Kranker Sadomasochismus

Arne Pahlke, Januar 2010

 

Hiermit gestehe ich, dass ich mich viel lieber irgendwelchen wunderbar kranken sadomasochistisch  gegerbten Phantasien hingebe, als dass ich mich an diesem widerlich-weichgespülten „Subbie–hol-Top-das-Stöckchen-Teletubby-SM“ aufgeile.

Ja,  ehrlich gesagt, empfinde ich diesen zwanghaft einvernehmlich ausgelebten Sadomasochismus,  der laut des diagnostischen und statistischen Handbuchs psychischer Störungen nicht mehr als krankhaft gilt, als quälend öden Arrangiersex für sexuell eben doch gestörte und kranke Biedermänner und Biederfrauen.

In Hamburg triffst du diese Spezies z.B. gehäuft in Einrichtungen wie Cafe Sittsam.  So wie der Name dieses Cafés, so oft auch der SM, den sie leben – nämlich gesitteter scheißöder Arrangiersex für Menschen, denen beim normalen Blase-Ficke-Sex keiner abgeht.  

Uschi, bist du nächste Woche auch wieder beim netten Rohrstock-Stammtisch dabei? Wenn ja, bringe bitte deinen Ehesklaven mit. Und vielleicht traut er sich  ja mit Sklavenhalsband aufzutauchen?“

Hahaha …das wird bestimmt wieder total komisch. Vor allem wenn Papa Knuth auch wieder mit von der Partie ist. Hierzu sollte man wissen, dass fast jeder SM-Stammtisch seinen eigenen Papa Knuth hat. Und so ein SM-Stammtisch-Papa-Knuth ist in der Regel ein fettleibiger und meist nur kurzweilig zu ertragender Biedermann-Dominus-Teddy. Und sehr häufig unterscheiden sich SM-Stammtische kaum bis gar nicht von einem Stammtisch in einer dieser primitiven Eckkneipen. Und somit empfände ich persönlich die Teilnahme an einem Selbsthilfegruppentreffen für Impotente bei weitem antörnender. Allein schon deshalb, weil die dort vorgetragenen Leidensgeschichten lustvolle Phantasien in mir auslösen könnten.

Aber das ist doch krank? Ja, das ist es! Zum Glück ist es das! Ich will mit dem vermeintlich gesunden Sadomasochistenpack nicht in eine Schublade gesteckt werden! Deshalb gestand ich bereits im Eingangssatz, dass ich kranke SM-Phantasien vorziehe.

Wahr ist aber auch, dass die meisten „Biedermänner-und-Biederfrauen-SMler“ –ebenso wie ich – abgrundtief kranke Phantasien in sich tragen. Doch am Ende praktizieren  sie wieder und wieder ihren verfickt gesitteten scheißöden Arrangiersex und fühlen sich dabei oft sogar noch wie sexuelle Rebellen. Ich habe diesen Biedermann-Sadomasochismus bis zum Koterbrechen durchexerziert.

 

foto by jersey slut
angedeutet gefesselte Frau

 

Oh, wie viele Sklaven und Sklavinnen habe ich bereits einvernehmlich gefesselt – oder sollte ich schreiben, fesseln müssen? Und wie vielen Frauen und Männern habe ich bereits einvernehmlich den Arsch versohlt? Ich weiß es nicht mehr.

„Ach, du warst aber ein böses Mädchen? Du weißt, was das bedeutet? Komm her, zum Onkel/Papa/Herrn/Sir/Top!“ Und sodann setzte es eine Tracht Prügel.

Zofe Gabi mochte es am liebsten mit einem Tischtennisschläger. Und sie ersehnte sich von mir stets zehn auf die rechte und danach zehn auf die linke Arschbacke. Anschließend wollte das böse Mädchen standardmäßig abgefickt werden.  Und Benny war mein ungehorsamer Schüler.  Er war stets erst dann zufrieden, wenn sein Arsch blutrot geschlagen war und ihm während der Dresche fließbandmäßig als furchtbar bösen Jungen ausschimpfte.

Bäähh, wie langweilig!

Worin besteht beim arrangieren Rollenspiel-Kasplere-SM eigentlich der große Unterscheid zu einer dieser öden Ficki-Ficki-Nummern? Ob ich eine Frau nun erst einvernehmlich übers Knie lege und sie danach ficke, oder ob sie mir erst meinen Schwanz bläst und ich sie dann ficke. Beides ist doch am Ende banaler Sex. Und somit entscheide ich mich für Tor 2, weil es dahinter für mich weitaus weniger anstrengend zugeht.

