Komm ich ins Fernsehen?

Arne Pahlke, Februar 2007

 

Komm‘ ich ins Fernsehen,

wenn ich ihnen zeige, dass ich unter Fresssucht leide;

ich den Zuschauern meinen Fettbauch zeige?

Wenn ich gestehe, dass ich Analphabetin bin,

ein Hartz-4-Fall und eine Bittstellerin?

Wenn ich offen zugebe, degeneriert zu sein;

eine Straßenschwalbe ohne Gewerbeschein?

 

Komm‘ ich ins Fernsehen,

wenn ich mehrfach vergewaltigt wurde?

Wenn ich ihnen sage, dass mich so’n dreckiger Kurde

zusammen mit seinen stinkenden Schwägern geschwängert hat?

Komm‘ ich in die Glotze, wenn man mir dies angetan hat?

Komm ich rein,  wenn ich deswegen alle Kurden hasse;

wenn ich mir vor laufender Kamera mein Kind abreiben lasse?

 

 

Komm‘ ich ins Fernsehen,

wenn mein Papa mich als Kind befummelt hat?

Komm ich rein, wenn ich nur mit einem Lorbeerblatt

bekleidet auf eine Talkshowbühne trete

und dort live für den Satan bete?

 

Komm ich ins Fernsehen,

wenn ich mir meine Titten fetter mache;

wenn ich peinlich berührt über mich selbst lache?

Wenn ich mir besoffen in die Hosen kacke?

Wenn ich meine Kinder ins Heim stecke

oder vor aller Leute Augen verrecke?

 

So sag mir doch, wann komme ich denn endlich ins Fernsehen?

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