Kaffeekanne in Gefangenschaft  Arne Pahlke 1998

 

Eine Kaffeekanne

lag unter einer Edeltanne

in Grunewald bei Berlin.

Und dort lag sie vierzehn

lange Jahre lang,

ehe man sie fand.

Sie wurde gesäubert

und geflickt,

und stand dann gewienert

im Kerzenlicht.

Sie wurde ein Schmuckstück,

ein Edelporzellan.

Und alle waren sie angetan.

Kaffeekanne in Gefangenschaft

Das Unglück

nur, so sprach man

leise dann und wann

(und nur hinter vorgehaltner Hand),

dass die alte Dame,

die die Kanne fand,

wenig von der Kunst des

Kaffeekochens verstand.

Man ertrug ihre Brühe selten pur.

Meist nur

mit reichlich süßer Sahne.

Doch niemand hat’s gewittert!

Schuld war nicht etwa die alte Dame.

Nein, die Kanne ward in Gefangenschaft verbittert.

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