Keine Probleme

 

Ich verlagere Teile meiner Körpermasse

dünnflüssig in die Kanalisation.

Räuberische Alpträume

blenden sich neuerdings bereits am helllichten Tag ein.

Wahrscheinlich,

weil sie die bandwurmlangen Warteschlangen satt haben.

Viele Menschen behaupten ja,

sie ertrinken in ihren Problemen:

Herzlich willkommen, sag ich da nur. Ich bin der Ozean!

Kein Griesgram! Ich bin kein Griesgram! Ich resigniere nicht!

Es gibt nichts, was ich lieber täte,

als mich aus meiner beklemmenden Lage auszulagern.

Es gibt allerdings auch nichts,

was ich weniger wüsste, als wie das. ..

...wie das anstellen?

Wie soll ich die Handschellen von meinen geschundenen Gelenken streifen?

 

Keine Probleme

 

Doch ich bin weder manisch, noch panisch, noch depressiv!

Und ich bin überhaupt kein Schwarzmaler ...

... oder vielmehr, nicht mehr!

Das Leben walzte mich nieder, es hat mich gefühlsgeplättet.

Meine Dendriten halten es ja nicht einmal mehr für nötig,

sich über eine mittlere Katastrophe aufzuregen.

Geschweige denn, sie zur Registratur weiterzuleiten.

Das Geschehen der Außenwelt lässt mich zunehmend kalt.

Und mein Inneres schließt mich mehr und mehr von sich aus.

Ich bin, um es mit einem Wort zu sagen, kontrastarm geworden

und versprühe, wenn überhaupt, nur noch Deckweiß.

Fünf vor zwölf ist Jahre her; - aber was macht das schon?

Ich hab’ Zeit! Und die ist nicht einmal kostbar.

Man bot mir in der Regel zwischen 9 Mark dreißig

und 14 Mark fünfundsiebzig die Stunde.

Ein bittrer Ausgleich für meine Wenigkeit; - 

meine überschuldete Persönlichkeit.

So habe ich mich endgültig fürs Nichtstun entschieden

und meinem verletzten Stolz schwillt seitdem der Hungerbauch.

Er kugelt sich und schiebt seinen Nabel anklagend vor sich her.

Da schau her! Wie ein ungestülptes Knopfloch für den Schleudersitz.

Oh ja, mich macht vieles wütend

und mich macht noch mehr unhaltbar aggressiv.

Doch am meisten macht mir Angst,

dass mich fast alles kalt lässt!    © Arne Pahlke, Dezember 1995

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