Wenn ich mich heute durch Profile von SM-Anhängern klicke, dann sehne ich mich sehr oft sehr schnell nach diesem ordinären Blase-Ficke-Sex. Zwar ist dieser Sex auf Dauer ziemlich öde, aber eben nicht annähernd so kompliziert. Und was  BDSMler sich in ihren Profiltexten nicht so alles wünschen. Zum Brüllen komisch. Lauter krause Biedermann-Biederfrau-Phantasien – oft notdürftig aufgesetzt auf diese pseudogesunde einvernehmliche Schiene.

Ich suche harten Meister, der mich kompromisslos zu seiner bedingungslosen Hure erzieht. Ich habe keine Tabus! 

Und hinter solchen plakativen Textzeilen verbirgt sich dann in der Regel irgendein Angsthäschen, das sich noch nicht einmal anzurufen traut, wenn man ihr eine Telefonnummer gibt. Und dies ist in den allermeisten Fällen auch besser so, da es am Ende ohnehin auf eine dieser langweiligen arrangierten  SM-Sessions  hinauslaufen würde, in der man dieser Sklavenhure letztlich alles recht machen müsste.

Dabei habe ich hin und wieder z.B. einfach nur ganz große Lust eine Frau zu ohrfeigen, bis sie losflennt und ihr der Rotz übers Gesicht läuft. Und in meinen Phantasien bin ich selten an einvernehmlich ausgearbeiteten Drehbüchern interessiert. In meinen Phantasien interessiert mich meist allein die Befriedigung meiner Lust.

Da ich aber entgegen weit verbreiteter Vermutungen kein unberechenbarer Psychopath bin, habe ich mich bislang immer an Absprachen gehalten und werde dies auch in Zukunft tun. All meine Sklaven und Sklavinnen bekamen stets das, was sie sich von mir erflehten. Ich habe sie als ihr Dominus bedient und ich habe ihnen sexuelle Erfüllung gebracht. Und somit lief es fast immer auf Biedermann-SM hinaus ...  und nur selten auf eine Begegnung, in der wirklich Grenzen überschritten wurden.

Wer kennt ihn nicht, den „freundlichen“ Josef Fritzl, der seine Tochter und später auch ihre Kinder 19 Jahre lang in einem Keller gefangen hielt und sich während all dieser Jahre unzählige Male an seiner Tochter vergangen hat. Ja, natürlich war dies eine grauenvolle und moralisch zutiefst verwerfliche Tat. Aber mich würde in diesem Zusammenhang dennoch brennend interessieren, wie viele Männer wohl ebenfalls gerne  eine Frau (es muss ja nicht gleich die eigene minderjährige Tochter sein) in ihrem Keller halten würden, über die sie dann - wie es ihnen beliebt  - sexuell verfügen könnten?

Also, ich hätte nix gegen eine solche Frau im Keller einzuwenden. 

Sollte also irgendeine Frau, die diesen kranken Scheiß hier gelesen hat, als meine „einvernehmliche“  Sex-Sklavin in meinem Keller leben wollen, so darf sie sich gerne bei mir melden.

Vielleicht könnte ich mich dann ja doch nochmal für eine BDSM-Beziehung begeistern. Doch bis dahin ziehe ich  vor mir ganz normale Fickschlampen zu suchen... oder aber mir  nach einer meiner wunderbar kranken sadomasochistisch  gegerbten Phantasien die Latte zu wedeln - so ganz ohne Stoppwort. Herrrrrrrrlich!

