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Hänsel und Gretel krepierten im Wald Arne Pahlke, August 2009
Hänsel und Gretel irrten mutterseeelenallein durch den finsteren Wald. Nur eben, dass der Wald überhaupt nicht finster war. Es war nämlich ein heller freundlicher Frühlingstag. Außerdem führte eine vielbefahrene Eisenbahnlinie quer durch den Wald. Und überhaupt fand man in jeder Himmelsrichtung bereits nach wenigen Minuten Fußmarsch Zeichen von Zivilisation, sodass ein Verlaufen quasi ausgeschlossen werden konnte, zumal der Wald voll von Trampelfaden und Hinweisschildern war, die sogar von Analphabeten (also von Kindern und Teenies) gedeutet werden konnten. Übrigens sind Wälder selbst an nebeligen Herbst- und Winterabenden nicht annähernd finster. Dies sind sie selbst dann nicht, wenn man unter Nachtblindheit leidet. Und wenn sie widererwarten doch finster sein sollten, so könnten verirrte Balgen einfach ihre Handydisplays als Taschenlampe nutzen. Immer diese überzogene Effekthascherei in diesen wirklichkeitsfernen Märchen. Hänsel und Gretel standen also mutterseeelenallein in einem wundervoll lichtdurchfluteten Wald, der sie mit bezaubernden Farben und Düften frohlockte. Warum aber standen die verhaltensauffälligen Geschwister mutterseelenallein im Wald? Und warum verwendet man in Märchen eigentlich stets diesen mitleidserregenden Begriff mutterseelenallein? Ach so ja, - natürlich - um Mitleid zu erregen. Tatsächlich aber waren die Geschwister scheißefroh, dass ihre selten dämliche Mutter nicht zugegen war. Ihre Eltern waren nämlich ein stadtbekanntes asoziales Säuferpärchen, das sich einst in einem Obdachlosenasyl über den Weg gelaufen ist und dort „lieben“ lernte. Und im Vollrausch zeugten sie ihre beiden Kinder. Und wie so viele Kinder von schwer alkoholkranken Eltern, kamen auch Hänsel und Gretel mit leichten Defekten auf die Welt. Ich will jetzt nicht schreiben, dass die beiden quasi schwachsinnig waren, da man mir dies auch als Effekthascherei ankreiden könnte. Einigen wir uns also darauf, dass das Geschwisterpärchen lediglich über sehr begrenzte intellektuelle Fähigkeiten verfügte. Also gerade einmal über so viel Gehirnsülze, die im späteren Leben für eine oberpeinliche Karriere als einer dieser Bushido-Flachwichsrapper ausreicht. Doch dazu sollte es nicht kommen. Hänsel und Gretel sollten noch an diesem Tag sterben. Ach, was sag ich da. Sie sollten nicht einfach nur sterben, sondern sie sollten verdammt nochmal ganz elendig und jammervoll krepieren. Tja, nun hat der böse Märchenonkel das Ende einfach vorweggenommen. Aber genauso läuft es doch auch bei diesen dicktuerischen Grimm-Märchen. Bei ihnen kennt man das Ende doch bereits vor dem ersten Satz. ... und so lebten sie glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende. Doch wer lebt schon glücklich und zufrieden bis an sein Lebensende? In meinen Märchen gibt es so eine Scheiße auf jeden Fall nicht! Hänsel und Gretel hauten von zuhause ab, weil ihre Mutter im Suff ständig um sich schlug und ihr eigener Vater sie beide mehrfach sexuell missbrauchte. Ok, letzteres ist eine bloße Vermutung meinerseits. Aber wenn man als vertrottelter Bürger nur regelmäßig genug die BILD-Zeitung liest, weiß man halt, dass der sexuelle Missbrauch allgegenwärtig ist. Überall sind Schweine und überall ist Missbrauch! Traue keinem Turnlehrer, Nachbarn oder Pastoren und schon gar nicht deinem Onkel, Opa oder Papa! So sei es denn. Stellt Euch bitte bildhaft dieses arme Geschwisterpärchen vor: Es wurde vernachlässigt und wuchs in verwahrlosten Verhältnissen auf. Ja, es wurde aller Wahrscheinlichkeit nach sogar sexuell misshandelt. Seht Ihr die beiden armen Kinder jetzt vor Eurem inneren Auge? Seht Ihr, wie der kecke Hänsel und die niedliche Gretel mutterseelenallein im sonnendurchfluteten (aber dennoch gefühlt finsteren) Wald orientierungslos umher wandelten? Und, quillt Euer Mitleid bereits auf Titanic-Niveau?
