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INTERVIEW MIT JOE: "Für mich ist diese Art von Sex die ehrlichste Angelegenheit der Welt!"
Dieses Gespräch wurde im April 2000 in meiner Wohnung geführt. Joe war zu diesem Zeitpunkt Beamter im Vorruhestand, und arbeitete nebenher als Sicherheitsbeamter in Hamburg und 53 Jahre alt.
Joe, magst du mir vielleicht in ein paar Sätzen über deine Kindheit erzählen? Ja, gerne. Ich wurde kurz nach dem II. Weltkrieg geboren, als einziger Sohn meiner ledigen Mutter. Man könnte sagen, ich wurde im Siegestaumel der Besatzungsmacht von einem englischen Soldaten gezeugt, der übrigens bis heute nichts von meiner Existenz ahnt. - (grübelt) Meine Mutter musste ohne staatliche Unterstützung für unseren Lebensunterhalt sorgen, deshalb war ich schon von klein auf an auf mich allein gestellt. - Ich glaube schon, dass dadurch mein weiterer Lebensweg deutlich geprägt wurde.
Wann und wie hast du deine Homosexualität entdeckt? Eigentlich sehr früh, und ohne natürlich zu ahnen, was sich da bei mir abspielte. Früher war man mit der Aufklärung noch nicht so weit. - Ich war 5 Jahre alt. Es war ein ziemlich heißer Sommer. Bin mit anderen Kindern in unserem Dorftümpel herum geplantscht. Und da waren auch zwei ältere Jungen. Ich glaube, die waren zwischen zehn und zwölf Jahre alt. - Die haben sich aus einer Stalltür und zwei leeren Benzinkanistern ein Floß zusammengebaut. Ihre Konstruktion war aber nicht gerade stabil. (lacht) - Sie kenterten. - Ich hab dann gesehen wie sie sich gegenseitig aus dem Wasser gezogen haben. Der Ältere trug eine große Badehose und da schaute dann unfreiwillig sein halb steifes Geschlechtsteil heraus - und ich meine auch, er stellte es ein bisschen zur Schau. - Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich ein fremdes Glied gesehen habe und ich war total fasziniert davon. Einen Anblick, den ich nie vergessen werde. Und ich bin davon überzeugt, dass ich da meine erste Erektion hatte.
Wie bitte? Na, war vielleicht auch nur eine kleine Erektion (lacht).
Joe, wann hattest du deinen ersten Kontakt zu Strichern bzw. zu Callboys und welche Erinnerungen hast du noch daran? Lass mich überlegen! - Ja, genau, das war 1971, auf meinem ersten Tunesienurlaub. Da habe ich Kontakt zu den einheimischen Jungs gesucht, weil ich in den St. Pauli-Nachrichten gelesen hatte, dass die jungen Araber überwiegend schwul sein sollen.
Ach, und dann hast du dir einfach gedacht, einer wird schon dabei sein? Nicht ganz. - Eines Nachts bin ich ziemlich alkoholisiert von einem Kellner meines Hotels in einen Palmenhain abge-schleppt worden. - Puhhh, ich war ganz schön happy, war er doch der erste Junge in meinem Leben, der mich auf den Mund küsste und mir auch noch seine Zunge tief in den Hals steckte. – Aber leider erfüllten sich meine Erwartungen auf weitere Zärtlichkeiten nicht so ganz, denn plötzlich lag ich auf dem Bauch und er versuchte mit seinem großen Schwanz in mich einzudringen. Für mich war das eine ziemlich schmerz-hafte Angelegenheit, denn meine Erfahrungen waren auf diesem Gebiet ja gleich Null. – Es kam zu einer kleinen Rangelei, in deren Verlauf er mir dann, wohl mehr ungewollt, seine Ladung zwischen meine Backen spritzte. - Als ich mich dann umdrehen wollte, wurde ich wieder auf den Bauch gerollt, aber diesmal von seinem Kollegen, einem ziemlich kräftigen Mauretanier. - Ich habe den vorher gar nicht bemerkt. - Der nutzte dann die Gunst der Stunde und hat den Saft seines Vorgängers einfach als Gleitmittel genutzt. - So wurde ich also zum ersten Mal in meinem Leben richtig durchgefickt. Und als es dann vorüber war und ich mich einigermaßen sauber gemacht hatte, fragten mich meine beiden Hengste, wieviel Geld ich bei mir hätte. Mann, da hab ich vielleicht bedeppert aus der Wäsche geguckt. Die beiden klärten mich über die wichtigste Landessitte auf, nämlich Sex nur gegen Bares! - Und da ich die Situation nicht eskalieren lassen wollte, habe ich für meine Unwissenheit und eigene Vergewaltigung umgerechnet 70 DM bezahlt.
Deine erste Begegnung mit käuflicher Liebe hatte es also im doppelten Sinne in sich? Das kann man wohl so sagen. (lacht laut)
War es damals ein eher spontaner Entschluss von dir, für Sex zu bezahlen, oder ging diesem „ersten Mal“ ein längerer (Denk-)Prozess voraus? Na ja, als ich erst einmal herausbekommen hatte, wie das in Nordafrika mit dem Sex zwischen Touristen und Einheimischen ablief und ich mittlerweile auch die Preise kannte, habe ich diese Möglichkeit bis an die Grenze meiner Reisekasse ausgereizt. - Ein Denkprozess fand wegen Geilheit nicht statt.
