haushaltsleitern oder defekten Bremsleitungen oder auch von Zyankalikapseln im Kaffee. Doch irgendwann kommt der Tag, wo der eigene Blick, in Panik gelullt, den Partner vor sich kauern sieht, wie eine Kakerlake am Tellerrand des eigenen Ichs. Scheiden tut weh, und so fordert Mann (meistens Frau) Schadenersatz in beliebiger Höhe. Mein Gott, ist doch klar: Die Ehe ist und bleibt der Auffangbehälter eventueller Sozialfälle! Das letzte Stadium des Massenwahns, fälschlicherweise noch immer oft als Alzheimer diagnostiziert, stülpt die perfide Lebensweisheit der Infizierten für alle erkennbar nach außen. Nur die, die in ihrer frühen Kindheit dieser Zellbehandlung entkamen, sie leben heute meist allein oder aber in gleichgeschlechtlichen Beziehungen. Einige von ihnen verfassen auch mehr oder weniger gewichtige Schriften in besetzten Häusern. Sie drehen preisgekrönte Filme und inszenieren umjubelte Theaterstücke, für die, vom Rinderwahnsinn befallene Meute. Sie lassen sich von ihnen feiern oder diskriminieren; doch alles immer mit der ach so beruhigenden Gewissheit, auf diese gesunde Weise krank zu sein! © Arne Pahlke, 1996
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® sämtliche Textrechte liegen bei Arne Pahlke/Wortmutation |
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