Ich, Tomek

Produktionsland: Polen, Deutschland

Erscheinungsjahr: 2009

Altersfreigabe: FSK 16

Laufzeit: 93 Minuten

Genres(s): Drama

Regie: Robert Glinski

Besetzung:     Filip Garbacz, Bogdan Koca, Dorota Wierzbicka Matarelli,Piotr Jagielskim, Rolf Hoppe

 ® Arne Pahlke, 2011

Der Film erzählt die Geschichte des aufgeweckten und begeisterungsfähigen 15jährigen Schülers Tomek (Filip Garbacz), der auf der polnischen Seite der deutsch-polnischen Grenze lebt und  zusammen mit anderen Jugendlichen und seinem ehemaligen Deutschlehrer ein Observatorium aufbaut. In diesem Zusammenhang träumt Tomek von einem leistungsstarken Teleskop,  weil in einigen Wochen aufgrund günstiger Sternkonstellationen der Merkur besonders gut zu sehen sein wird.

Doch das Leben ist kein Observatorium und Tomeks Stern soll schnell verglimmen.

Tomek lebt in armen Verhältnissen. Und in seiner Familie wird das Elend, in dem man lebt, schöngeredet. So trainiert sein arbeitsloser Vater eine Jungenfußballmannschaft und macht  sich und seiner Frau vor, dafür irgendwann Geld zu bekommen. Und Tomeks Schwester redet von ihrer bevorstehenden Abiturprüfung, obwohl sie die Schule schon längst geschmissen hat. Als Tomek für seine Schwester von einer Freundin Unterlagen für die vermeintlich bevorstehende Abiturprüfung holen will, wird ihm nicht nur langsam klar, das seine Schwester ihm bezüglich des Abiturs angelogen hat, sondern er gerät dabei auch ins Kinderprostitutionsmilieu.

„Ich, Tomek“ ist ein Film mit guten Ansätzen und einigen überzeugenden Momenten. Und der Laiendarsteller Filip Garbacz, der den Tomek mimt,  tut dies gut – z.T. sogar richtig gut – aber am Ende eben nur so gut, wie es das Drehbuch zulässt. Denn während der Film in der Anfangsphase noch durchaus glaubwürdig und ambitioniert schildert, wie der 15 jährige Musterschüler und Kirchgänger zum Knabenstricher wird, so büßt der Film diese Glaubwürdigkeit mit zunehmender Spieldauer immer mehr ein. Und gegen Ende des Films wird der Bogen dann einfach zu sehr überspannt. Außerdem verlieren viele gute Ansätze durch das Bedienen vieler Klischees und durch das Einstreuen unnötig plakativer Momente viel von ihrem Wert.

 

Tomeks erster Freier

 

Der polnische Originaltitel Świnkisteht übrigens für Schweinchen. So werden im polnischen Slang Kinder und Jugendliche bezeichnet, die sich prostituieren. Und „Ich, Tomek“ möchte als deutsch-polnisches Gemeinschaftswerk über die Kinderprostitution begriffen werden. Doch diesem Anspruch wird dieses Machwerk leider nur im Ansatz gerecht.

Wer wie ich, ein Jahrzehnt lang tiefe Einblicke ins Hamburger und Berliner Strichermilieu hatte, darunter auch in die Knabensticherszene in Berlin rund um den Bahnhof Zoo (Mitte der 90er Jahre) sowie in (und vor allem Rund um)   die Stricherbars in der Fuggerstraße in Berlin; - der kann bei manchen Szenen nur die Hände über den Kopf zusammenschlagen.   

Als dieser kleine und überaus zart gebaute Tomek (den man fast umpusten kann) z.B. kurzfristig selbst ins Zuhältergeschäft einsteigt und dabei total abgeklärt wirkt, als hätte er sein (kurzes) Leben lang nichts anderes gemacht …da verspielt der Film binnen Minuten viel von jener Glaubwürdigkeit,  die er bis dato noch ausgestrahlt hatte.

Schade, doch auch mit „Ich, Tomek“ ist am Ende kein Film herumgekommen, der ein wirklich authentisches Bild von der Knabenprostitution in Polen (oder auch in Deutschland) wiedergibt. Doch da gute Ansätze durchaus vorhanden sind und „Schweinchen“ am Ende zumindest als ambitionierter “Unterhaltungsfilm” punkten kann, vergeben ich 5 von 10 Punkten.

 

   5 von 10 Punkten

 

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