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Morgaine, 11 September 2010  - Zunächst habe ich mal schallend gelacht. "Rohrstockstammtisch" - hoffentlich bekomme ich die "kranken" Bilder, die dabei in meinem Hirn ablaufen, wieder gelöscht! :D Mir fällt dazu auch "Biedermann und die Brandstifter" ein. Muss ich nicht viel zu sagen, du bist ja "belesen". Was nun "normal", "krank" oder "Tabu" ist - das bestimmen letztendlich "wir". Ich finde es immer sehr einfach, sich mit "gesellschaftlichen Normen" raus zu reden. Die Gesellschaft sind WIR! Alle Normalos, Krankies und sonstige Querelos unter einem Dach. Ist doch super demokratisch, oder??? ;-) Ich wage mich mal aus dem Fenster zu hängen und behaupte, Frauen sind genauso "krank" wie Männer. Sie kommunizieren das nur nicht unbedingt so offen, wie du das hier in diesem Blog tust. Jaja, auch wieder so ein erziehungstechnisches, Gesellschaftsmonsterdingsbums...? Nun, ich hab mir nicht ausgesucht, als Frau auf die Welt zu kommen, ebenso wenig, wie du die Chance hattest, nicht als Mann in Erscheinung zu treten. Mann/Frau kann sich auch viele Dinge "krank" reden lassen. Obwohl ich eher positiv versuche, durchs Leben zu existieren, kann ich mich einer gesunden (na, für mich vielleicht) Portion Skepsis (Sarkasmus?) nicht verschließen. Gedanken sind frei...Ich geh mal davon aus, dass du mit "Fickschlampen" sowohl weibliche wie männliche meinst. Es gibt nämlich definitiv beide. Und das hat nichts mit Emanzipation zu tun. (Ach, Alice, du hättest besser öfter mal dein Maul gehalten). Tja, für deinen Keller tauge ich leider nicht, aber ich würde mich gerne mal einen Tag in dein Gehirn einsperren lassen. Oh the possibilities! Umgekehrtes Angebot gerne auch an dich - obwohl...dann könntest du wirklich "krank" werden...Zum Schluss ein Tip: Lies mal ne Biographie über Salvador Dalí. ;-)

Wortmutation: Oh ja, Schlampen lassen sich definitiv bei beiden Geschlechtern finden. Ich bin in meinem Leben sogar weitaus mehr männlichen als weiblichen Fickschlampen begegnet. Allerdings bin ich auch kein ganz „normaler“ Mann.  Ich denke, einen Tag in einem fremden Gehirn eingesperrt zu sein, würde immer einem Horrorszenario gleichkommen; - ganz gleich, in wessen Hirn man landet.  Mir würde es schon reichen, einen Tag lang im Körper einer Frau zu stecken – als der Arne, der ich bin, aber mit dem Körper/Hormonhaushalt etc. einer Frau. Ich hatte diesbezüglich sogar mal einen Selbstversuch (wochenlange Einnahme von Hormonpräparaten) geplant, um zu beobachten, ob und wenn ja – in wiefern, sich meine Art zu denken und  zu handeln ändert.  Aber dabei wäre ja auch nur so ein kranker sadomasochistischer Akt herausgekommen. :-) Danke für den Buchtipp - das könnte tatsächlich eine interessante Lektüre für mich sein!

IIda_Lane, 21 April 2012 - ich habe einige Fragen an den Autoren. Zuerst einmal versuche ich das Prinzip des sogenannten Sadomasochismus zu verstehen, also diese Form von Sexualität, denn in Sachen Sexualität bin ich nicht sonderlich bewandert ;-) so, wie Sie diesen Akt beschreiben, scheint der tatsächliche Herr der "Unterwerfende" zu sein, dem jegliche Wünsche durch die Taten des "Dominanten" erfüllt werden. Ein wahres Unterwerfen/Demütigen/Beherrschen bleibt somit aus. Ist es also so, dass Sie eine Person herbeisehnen, die sich Ihnen hingibt, jedoch mit einem Widerwillen gegenüber Ihren Handlungen? Sie verwenden den Begriff "Fickschlampe". Ist das eine Abwertung Ihren sexuellen Bekanntschaften? Entschuldigen Sie meine eventuell penetrant anmutende Neugierde. Ich möchte keineswegs provokant/aufdringlich erscheinen. Ihre Texte schlagen mich allgemein in einen Bann und werfen zu Ihrer Person viele Fragen auf. Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen.

