Klaus & Gertfriede - trivialer Ehekrach

Arne Pahlke, Sommer 1989

 

Der übervolle Suppenteller

zischt viel schneller,

als die henkellose Tasse

flugs vorbei an meiner Körpermasse.

Klirrend zerschellt er an der Wand,

direkt neben dem teuren Mahagonischrank.

Doch leider verfehlt die Untertasse,

meine Ehefrau, diese Schabracke.

Oh, diese aufgeblähte Speckdrecksau.

 

Doch dafür schlägt  die Henkellose,

direkt auf meine Anzugshose

und verwundet mir mein rechtes Knie.

Und ich denke still: Du linkes Vieh!

und balle meine Mannesfaust.

Und sie schreit hysterisch; - will aus dem Haus.

Dröhnt bebend: Du mieses Schwein,

bist spindeldürr und hundsgemein.

Und außerdem und sowieso

wäre sie erst richtig wonneroh

mich am Boden zerstört zu sehen.

 

Sie will von mir befreit alleine gehen!

Sie wünscht sich einen neuen Mann,

der mehr hat und auch mehr kann.

Denn ich war und bin nichts Wahres.

Bring’ es nicht; - nicht mal Bares.

Sei impotent und verklemmt.

Ein Laberhans und wesensfremd.

Ein armer Tropf, ein Trauerkranz.

Ein klarer Fall für die Ambulanz.

Und ständig markiere ich ein großes Maul.

Ich tauge zu nichts und wär’ stinkfaul.

Und es widert sie an, meine dumme Fratze.

Zum Lachen zwingt sie meine Glatze.

Einfach alles an mir, nerve sie.

Und geliebt, das hätte sie mich ohnehin nie.

Copyright Arne Pahlke

O, wie ich nach ihrem Kollaps koche.

Ich springe hoch aus meiner Deckungshocke

und fauch’ das undankbare Luder an

und mutiere dabei zu einem Tyrann:

Du verhurte Drecksau,

kriech’ zurück in deinen Speckbau!

Du bist schwitzend und klein

und grunzt wie ein Schwein.

Und dann deine Hängetitten,

die ständig wabbelnd wippen.

Es überfällt mich das große Kotzen,

beim Anblick deiner Mutantenpropfen.

Und dann dieses Dilemma im Bett.

Du liegst unter mir wie ein Brett.

Du gibst dich ständig nur geniert

und in Gesellschaft affektiert.

O, schauerlich ist dein Gestöhn’.

Dein Geächze klingt wie’n Föhn,

der dort liegt und gelangweilt piept.

Ach, und außerdem und sowieso

wäre ich erst wieder wonnefroh

würde ich dich an die Hölle verlieren.

Ach, würdest du doch nur krepieren!

 

Jetzt zirkle ich die bereits erwähnte Tasse,

ihr entgegen, weil ich sie hasse.

Und treffe mitten in ihr Glotzgesicht.

Und die Henkellose, sie zerbricht.

Da schreit die Sau doch quiekend auf,

beginnt zu taumeln, Blut spritzt auf

und rinnt ihr übers Dreifachkinn.

 

Ich geschockt, renn’ zu ihr hin.

Drück sie an mich, Arm in Arm.

Dabei wird mir wohlig warm.

Fahr’ ihr sanft durchs graue Haar.

Und plötzlich wird mir sprunghaft klar:

Wie sehr ich sie doch liebe, meine Gertfriede.

Und sie flüstert ganz sanft: Ich lieb' dich auch

und tätschelt zärtlich über meinen Hängebauch.

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