Wie sieht dein Sexualleben zurzeit aus? Ich bin vollauf zufrieden, denn ich habe mindestens einmal in der Woche Sex. Es ist in jedem Fall besser als vor 20 Jahren!
Käuflicher Sex? Ja.
Was gibst du monatlich für Callboys oder Stricher aus und über wieviel Geld in Monat verfügst du etwa? So etwa 500 - 600 Mark. Ich selbst verfüge im Monat über ein Nettoeinkommen von 2700 Mark.
Ist käuflicher Sex bzw. käufliche Liebe für dich ihr Geld wert? Ich meine, ja! Ich spreche aber vom Sex, weil ich mit der Definition des Begriffs "Liebe" wenig anfangen kann. Für mich ist käuflicher Sex die ehrlichste Angelegenheit auf der Welt und ich bin selten enttäuscht worden.
Und warum ist diese Art von Sex für dich die ehrlichste Angelegenheit? Weil es ein klares Abkommen zwischen den beiden Parteien gibt.
Was meinst du, mal so über den Daumen gepeilt, hast du in deinen Leben bislang für käuflichen Sex ausgegeben? Also locker 70 bis 80 TDM.
Dafür hättest du dir eine Luxuskarosse kaufen können? Stimmt! - Ich glaube aber nicht, dass ich damit so viel Spaß gehabt hätte.
Was ist die positivste Überraschung, die dir jemals mit oder bei einem Stricher oder Callboy widerfahren ist? Positiv finde ich auf jeden Fall, dass ich zu fast allen meinen Exlovern, egal ob Callboys oder Bahnhofstrichern auch heute noch kameradschaftliche und manchmal sogar freundschaftliche Verbindungen pflegen kann, obwohl in Sachen Sex schon lange nichts mehr läuft.
Und die negativste Überraschung? Ich bin jetzt insgesamt drei- oder viermal auf irgendwelche Mitleidsgeschichten hereingefallen, aber mein finanzieller Schaden hält sich in vertretbaren Grenzen.
Wie müsste für dich ein perfekter Stricher beschaffen sein, optisch wie charakterlich? Er müsste meinen optischen und sexkompatiblen Wunschvorstellungen entsprechen und mir das Gefühl vermitteln können, dass er, trotz aller finanziellen Belange, aufrichtige Sympathie für mich empfindet.
Und ein perfekter Freier? Ein Typ, der einen so nachhaltigen Eindruck hinterlässt, dass jeder Callboy oder Stricher vergisst, hinterher nach der Be-zahlung zu fragen. - Also, einer wie ich! (lacht laut)
Wie würdest du dich als Freier, in wenigen Worten, selbst skizzieren? Alter Mann - wenig attraktiv, dafür aber verständnisvoll, aufrichtig, einfühlsam, gefühlsbetont, kaum feilschend und immer bereit für eine längere Sexbeziehung mit positiver Dynamik.
Könntest du dir vorstellen, vorausgesetzt du würdest durch einen Zauber wieder jung sein, selbst anschaffen zu gehen? Bestimmt nicht - Fotos aus meinem 17. Lebensjahr können auch belegen warum. - Aber mal im Ernst. Nein, ich könnte das, glaube ich, nicht. Außerdem war diese Art des Geldverdienens für mich nie ein Thema.
Könntest du mir zum Abschluss vielleicht noch eine lustige oder eine, dir nachhaltig in Erinnerung gebliebene, Begebenheit wiedergeben, die dir mit einem Stricher oder Callboy widerfahren ist? Klar doch. - Kurz vor dem Jahreswechsel 1996 besuchte ich auf Grund einer Zeitungsanzeige einen Callboy in der Adenauerallee in Hamburg. Auf mein Klingeln öffnete ein ca. 20-jähriger Thailänder, mit dem ich schnell handelseinig wurde. - Als wir gemeinsam auf dem Bett lagen und ich anfing mit der Zunge seinen Körper zu erforschen, merkte ich an seinen Reaktionen, dass ihm das wohl sehr zu gefallen schien. - Auf jeden Fall hockte er irgendwann total erregt auf mir und wollte meinen Schwanz bei sich einführen. Nur mit Mühe konnte ich ihn davon überzeugen, mir erst ein Gummi überzustreifen. – Schon nach den ersten Reitbewegungen schoss er mir seine Ladung fast bis ins Gesicht. - Als er ermattet neben mir lag, fing er zu jammern an, dass er für den weiteren Tag sein Geschäft dichtmachen könne, weil er sich völlig verausgabt hätte. Ich hielt es natürlich für seine Mitleidsmasche, um mehr Geld aus mir herauszulocken. Weil es mir die Sache aber trotzdem wert war, habe ich den vereinbarten Preis aufgestockt. – Aber zu meinem großen Erstaunen lehnte er dies entschieden ab, schließlich hätte er ja auch seinen Spaß gehabt. Im Gegenteil, er lud mich spontan ein, zusammen mit seinen Freunden gemeinsam den Jahreswechsel zu begehen. Leider war ich terminlich gebunden, und ich habe ihn danach auch nicht mehr wiedergesehen. Trotzdem erinnere ich mich immer wieder gern an diese Begebenheit, besonders dann, wenn ich mal wieder mit einem Asiaten im Bett bin.
Vielen Dank für das Gespräch. Das macht hundert Mark (lacht). © Arne Pahlke 2000/2010 |
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® sämtliche Textrechte liegen bei Arne Pahlke/Wortmutation |
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