Ok, dagegen kann ich etwas tun, denn eben dafür bin ich prädisponiert. Hänsel: „Mein Scheiß-Handy-Akku ist leer. Fuck you! Das ist ja megafotze! Ey man, ich wollte doch unbedingt filmen, wie ich den Igel da hinten gegen den Baum trete.“ Gretel: „Du hast echt einen Schaden, Hänsel! Warum sagste denn immer megafotze? Das ist asozial und peinlich. Hier, nimm mein Handy. Und warte! Ich werde dieses Scheißvieh zu Brei treten. Los, filme seinen Abgang! BATSCH – PATSCH. Sterbe, du Stachelsau! Verrecke! - - - Haste alles drauf?“ Hänsel: „Geilomatic, Gretel. Ich bin stolz auf dich, du Bitch. Warum musste uns dieses blöde Vieh auch übern Weg laufen. Selbst Schuld! Niemand braucht Igel.“ Nachdem Hänsel und Gretel das sterbende Tier bis zu dessen Tod quasi filmend „sterbebegleitet“ haben, erreichten sie alsbald eine kleine Blockhütte. Hänsel schlich sich an eines der Fenster und blickte vorsichtig hindurch. Hänsel: „Ey Gretel, da drinnen sitzt so eine alte Hure. Die sieht echt aus wie ne alte Gewitterhexe aus so‘n ollem Märchen. Die ist echt freakig die Alte. Wollen wir diesem alten Lederlappen ein bisschen Angst einjagen?“ Und hier nun nahm das Märchen eine unerwartete, von mir sehnlichst herbeigewünschte Wendung: Die alte Frau in der Blockhütte war nämlich gar keine alte Gewitterhexe, sondern eine vom FBI, CIA, der Staatssicherheit und dem Weltsicherheitsrat gesuchte Kannibalin. Außerdem hatte sie einen latenten Hang zum ausufernden Sadismus. Deshalb kam es ihr auch nicht in den Sinn, Hänsel und Gretel einfach schnell in den Ofen zu schieben und danach zu verzehren. Nein, sie überwältigte die beiden, fesselte sie, um ihnen danach bei lebendigem Leib die Haut abzuziehen. Mehr tot als lebendig landeten die beiden Gören nach mehrstündiger Folter schließlich in einem Kessel mit kochendem Wasser. Ich muss zugeben, dass das markerschütternde Schreien der beiden sterbenden Kinder durchaus etwas Mitleidserregendes hatte. Aber ich habe einfach meine inneren Ohren auf stumm geschaltet und gut war’s. Außerdem sind Märchen nun einmal grausam und der Zweck heiligt bekanntermaßen sämtliche Mittel. Das ist im Krieg so - das ist im Märchen so – und ist in meinen Märchen erst recht so! Und mal ehrlich: Was wäre denn aus den Kindern geworden? Wären sie nicht irgendwann auch zu alkoholkranken Erwachsenen mutiert, die dann wiederum neue verhaltensgestörte Kinder produzieren? Irgendwer musste den Bann des Bösen brechen. Und außerdem sicherte sich die alte Kannibalin durch ihre gute Tat für mehrere Wochen eine gar köstliche Verpflegung. Und wer will es dieser alten gebrechlichen Dame vergönnen, zumal ihre Rente nicht eben üppig ausfiel? Die beiden Handys vertickte sie übrigens an einem zwielichtigen Händler. Und von dem Geld gönnte sie sich eine „Hannibal-Lector-Spezial-Edition“ in Blu-ray-Format sowie zwei hochwertige Steakmesser. Und so lebte die alte Kannibalin zwar nicht glücklich bis an ihr Lebensende. Sehr wohl aber kam sie von Zeit zu Zeit an frisches Menschenfleisch. Und wenn sie nicht gestorben ist, so landen noch heute missratende Kinder von erziehungsunfähigen Eltern in ihrem großen Kessel. Hoffen wir’s! ENDE |
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Die Lucilla, 15 April 2010 - Mich würde interessieren, was du aus aus dem schönen Märchen Schneewittchen machen würdest. Oder vielleicht auch besser nicht *g* Ralph, 19 Januar 2011; - Deine Idee, das Märchen in die heutige Zeit zu versetzen, ist ganz gut.Aber deine Umsetzung ist wirklich unglaublich schlecht. Vor allem diese Vergleiche mit dem Original sind absoluter Blödsinn, weil es wohl klar ist, dass sich heute in der westlichen Welt nur selten Wälder wie im Märchen finden lassen. Wortmutation: Dass es mir bei dieser ziemlich bösen Modulation eines alten Grimmschen Märchen nicht um einen glaubwürdigen Vergleich mit dem Original geht, sollte doch spätestens bei der Hälfte des Textes deutlich werden. |
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® sämtliche Textrechte liegen bei Arne Pahlke/Wortmutation |
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