Kranke Kunst versus kranke Welt

Arne Pahlke, März 2009

 

Hach, ich werde ja immer wieder von Menschen gefragt, warum ich eigentlich so viele böse und so unsagbar kranke Texte schreibe.

Diese Frage verwundert mich immer wieder. Aber noch weitaus eher macht sie mich wütend und lässt mich enttäuscht zurück. Enttäuscht von der Spezies Mensch. Enttäuscht von solch unbedachten  Fragen. Denn ich schreibe doch keine bösen und kranken Texte – ich reflektiere lediglich die böse und kranke Wirklichkeit.

Und wie hätten Sie es denn gerne, meine sehr verehrten Damen und Herren?

Hätten Sie lieber etwas Seichtes, etwas Wohltemperiertes?

Wünschen Sie sich eher etwas, was Ihnen nicht so wehtut? 

Vielleicht eine Prise Dschingelrasselbumm mit einem Spritzer „Keine-Panik-auf-der-Titanic?“  Oder vielleicht ein bisschen Traumdoofhochzeit für gehirnamputierte Spastiker oder eine musikalische „Tätschel-Soap“ für Wachkomapatienten? 

Hach, ist Ihnen eher nach Harmonie zumute? Nach einem Künstler, der stets darum bemüht ist ausgleichende und balsamische Worte zu finden?

Fahnden Sie nach einem Ihnen Mut zu fächernden Lyriker, der für sie unentwegt in der Scheiße wühlt, für sie in die Güllegrube Mensch  taucht – nur um die Scheiße optisch wie geschmacklich in Sahnestückchen zu verwandeln, damit Sie sich auch weiterhin so ekelerregend gut fühlen dürfen?

Ist es das, was Sie sich wünschen?

 

 

 

Tja,  ich tue dann wohl doch eher weh – bin anstrengend und polarisierend und stecke meine verschissenen Finger in offene Wunden und kredenze anstatt weichgespülte verfickte Kuscheleinlagen lieber die stinkenden Innereien des Menschseins.

Und wem das nicht gefällt, der kann ja jederzeit ab- oder umschalten. Für mich aber ist und bleibt die Welt oder vielmehr die Menschheit ein Moloch. Und somit sehe ich mich als Kriegsberichterstatter. Und was ich ihnen serviere ist das Schlachtfeld – die Krankheit Mensch.

 

Kranke Kunst ist niemals so krank wie die Welt.

Sie zieht doch nur gegen die kranke Welt ins Feld.

Kranke Kreative sind der kranken Welt Fabrikat.

Kreativer Wahnsinn gegen ein wahnsinniges Syndikat.

 

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