Hostel 

Produktionsland: USA

Erscheinungsjahr: 2005

Altersfreigabe: FSK 18

Laufzeit: 116 Minuten

Genres(s): Horror, Splatter

Regie: Eli Roth

Besetzung:     u.a. Jay Hernandez, Derek Richardson, Barbara Nedeljakova, Jan Vlasák,Jana Kaderabkova, Jennifer Lim, Keiko Seiko 

® Arne Pahlke, 2009

Ich habe mir Eli Roth’s Machwerk angesehen, ohne zu wissen, was mich erwartet. Wenn ich mir Filme anschaue, weiß ich oftmals wenig bis gar nichts über diese Filme, da ich zu jener Gattung Filmkonsumenten zähle, die es vorziehen, sich vorab nur spärliche und schwammige Informationen über einen Film abzurufen. Mitunter reicht es mir sogar aus, wenn ich lediglich weiß, welche(s) Genre(s) ein Film bedient. Diese Vorgehensweise führt natürlich häufig dazu, dass ich eine Filmvorführung bereits nach wenigen Minuten beende, weil das Dargebotene mich  langweilt, anwidert oder aufgrund seiner himmelschreienden Plattheit aggressiv macht.

Ich weigere mich sogar mir Filmtrailer anzuschauen; - scheue diese wie der Teufel das Weihwasser. Auch deshalb gehe ich ungern ins Kino, weil man dort mittlerweile mit Trailern und Werbung torpediert wird. Ich will einen Film immer erst dann sehen, wenn ich ihn mir ansehe! Und nicht etwa bereits vorab in komprimierter Form als marktschreierisches Werbevideo. Viele Filme sind doch im Grunde genommen dermaßen hohl, dass man sich dann ja konsequenterweise nur noch die Trailer reinzuziehen bräuchte. 

Tja und zu eben dieser Gattung Film zähle ich auch den Film „Hostel“. Ich hätte mit diesem Film sicherlich nicht annähernd so viel „Spaß“ gehabt , wenn ich vorher zu viel darüber gelesen und gesehen hätte.

Der Film beginnt schockierend – und zwar schockierend langweilig.

Die beiden Freunde Paxton und Josh mimen in diesem gehypten Horrorschocker zwei sich blöduid und stereotyp gebende junge Männer, die scheinbar nur aus einem einzigen Grund ihren Rucksackurlaub in Angriff genommen haben. Ja richtig, sie wollen auf ihrem Trip möglichst viele Fotzen flachlegen. Und dieses Vorhaben wird im ersten Filmviertel von dem typischen primitiven Primatengelaber untermalt.  Bis hierhin ist der Film also schon mal so richtig originell, weshalb ich zunehmend tapfer gegen die in mir aufkeimende Müdigkeit anzukämpfen hatte.

Ich hielt mich mit der Vorstellung wach, dass möglichst zeitnah irgendeine Jason-Imitation ins Geschehen eingreifen und die Primtivlinge während ihrer Begattungsnummer auf grobmotorische Weise zerlegen würde. Ich hätte es den mich zunehmend nervenden Hauptdarstellern zu diesem Zeitpunkt nämlich wirklich gegönnt.

Aber es kam anders. Und zwar viel besser, als von mir erhofft. 

Was sich als typischer Teeniehorrorfilm (mit einem für mein Gefühl viel zu langen und unnützen Vorlauf) anlässt, entwickelt sich in der zweiten Hälfte zu einem durchaus interessanten, teilweise ekelhaften und im Finale fast schon brachial anmutenden Blutrausch.

Hostel-Filmkritik2

in der Menschenschlachterei

 

Was mir an Hostel vielleicht am besten gefällt, das ist die Tatsache,  dass so etwas auf dieser Welt wirklich passiert und ich somit einen Realbezug herstellen konnte. Natürlich passiert es nicht genau so, wie in diesem Film dargestellt. Aber es gibt sie tausendfach, jene Lagerhallen, Kellergewölbe, Gefängnisse und  Verließe, in denen Menschen gefoltert und getötet werden. „Hostel“ überzeichnet lediglich,  indem er quasi einen bizarren Abenteuerspielplatz an Grausamkeiten aufbietet.

Das finale Schlachtest wirkt dabei mitunter fast wie eine Geisterbahnfahrt  durchs Höllental und gleichzeitig wie ein brechreizfördernder Klamauk.  Aber wenn man dieses Szenario eben als etwas an sich heranlässt, was so – in seinen vielen Einzelmetzelsequenzen wirklich passiert, dann kann dieser Film phasenweise durchaus wehtun sowie Angst und Beklommenheit auslösen.

Leider aber fehlt diesem Machwerk jene Tiefe, um diesbezüglich nachzuwirken. Und wie es mir scheint will „Hostel“ am Ende auch nichts anderes sein, als ein Horrorschocker, der eine Gewaltorgie zelebriert und diese gegen Ende des Films auf die Spitze treibt.  Hostel aalt sich dann gewissermaßen in seinen eigenen Eingeweiden und bietet somit eine ansprechende Kost für Freunde dieses Genres, wozu die sehr düstere und brachial-beklemmende Szeneausstattung in dem “Human-Schlachthof“ maßgeblich beiträgt.

Sehr bedauerlich finde ich es allerdings, dass es bislang keinen einzigen ernsthaften Film über diese Thematik gibt. Ein „Hostel“ frei von „Splatter-Attitüden“ und ohne eine bescheuerte Teenie-Fick-Rahmenstory. Stattdessen ein grauenvoll realer Film, der ernsthaft versucht, etwas von jener grauenvollen Wirklichkeit einzufangen, wie sie überall und immer wieder stattfindet. Dies wäre ein wahrer Schocker – am Ende aber wohl zu hart, um jemals gedreht und gezeigt zu werden?

 „Begnügen“ wir uns also lieber weiterhin  mit solchen Trash-Filmen und stellen uns das Unvorstellbare lieber weiterhin als etwas Unvorstellbares vor. Also gar nicht! Oder eben in Form eines „Hostel-oder-SAW-Movies“ . 

   6 von 10 Punkten

 

schreibe einen Kommentar

Thomas R   10. September 2009 - *Aber es gibt sie tausendfach, jene Lagerhallen, Kellergewölbe, Gefängnisse und Verließe, in denen Menschen gefoltert und getötet werden.* Pssst, verrat dich doch nicht selber ;) Aber die Realität zeigt ja eh dass viele irre Folterer und Kidnapper jahrelang unbehelligt ihrem Tagewerk nachgehen können und dabei eifrig Spuren und Hinweise zurück lassen können ohne das jemand ihr Kriminelles Schaffen aufdecken könnte

Wortmutation: Ich bin als Serienkiller an einem Punkt angekommen, an dem ich mich für allmächtig und somit für die Polizei als nicht mehr fassbar ansehe. Doch wir wissen, eben dies ist der Punkt an dem eine Festnahme meist unmittelbar bevorsteht ;-)

Thomas R   12. September 2009-Ja und ich finde das macht eben den Reiz des Bösen aus. Wie man zuerst eben "aufsteigt" wie ein berühmter Rockstar oder auch ein Diktator und jahrelang Böses tun kann und irgendwann dann am eigenen Wahnsinn zugrunde geht oder eben das mühsam erbaute Kartenhaus aus Lügen, Intrigen und Bosheiten zusammenfällt.

 

Filmkritiken_Header5