Ivonne

Arne Pahlke,  Januar 2009

Ich erinnere mich gerne an jene Selbstverständlichkeit, mit der du mich auf das Sofa gedrückt hast, nur wenige Augenblicke nachdem ich dir die Wohnungstür geöffnet habe und wir uns erstmals in die Augen sahen. Es sollte ein Abend und eine Nacht eines sich gegenseitigen wärmenden und nährenden Schweigens werden.

Wir hatten uns fast nichts zu sagen, weil wir uns etwas geben konnten, dass jedes Wort zum Aussätzigen degradiert.

Wir schenkten einander zehn Stunden Seligkeit. Wir vermengten unsere zwei mal sechshundert Minuten Wohlgefühl und berauschten uns an diesen zusammengeworfenen siebentausendzweihundert Sekunden Lebendigkeit. Wir waren wie eine Einheit auf Zeit, die sich der Flüchtigkeit der Zeit zum Glück nicht bewusst war.  Wir waren ein glückliches Menschenpaar; geborgen im Angesicht des Gegenübers.

Ich wärmte mich an deiner Sehnsucht und schluckte sie in mein Kehlengrund mitsamt deinem lieblichen Schaum. Und ich war kaum dazu imstande meine Augen zu öffnen. Zu vollkommen schienen mir jene Bilder von dir, die ich im entzückten Blindflug vor mir sah, während ich dich zart ertastete und ausgehungert inhalierte.

 

Foto von klaas hartz (pixelio)

 

Und kein intriganter Begattungsakt, der unserem anhaltenden Hochgefühl in die Quere kam. Wir waren lediglich zwei nymphomane Seelen im Sinne einer innigen und fast schon metaphysischen gegenseitigen Hingezogenheit. Wir waren zu allem bereit. Und damit waren wir nicht dazu bereit, uns profan und  peripher zu vergießen.

Du hast mich so sehr beschenkt in dieser Nacht; - so sehr, dass ich mich nur leise an diese Nacht zurückerinnern muss, um mich mit Wärme zu fluten.

Wir beide konnten harmonisch  in einer ganz besonderen Sprache kommunizieren; - nämlich in der Sprache einer uns berauschenden Sprachlosigkeit. Doch irgendwann holte uns die Zeit schließlich ein, nach zehn Stunden vereint erlebter Ewigkeit.

Liebe Ivonne, solltest du jemals wieder dieser vielen verlustreichen Worte überdrüssig sein, die wir Menschen uns gegenseitig wieder und wieder antun, nur um uns dadurch am Ende immer weiter voneinander zu entfernen, dann sollst du wissen, dass es jemanden gibt, der sich mitsamt seinem Schweigen immer wieder von dir auf sein Sofa drücken lässt. 

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Maria_Takaro, 15. März 2010 - so schön - wunderschön - ich schmelze dahin

Stipp, 23 Oktober 2010 - gelesen, nachempfunden, nachgesehnt ..aber es bleibt die Sehnsucht nach einem solchen Erlebnis den Kontakt nicht auf ewig zu verlieren. ..Und wenn Jahre dazwischen sind, - gemeinsame Nachgedanken. ..Aber - man verliert sich - und bleibt mit seiner Vergangenheit retrospektiv.

Wortmutation: Es war eine balsamische Nacht und ich bin froh, dass ich meine Erinnerungen an diese Stunden aufgeschrieben habe, sodass sie nicht restlos von der Zeit geschluckt werden. 

® sämtliche Textrechte liegen bei Arne Pahlke/Wortmutation