Ich bin ein guter Mensch

Arne Pahlke, September 1993

 

Ich wurde unschuldig und rein geboren,

als ein guter Mensch.

 

Ich habe gelernt, Aufmerksamkeit zu erlangen,

getarnt zu lügen, um Stimmen zu fangen.

Ich begann, mir Masken aufzusetzen, um zu kaschieren,

zu widersprechen und auch zu parieren.

 

Ich träumte von so mancher bizarren Perversion,

und bin in die eine oder andere dann auch geflohen.

Ich entdeckte die betörende Liebe und ihre Fallen.

Verspürte, was es heißt, für Fehler zu zahlen.

 

Ich erlebte die Eifersucht, Gewalt und Krieg,

erhob mich nach Niederlagen und errang manchen Sieg.

So war ich mutig, feige, dumm und weise,

verschlafen, lebendig, laut und leise.

Arne Pahlke (1993)

Auch war ich hungrig, satt, gefüllt, geleert,

am Ende, am Anfang, gemieden und begehrt.

Ich habe zu jeder mir möglichen Stunde onaniert,

habe mich wie von Sinnen mit dem Müll der Welt beschmiert.

 

Ich fand Abwechslung durch eine Fülle von Drogen,

fiel ganz weit ab von nicht ganz oben.

Ich begann die Frauen und ihre Formen zu verehren,

ließ mich von ihnen führen, ließ sie still gewähren.

 

Ich war wie verzaubert, begann Männer zu lieben,

vertrieb Zeit durch Lust und tat dies durchtrieben.

So habe ich neue Freunde gefunden und alte verloren,

bin im Leben oftmals gestorben und neu geboren.

 

Als ein guter Mensch!

 

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