Funny Games

Produktionsland: Österreich

Erscheinungsjahr: 1997

Altersfreigabe: FSK 18

Laufzeit: 104 Minuten

Genres(s): Filmmelodram, Thriller

Regie: Michael Haneke

Besetzung:   u.a. Susanne Lothar, Ulrich Mühe, Arno Frisch, Frank Giering, Stefan Clapczynski, Doris Kunstmann
 

 ® Arne Pahlke, 2010

Möchtest du einen abgrundtief bösen und sadistischen Film aus Österreich sehen?

Du meinst, ein solcher Film kann nicht aus Österreich kommen?

Und ich sage dir: einen solchen österreichischen Film gibt es tatsächlich!

Ich möchte allerdings gestehen, dass ich mir diesen Film zunächst auch nicht ansehen wollte, nachdem ich gelesen hatte, in welchem Land dieser produziert wurde. Wer nämlich die Menschheit jahrzehntelang mit tausenden von Schnulzen zugeschüttet hat, dem traut man einen solchen Film nicht so einfach zu. Obwohl, wenn man es genau nimmt, sind z.B. die alten Heimatfilme aus dem Össiland auch zutiefst sadistisch, wenngleich auf sehr subtile Weise.

Worum geht es in Funny Games?

Eine kleine Spießbürgerfamilie (Vater, Mutter und ihr etwa 10jähriger Sohn) bezieht ein idyllisches Feriendomizil (eine Villa am See) und richtet sich auf eine beschauliche Urlaubszeit ein. Doch aus dem friedlichen Urlaub wird nichts:

Bereits kurz nach ihrer Ankunft klopft es an der Haustür. Zwei junge Männer stehen an der Tür, die sich als ihre Nachbarn ausgeben und um einige Eier bitten. Was sich als einfacher Akt von Nachbarschaftshilfe anlässt, entwickelt sich rasch zu einem wahrhaft bösen „Funny Game.“ Denn die beiden jungen Männer sind von Anfang an nicht an den Eiern interessiert, sondern sie nutzen ihre fast schon hündisch höflich vorgetragene Anfrage als Eröffnungszug für ihr sadistisches Spiel, dessen Motiv bis zum Ende des Filmes komplett ungeklärt bleibt. Die von ihnen bewusst eingeleitete Situation eskaliert, als sie die Familie  in ihre Gewalt bringen und zu quälen beginnen – und zwar bis zum Tode jedes Familienmitglieds.

Und all dies vollzieht das psychopathische Sadistenpärchen (Peter und Paul) mit einem so hohen Maß an Menschenverachtung und pathologischen Hang zur Gewalt, dass es einem als Betrachter abwechselnd abstößt und fesselt. Und allein dazu ist man als Zuschauer verdammt.

So hinterfragt der Film in keinem Augenblick das Tatmotiv und scheint generell nicht an einer Aufklärung interessiert zu sein. Der Zuschauer wird sich quasi selbst überlassen und somit Zeuge eines unglaublichen Verbrechens. Und eben dieses Verbrechen zieht sich über den gesamten Film - wird sadistisch in die Länge gezogen, ohne dabei filmische Längen entstehen zu lassen.

 

Der Film ist ein dicht inszeniertes Psycho-Drama, ein Gewalt-Schocker ohne Szenen übertrieben harter Gewaltdarstellung. Und dennoch – oder gerade deswegen     - ist das Werk voll von drastischer Gewalt – entwickelt sich zu einem psychopathischen Horrortrip – nicht zuletzt im Kopf des Zuschauers selbst.

Die schauspielerischen Leistungen der Hauptdarsteller dürfen als exzellent bezeichnet werden. Insbesondere die Darstellungskunst des „Redeführers“ des bizarren Sadistenpärchens hat mich vollauf überzeugt. Dieser füllt die Rolle des schleimig-abstoßenden hageren Sadisten großartig aus. Auf mich wirkte er wie eine entartete Mischung aus bösem Harlekin, penetrant labernder “Ich-hasse-dich-Tunte sowie einem absolut mitleidlosen Sohn aus sogenanntem „gutem“ Hause.

Der Regisseur Michael Haneke wollte mit Funny Game, so seine Worte: …Wege finden, um Gewalt als das darzustellen, was sie immer ist, als nicht konsumierbar …“.

Wohl deshalb bleibt der Film absichtlich Antworten schuldig. Und wohl auch deshalb dürfte dieser Film für viele Zuschauer eine etwas zu schwere Kost sein. Und wieder andere werden Funny Games zu Unrecht Gewaltverherrlichung vorwerfen.

Für mich transportiert er das Gegenteil. Er legt die Finger in offene Wunden unserer Zeit; einer Zeit, in der immer Menschen (vor allem junge Männer) scheinbar aus purer Langweile – nicht vor Gewalttaten oder sogar Morden zurückschrecken. Und weder bei ihren Taten noch in diesem Film gibt es eine befriedigende Antwort auf die Motivfrage.

Vielmehr scheint es so, dass in einer Zeit, in der sich das einzelne Individuum immer weniger den wesentlichsten Moralfragen verpflichtet fühlt, das Auftreten von „unerklärlichen“ Taten  weiter zunimmt. So u.a. das wahllose Zusammenschlagen von wehrlosen Opfern oder das Steine werfen von Autobahnbrücken, bei dem der Tod von Menschen billigend in Kauf genommen  wird, - quasi als ein zum Zeitgeist  gehörender „Kick“, den es zu befriedigen gilt.

Menschen quälen und töten als „Funny-Games der Gegenwart“.

 

 9 von 10 Punkten

 

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