Früher war mehr Lametta (SONGTEXT)

Arne Pahlke, Februar 2008

 

 

Früher war alles besser

Früher war alles gut

Früher war das Wasser nasser

Früher floss noch mehr Blut

 

Früher war alles schöner

Früher war alles geil

Früher gabs noch keinen Döner

Dafür gabs mehr Seelenheil

 

Früher …

Früher …

… war mehr Lametta

 

Früher gab‘s noch geile Musik

Früher hieß es Negerkuss

Früher aß man mehr Aspik

Heute gibt’s mehr Darmverschluss

 

Früher gab’s die Realität

Heute gibt es das Internet

Früher gab es mehr Aktivität

Früher waren wir nicht so fett

 

Früher …

Früher …

… war mehr Lametta

Früher war mehr Lametta2

 

Früher hatten wir noch einen Kaiser

Und auch den Kulenkampff

Früher sang ein Rio Reiser

Heute singt jeder Hansdampf

 

Früher gab noch die D-Mark

Früher gabs nur ARD

Früher waren wir noch stark

Heute tut uns alles weh

 

Früher war alles gigantisch

Früher war alles grandios

Sogar der Tod war früher romantisch

Und heute ist alles nur noch doof

 

Früher …

Früher …

… war mehr Lametta

 

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Stereosuppe,  21 März 2010

deine melancholisch-resigantiven einträge sind schön zu lesen. aber mir wird da ganz bange beim gedanken ans älterwerden. ist das die midlife-crisis oder wird man mit dem alter zwangsläufig zum pessimistischen zyniker?
(eine frage; kein angriff)

Wortmutation: In der Melancholie lässt es sich für mich gut baden. Ich kann da richtig schön eintauchen in diese schwermütigen Stimmungsbilder. Und so weh es mir dann auch manchmal tut, so gut tut es mir gleichzeitig. Ich schreibe solche Sachen oft ganz bewusst. Dann wird das Schreiben zu einer Art Therapie und danach geht es mir wieder besser. Es gibt Texte von mir, da kommen mir regelmäßig die Tränen, wenn ich sie lese und das wirkt dann befreiend.  Und es ist nicht so, dass ich nicht  gerne so alt bin, wie ich es bin. Das Alter(n) geht schon in Ordnung und ich kann da auch sehr selbstironisch sein; - so wie ich als Gesprächspartner ohnehin ein anderer Arne bin, denn als Schreibender. So bin ich meist viel weniger zynisch und bisweilen sogar mitreißend optimistisch ;-) Und über den Zynismus habe ich einmal geschrieben, dass er ein hochwirksames Psychopharmakon für Lebensmüde ist. Wenn ich richtig böse Texte raushaue, bin ich dabei auch nicht immer verbittert. Man stelle sich dabei durchaus auch eine Art Rumpelstilzchen auf XTC vor. Oft kommt es vor, dass ich während des Schreibens ein um das andere Mal laut loslache und mich diebisch darüber freue, wie gemein und misanthropisch ich doch sein kann.

Jaara , 24 März 2010

Heute bekommen Elefanten alte Weihnachtsbäume als Delikatesse serviert, denn früher war mehr Lametta.

 

® sämtliche Textrechte liegen bei Arne Pahlke/Wortmutation