Wortmutation: Hallo Ida. Meine Antwort kann hier nur äußerst beschränkt ausfallen, da diese Materie einfach viel zu komplex ist, um sie in einigen Sätzen abhandeln zu können. Was ich in diesem „sticheligem“ Text als kranken Sadomasochismus bezeichne, ist natürlich die gesunde Form des Sadomasochismus, bei der alles, was erwachsene Menschen mit anderen Menschen tun bzw. ihnen antun bzw. sich selbst antun lassen, auf Freiwilligkeit beruht. Da Sie bereits einen Kommentar zu einem Serienkillerprofil geschrieben haben, wähle ich für Sie folgende Veranschaulichung: Wenn ein Sexualverbrecher sich ein Opfer sucht, um seine (meist sexuell abartigen) Phantasien mit und an ihm auszuleben, setzt er sich über das Selbstbestimmungsrecht eines Menschen bewusst hinweg. Die Person, die er in seine Gewalt bringt, ist nicht an sexuellen Handlungen mit ihm interessiert; - was viele dieser Täter aber zusätzlich zu ihren Taten motiviert. Beim „gesund praktiziertem“ BDSM spielen Elemente wie Macht & Ohnmacht, Gewalt & Schmerz, Angst & Abwertung ebenfalls eine große Rolle. Allerdings mit dem gewaltigem Unterschied, dass die Beteiligten lediglich eine vorübergehende Rolle einnehmen, aus der sie in aller Regel jederzeit und unbeschadet – und mit Glück - (sexuell) tief befriedigt – herausgehen. Die Opfer sind freiwillig Opfer, die  sich in eine Opferrolle hineinsehnen. Und auch, wenn ihre Phantasien oft durchaus als krank zu bezeichnen sind (etwa im Sinne von abnormal, pervers, parahpil), suchen sie für sich einen gesunden Weg, um diese auszuleben. Und dies tun sie, indem sie sich einen Menschen suchen, der den Gegenpart zu ihren Phantasien bildet. Und dabei begeben sich die passiv/devoten Personen  oft viel aktiver auf die Suche nach Erfüllung ihrer sexuellen Phantasien, als es die aktiv/dominanten Parts tun. Viele bieten sich oft regelrecht als Opfer an und betteln geradezu darum, unterworfen/benutzt/gequält etc zu werden, was auf ein Opfer eines Sexualstraftäters nicht zutrifft. Es gibt z.B. sehr viele Frauen mit Vergewaltigungsphantasien, die diese in einer vertrauensvollen BDSM-Verbindung ausleben wollen. Oder betrachten wir Rollenspiele, in denen man Dinge, die unter normalen Umständen verboten sind, dadurch legalisiert, in dem man diese im privaten geschützten Rahmen und auf freiwilliger Basis aller Beteiligten durchführt. Wenn ich eine erwachsene Frau z.B. auf offener Straße beschimpfen und anspucken würde, wäre dies bereits eine Straftat. Tue ich dies aber, weil sie es sich von mir wünscht und erbittet, geht es in Ordnung.  Die eine Person  will beherrscht/gedemütigt und unterworfen werden und die andere will beherrschen/demütigen und unterwerfen. Und so entwickeln die Beiden Szenarien (z.B. in Rollenspielen), die ihnen Befriedigung verschaffen können. Und wenn ich in diesem Text nun den gesunden BDSM etwas süffisant und abwertend als kranken Sadomasochismus hingestellt habe; - dann meinte ich damit, dass meine persönlichen Auffassung darüber,  wie ich meine teils abgründigen, teils pervers-paraphilen sexuellen Phantasien ausleben möchte, sich eben oft nicht mit den decken, was viele Sadomasochisten unter erfüllenden BDSM verstehen. Dieser „Biedermann-SM“ ist mir persönlich zu profan – zu wenig subtil und nicht abgründig und umfassend genug. Für mich fängt ein Rollenspiel z.B. erst dann an wirklich erfüllend zu sein, wenn man sich in seiner Rolle verliert, wenn man meint, Täter/Oper (im sexuellen Konsens z.B. Herr/Sklavin)  nicht mehr bloß zu spielen, sondern es zu sein. Dabei können dann in mir Emotionen losgelöst werden, die weit über das hinausgehen, als das, was ich z.B. in einer 60-minütigen-Popoklatsch-Session fühlen könnte. Ich wurde aber auch schon im Knabenalter sexuell auf eine Weise geprägt, die mich halt von vielen Menschen unterscheidet. Meine ersten „SM-Erlebnisse“ hatte ich z.B. bereits als Dreizehnjähriger – damals in der Rolle des Sklaven - und ich erlebte in dieser Rolle die bis dato erfüllendsten Momente meines Lebens. Folgender Text berichtet davon, wenn auch aus rechtlichen Gründen auf eine sehr zurückgenommene Weise: Roots

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