Haltet mein Leben

Arne Pahlke, Mai 1994

 

Gestern habe ich einen Menschen getroffen.

Wir berührten uns, woraufhin er zerplatzte.

Ich war erschrocken und tief betroffen,

zog heimwärts, in mich gekehrt, und gedachte

dieser Begegnung, die nur ein Traum gewesen.

Die Berührung mit einer Seifenblase.

So ging ich meines Weges, begann Spuren zu lesen,

als plötzlich aus dem Gebüsch ein Hase lugte

und mich einlud

ihm näher zu treten.

Auf leisen Sohlen schob ich das Grün beiseite.

Doch als meine Augen die seinen erspähten,

verlor auch er sich im Nichts und suchte das Weite.

 

Müde geworden vom Lauf dieser Dinge,

schaffte ich mich mit schlafenden Augen fort.

Und keine Mauer, keine Hürde, keine Schlinge,

die mich aufhalten wollte - Nirgendwo ein Ort

der Begegnung. Ein Hort

der wirklichen Nähe.

Und wohin ich auch ging, hintrat und fasste,

ja, wohin ich auch lauschte, spähte und sah -

Nichts war spürbar da.

Alles trug Maske.

 

Nur die Tränen, die über meine Wangen liefen,

schmeckten nach salziger Wirklichkeit.

Und auch die Stimmen, die da lauthals riefen,

waren getönt fürs Leben, für Wärme und Sinnlichkeit.

 

Weinend lief ich durch den Wald der fliehenden Bäume,

schreiend hinüber über einstürzende Brücken.

Ich verlor mich mehr und mehr im Dunkel meiner Träume;

die Welt flog davon, in zerreißenden Stücken!

Mich trug es ins Nichts, als eine Hand nach mir griff

und mich zurückzog in die spürbare Sinnenwelt.

 

Wie ein Zauber der Liebe war wieder alles

sichtbar geworden.

 

Dort war sie, die Hand, die mich hält;

Die so mütterlich warm, so sanft und so rein.

Und ich war wieder inmitten der Welt,

war wieder daheim

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