Liebe (geschlagene) Ameisenarmee, Arne Pahlke, April 2008

 

dieser Brief wird eher ein Nachruf als ein Brief werden, da ich die verlustreiche Schlacht gegen Euch nach einem zähen Ringen letztlich für mich entschieden habe und viele von Euch in eben dieser Schlacht gefallen sind. Der sechsbeinige Ameisengott möge sich Eurer Seelen erbarmen.

Ich wurde von Euch überrumpelt und eingekesselt. Ihr ward eine Armee von Ameisen und habt mich schikaniert und gequält. Doch ich habe zurückgeschlagen. Ich habe Euer Verhalten studiert und Euch in Fallen gelockt. Ich habe Euch gefoltert, ermordet und die Überlebenden von Euch in die Flucht geschlagen. Ich habe den Krieg gewonnen!

Doch der Reihe nach:

Vor einigen Wochen schlief ich bei halbgeöffneter Balkontür, so wie ich es häufiger tue. An diesem Abend hatte ich in meinem Schlafzimmer  kurz vor dem Schlafengehen eine Scheibe Brot mit Honig gegessen. Vielmehr aß ich lediglich die Hälfte dieser Scheibe. Den Rest ließ ich auf dem Frühstücksteller liegen, der direkt neben meinem Bett stand. Gegen fünf Uhr in der Frühe erwachte ich und blickte verschlafen in Richtung der halbaufgegessenen Honigbrotscheibe.

Und was ich dort sah, ließ mich zusammenschrecken. Ungefähr einhundert Ameisen liefen wie von Sinnen um das Honigbrot herum. Und noch einmal dieselbe Zahl steckte ersoffen in der klebrigen Honigmasse. Mit einem Satz sprang ich aus meinem Bett und hechtete mit zwei großen Schritten aus dem Schlafzimmer.  Nach einem kurzen Schockmoment stellte ich mich aber der Armee der Ameisen. Und die Schlacht, die sich ungefähr über einen Monat hinziehen sollte, konnte beginnen:

Zunächst ging ich von einem einmaligen Besuch aus, der unmittelbar mit dem Honigbrot zusammenhing. Ich dachte: Honigbrot weg - Ameisen weg! Doch dem war leider nicht so. So fielen mir zunächst vereinzelt herumlaufende Ameisen auf, die ich noch leicht stellen und ins Nirwana schicken konnte. Doch aus vereinzelt auftretenden Ameisen erwuchsen größere Verbände und aus den größeren Verbänden erwuchs eine Armee.

 

 

Es dauerte weniger als eine Woche, bis die Ameisen mein Schlafzimmer in einen erweiterten Ameisenbau verwandelt hatten. Die Biester hatten sich unter den morschen Dielenboden angesiedelt und krochen nun aus diversen Ritzen in mein Schlafgemach. Inzwischen waren es einfach zu viele geworden, um ihnen einzeln nachzustellen, weshalb ich dazu überging sie mittels Glasreiniger zu besprühen. Nach einer solchen Dusche starben die Ameisen meist binnen weniger als einer Minute. Doch kaum hatte ich einen Trupp auf diese Weise exekutiert, tauchte an anderer Stelle bereits ein neuer Trupp auf. Wie es schien, verfügten sie über extrem gebärfreudige Königin.

An manchen Tagen tötete ich unaufhörlich irgendwo herumlaufende Ameisen, ohne dabei das Gefühl zu haben, dass sie weniger wurden. Im Gegenteil. Nach ungefähr zwei Wochen hatten die Ameisen auch meine Küche erobert. Durch meine Wohnung verliefen nun mehrere Ameisenstraßen und meine Anwesenheit schien die Viecher zunehmend mehr zu ignorieren.

Also unterzog ich meiner Wohnung einer aufwendigen Komplettreinigung. Doch es half nichts. Anschließend versuchte ich alle für Ameisen interessanten Nahrungsmittel und Getränke komplett zu entfernen oder aber unter Verschluss zu halten. Doch auch diese Maßnahme half nicht wirklich. Die Ameisen waren einfach überall. Sie zwängten (fraßen?) sich schließlich sogar durch die bereits leicht poröse Dichtung meiner Kühlschranktür. Es war ekelhaft. Die Hausbesetzer wollten meine Wohnung tatsächlich zu ihrem Reich machen. Doch da hatten sie sich das verkehrte Opfer ausgesucht!

Ich errichtete Barrieren aus Mehl und Backpulver. Ich ließ sie ein Honig-Hefe-Gemisch essen, woraufhin etliche von ihnen zerplatzten. Ich ertränkte sie in Zuckerwasser und verwandelte Mithilfe von gezogenen Kreidestrichen einige Wohnbereiche in Hochsicherheitszonen. Und überall dort, wo sie sich vorrangig aufhielten, insbesondere unter den Dielen im Schlafzimmer, folterte ich die geruchsempfindlichen Tiere schließlich mit Unmengen von Pfefferminz- und Lavendelöl.

Auf diese Weise zermürbte ich meine Gegner innerhalb zwei weiterer Wochen, bis die Armee entnervt aus meiner Wohnung abzog. Ich habe gewonnen!

Doch seit dieser Schlacht sind Honigbrote in meinem Schlafzimmer tabu!

Gruß Arne Pahlke

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Vik , 1 April 2012 - Na gratulation zum gewonnenen Krieg! Ich kämpf grad auch gegen so eine Armee, die sich ständig neue, meterlange Wege in meine Wohnung unterhalb des Bodens gräbt. Jeden morgen gibts eine Dusche aus Bremsenreiniger auf die Straßen und eine Tonne Ameisengift in die Ritzen. Mal sehen, wer nachgibt...

Wortmutation: Ich drück die Daumen! ;)

 

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