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Gespräch mit meinen Seelenwunden
Viele Ärzte attestieren mir eine ausgezeichnete Heilhaut. Doch weitaus lieber wäre es mir, wenn meine seelischen Wunden nur halb so gut heilen würden, wie meine körperlichen Wehwehchen. Aber daran denken meine uneinsichtigen psychischen Wundmale überhaupt nicht. Stattdessen haben diese sich hübsch hässlich bei mir eingerichtet und weichen nicht mehr von meiner Seite. Ist dies nicht eine bodenlose Unverschämtheit!? Und zu allem Überfluss flüsterten mir vor einigen Wochen einige von ihnen, dass sie mir bis zu meinem Tod die Treue halten werden.
„Na toll!“, erwiderte ich meinen Untermietern. „Und wisst ihr was? Ihr werdet es dann sein, die meinen Tod zu verantworten habt!“
Doch anstatt einer Geste der Betroffenheit, vernahm ich lediglich ein leises leicht tadelndes Gelächter. Und kurz darauf erinnerte mich einer meiner voluminösesten seelischen Wunden daran, dass ich es schließlich war, der sie zum Leben erweckt hat. Ich sei ihr Schöpfer und sie somit lediglich ein Produkt meiner Unvollkommenheit. Und deshalb wäre sie ziemlich betroffen, dass ich ihr böse bin, weil sie existiert.
„Seelenwunde Nr. 17 hat vollkommen Recht“, mischte sich eine kleine Versammlung von Wunden ein: „Du solltest uns mit Liebe und Verständnis begegnen. Du tust uns und dir keinen Gefallen, wenn du uns verfluchst oder zum Teufel wünscht. Wir sind nicht das Böse, das du fürchtest! Wir sind Teil deines Leidens, Teil deiner Erfahrung und Erkenntnis und somit Teil deines eigenen Selbst. Wenn du uns also ausradieren willst, so musst du dich selbst ausradieren. Und wann immer du dieses unmögliche Unterfangen anstrebst, wirst du dich schlecht und von dir entfernt fühlen. Und wenn manche von uns zu dir sagen, dass sie dich bis zum Tod begleiten, dann sagen sie dies nicht, weil sie dich peinigen wollen. Wir sind deine Freunde. Wir haben dich lieb und wünschen uns nichts sehnlicher, als dass es dir gut geht. Und deshalb sind wir da und passen auf dich auf.“
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Seelenwunden heilen bedeutend schlechter!
„Ja, aber …“, versuchte ich mich verteidigend zur Wehr zu setzen: „Euer Vorhandensein tut mir oft unendlich weh. Und dann kann ich euch nicht mehr ertragen und wünsche mir, dass ihr verschwindet.“
„Aber, mein lieber Arne …“, erwiderte daraufhin Seelenwunde Nr. 17. „Wir sind doch nicht dazu da, um dir weh zu tun. Wir sind da, um dich zu schützen. Was dir wehtut, dies ist vor allem deine mangelnde Bereitschaft im vollen Umfang anzuerkennen, dass du schwer verwundet bist. Du magst zwar viel über deine seelischen Wunden reden und schreiben. Doch dies allein wird dir nicht helfen! Du musst mit uns direkt in den Kontakt treten. Rede nicht über sondern mit uns! Ertaste und umarme uns. Und wenn dir danach ist, dann kämpfe mit uns. Schieb uns aber nicht einfach zur Seite. Und wenn du dich uns zuwendest und es weh tut, dann denke bitte immer daran, dass wir nicht die Verursacher dieses Schmerzes sind. Wir sind es, die gemeinsam mit dir leiden. Wir sind die vernarbte Brücke zu deinem Herzen und zu deinem Seelenheil. Wir können nicht verschwinden, weil wir reine Energie sind. Und Energie verschwindet nicht einfach. Was wir aber mit dir gemeinsam tun können, ist, die in dir zerstörerisch wütende Energie umwandeln. Und so können wir, deine Wunden, ganz allmählich zu deiner Zierde gedeihen. © Arne Pahlke, Mai 2005
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