Lebens- und Liebesbegegnungen für jedermann

Arne Pahlke, März 2007

 

So viele Sonnenaufgänge habe ich bereits verschwendend übersehen. So viele geburtsrunde Monde hinter Mauer und Stein versetzt. Und ich weiß wirklich nicht, welches Ekzem in meinem Ausblendegemüt dafür verantwortlich ist,  dass ich zum Vorgaukler vor mir selbst verroht bin. Ich tue ja gerade so,  als hätte ich noch Millionen Vollmonde auf meiner Rücklagebank.

Wer in dieser Angelegenheit genauso vermessen und verschwenderisch ist, wie ich es bin  - und dies sind beileibe nicht wenige; dem könnte es am Ende genauso ergehen, wie einem prächtigen Sonnenaufgang, der trotz seiner Einmaligkeit niemals stattgefunden hat, da ihm keine Menschenseele zusah, als er pulsierend gen Himmel zog.

Doch nicht nur die Sonne, die Bäume, jede einzelne Blume werben um unsere Beachtung. Jede Faser eines Grashalms und selbst ein flüchtiger Windzug; sie alle wollen gesehen und wahrgenommen werden, ebenso wie wir Menschen gesehen und wahrgenommen werden wollen.

 

Foto by  Benjamin Gimmel BenHur
Das Leben ist da, um beachtet und geliebt zu werden

 

Und es gäbe auch keinen Grund, warum wir unsere Wärme und die in uns wohnende Schönheit, unsere Duftnoten und Empfindungen ausstrahlen sollten, wenn nicht für ein Gegenüber, welches uns wahrnehmen und erleben will. Zu Leben heißt  - von jemandem erlebt werden. Und es (über)lebt sein Tod nur, wer zu Lebzeiten von jemandem beachtet und erlebt wurde.

Wer z.B. eine Nacht auf einer Wiese verbringt und dort seine Hände ins nasskühle Gras gräbt, um an die Halme des Grases seine wachen Träume zu heften, die ihm beim Anblick des Mondlichts erfüllten, der wird nicht unbeachtet von dieser Welt gehen; da jede Beachtung von Leben, wenn sie aus tiefstem Herzen kommt, stets eine Rückbetrachtung erntet. Denn in jedem Leben und Wirken steckt diese tiefe Sehnsucht; nämlich die Sehnsucht danach beachtet und geliebt zu werden und gleichermaßen Beachtung und Liebe aussenden zu dürfen.

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