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Irgendwann habe ich für mich beschlossen nie wieder zu lieben Irgendwann habe ich für mich beschlossen mich nie wieder in einen Menschen zu verlieben. Ich meine, ein Menschen so richtig zu lieben und nicht nur mit Haut und Haar. Nie wieder werde ich einen Menschen lieben, mit diesem innigen Wunsch zur Selbstaufgabe. Nie wieder werde ich mich einer Auserwählten als Opfer darbringen. Als ein Opfer für eine gemeinsame Sache, die uns beide auf einen Thron hievt, auf dem wir uns wie Kaiser fühlen dürfen. Und zwar ganz gleich, in welcher materiellen Armut wir auch leben würden. Denn irgendwann habe ich für mich beschlossen, dass die Liebe mir nicht gut tut; - dass ich ihre Tiefe nicht ertrage und ihre ungeschriebenen Gesetze nicht einhalten kann; - sodass mich die Liebe am Ende einfach nur quält. Als ich noch ein junger Mann war, vor leidenschaftlichen Träumen überquellend und von vielen Menschen geliebt, da zog ich alles und jeden wie ein Magnet an - und somit auch die Liebe. In mir brannte ein geheimnisvolles Feuer, welches so magisch gelodert haben muss, dass mich wildfremde Menschen auf offnerer Straße anlächelten und dies scheinbar ohne jeden Grund. In dieser Zeit verfing ich mich in den Augen einer Kindfrau. Sie war zerbrechlich wie eine Fee und hatte eine Haut wie aus Porzellan. Sie sah aus, wie ein Wesen aus einer Feenwelt, als sie mir erstmals gegenübertrat. Es war einer jener seltenen Augenblicke in meinem Leben, in denen mir ein Gott über den Kopf zu streicheln schien und ich vor lauter Glück hätte weinen können. Und gleichzeitig schnürte es mir die Kehle zu. Binnen weniger Sekunden verliebte ich mich in diese anmutige Schönheit. Ich war ihr verfallen. Doch was ich da in diesen Augenblicken spürte, was mich einst vor unbändiger Freude fast zu zerreißen drohte. Ich stand vor ihr mit zittrigen Knien und träumte davon, sie ein Leben lang einfach nur ansehen zu dürfen. Ja, als ich dieser junge Mann war, erfüllt von einer fast reinen Vorstellung der Liebe, da fuhr ich auf meinem Rad durch die Stadt, von der sie mir sagte, dass sie dort leben würde. Und laut rief ich ihren Namen: Stephanie - Stephanie - Stephanie! Stundenlang rief ich ihn, als würde sie mir für immer verschollen gehen, würde ich sich nicht noch an diesem Tag finden. Spürte ich an diesem Tag wohl bereits den Verlust von etwas, was ich nie besitzen sollte? Sie war und ist meine unerfüllte Liebe. Sie war und ist mein Ideal der Liebe. Ich fuhr auf meinem Rad durch die Stadt und rief ihren Namen und lauschte dabei dem Schlag meines Herzens, um daraus die räumliche Entfernung zu messen, die uns wohl trennen mochte. Doch es war alles vergebens! Uns trennten Millionen von Kilometern, denn sie liebte mich nicht. Sie liebte nicht einmal einen Wimpernschlag meines zerbrechlichen Ichs. Und es platzten alte Wunden auf: “Ihr, meine Geschwister, habt mich auch nie geliebt. Liebte mich überhaupt irgend jemand auf dieser Welt, außer meine Mutter? Wurde ich nicht immer nur dann geliebt, wenn ich eine Rolle spielte; - wenn ich ein Erfüllungsgehilfe für irgendetwas war; - wenn ich alles dafür tat, damit man sich in meiner Gegenwart wohl fühlte? Hatte ich nicht während meiner gesamten Kindheit um die Liebe meiner Geschwister gekämpft und um die Liebe eines Vaters, den es niemals gab? Und hatte ich nicht irgendwann in meiner tiefen Verzweiflung schließlich sogar damit angefangen, für die Liebe kranke Dinge zu tun - zu einem masochistischen Sadisten zu werden? Ja, wohl bereits als Kind büßte ich die ersten großen Stücke Liebesfähigkeit ein und zog mich daraufhin immer häufiger in mich selbst zurück. Und in meinem Selbst suchte die Schuld für das „nicht geliebt werden“. Ich fing damit an, mich zu zerfleischen. Oh, diese anmutige Schönheit, die meine Liebe nicht erwiderte. Doch diente sie mir nicht nur als erzwungenes Beweismittel für eine bereits tief in mir verwurzelte Tatsache? Nämlich die, dass ich niemals mehr einen Mensch ganz tief und fest lieben kann, da ich es nicht wert bin geliebt zu werden? Zumindest zeigte die mir selbst auferlegte Prophezeiung Wirkung: Meine Liebesfähigkeit litt mehr und mehr, bis sie irgendwann kaum noch vorhanden war.
Nur wer sich verschenkt, verkauft sich teuer genug! Doch ich verkaufte mich - und zwar ständig und unter Preis. Und nach abertausend Samenverlusten ohne Gefühl, nach ungezählten schlecht gespielten Rollen, in die ich nur deshalb geschlüpft bin, um jedermann zu gefallen, war die Liebe in mir zu Eis gefroren. Und die Eisdecke, sie trotzt noch heute jedem in mir aufbegehrendem Frühlingsgefühl. Irgendwann, so scheint es mir, hat mein Herz kapituliert; - hat es erkannt, dass ich keine Liebe mehr in mir trage. Ich meine diese richtige Liebe, die mit diesem innigen Wunsch zur Selbstaufgabe einhergeht. Nie wieder werde ich mich einen auserwählten Menschen als Opfer darbringen können. Als ein Opfer für eine gemeinsame Sache, die uns beide auf einen Thron hievt, auf dem wir uns wie Kaiser fühlen dürfen. Und seit jenem Tag, an dem die Kindfrau mir bedeutete, dass sie nichts für mich fühlt. Seit diesem Tag starb die Liebe in mir schließlich auch ganz bewusst. Und unaufhaltsam vereinsamte ich über diesen Verlust der Liebe. Eine Vereinsamung mit unendlich vielen Schluchten und bizarren Ventilfunktionen. Seither stürzte ich mich gedanklich in abertausende Abgründe. Um zu fühlen, dass ich noch lebe. Denn wer nicht mehr lieben kann, dem mangelt es auch an Lebendigkeit. Und diese Lebendigkeit holt er sich, indem er sich z.B. ständig in neue Abgründe stürzt. Ja, irgendwann habe ich für mich beschlossen, dass die Liebe mir nicht gut tut …. Doch heute, emotional verkümmert, spüre ich mehr denn je, dass mir ein Leben ohne Liebe sinnlos erscheint, sodass mir langsam aber sicher sämtliche Argumente für den Fortbestand meiner Existenz ausgehen. Doch halt! Es gibt da ein Argument, welches ein Gefühl der Hoffnung in mir flutet. Wenn ich doch meinen Sohn lieben kann, mit diesem innigen Wunsch zur Selbstaufgabe. Ja, wenn ich ihn doch so sehr lieben kann, dass ich mich stellvertretend für ihn, als Opfer darbringen würde, damit er weiterleben könnte! Und wenn ich doch von meinem Sohn nichts weiter erwarte, als ihn einfach lieben zu dürfen. Und zwar, so wie er ist, wie er sein wird - und wie er sein will! Ja, wenn dem so ist, besteht denn dann nicht doch noch Grund zur Hoffnung, dass sich irgendwann doch noch einmal ddie Tür in meinem Herzen für die Liebe öffnet? Liebe allwissende Existenz, lass dir bitte noch ein wenig Zeit mit mir. Wenn es um die Liebe geht, haben wir da nicht alle endlos viele Chancen verdient? Und kann überhaupt jemals ein Wort der Liebe verloren gehen; - selbst dann, wenn es nur geflüstert wurde? © © Arne Pahlke, Januar 2004 |
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