Liebe Androgyniewesen,

ich muss Euch etwas gestehen. Ich begehre Euch schon seit meiner frühen Kindheit. Also bereits seit jenem frühen Zeitabschnitt meines Lebens, in dem sich bei mir noch kein rein sexuelles Verlangen einquartiert hatte; - zumindest keines, welches mir als solches ins kindische Bewusstsein gedrungen wäre.

Ich kann Euch leider (… oder vielleicht sogar glücklicherweise, denn so bleibt meiner Begierde  ein Zauber erhalten …) keine bindende und erst recht keine alleingültige Antwort darüber abliefern, warum ich Euch dermaßen verfallen bin, dass ich immer und überall nach Euch Ausschau halten muss. Es erfasst mich geradezu ein Schauer, wenn ich eines von Euch entzückenden Wesen erspähe.

Was ich tun kann, dies ist, mit allerlei Vermutungen, Annahmen, Glauben und Irrglauben aufzuwarten, was meine Hingezogenheit zu Euch angeht. So meine ich mittlerweile zu wissen, dass meine Persönlichkeitsstruktur der eines Indigo Kindes gleicht. Und ein häufig anzutreffendes Wesensmerkmal dieser Menschenkinder ist es, dass es männliche und weibliche Aspekte in sich vereint. Und eben genau dies tue ich, seit ich ein kleiner Junge bin; - ein Junge,  in dem  ein kleines Mädchen lebte. Ich fühlte mich immer schon als Mann-Frau oder als Frau-Mann, ohne jemals ganz Frau sein zu wollen. Womöglich wünsche und Ersehene ich mir deshalb ein Wesen an meiner Seite, welches klar erkennbare androgyne innere und äußere Züge trägt.

Sicherlich mag es in den Ohren vieler Leser etwas verrückt oder sogar abnormal klingen, wenn ein Mann eine Frau begehrt, die äußere sowie innere männliche Merkmale aufweist, dabei aber unbedingt auch Frau sein und bleiben soll. Was ich suche, dies ist ja nicht das jeweils vollständig andere Geschlecht,  sondern ich begehre das Mischwesen. So liebe ich z.B. „Männer“ mit langen Haaren und weicher Haut, mit „Engelsstimmen“ und zarten, zerbrechlichen Gliedmaßen. Und selbstverständlich dürfte mein Traummann keinen Bart tragen. Überdies sollte er auf keinen Fall diese  typische männliche Brachialität ausstrahlen und müsste bei alledem dennoch  ein Mann sein. Demgegenüber gestellt begehre ich Frauen, die z.B. sehr kurze Haare oder gar eine Glatze tragen. Ich empfinde dies bei Frauen als hocherotisch, während  mich eine Glatze bei Männern in der Regel eher abstößt. Auch würde ich einer Frau weitaus eher einen Flaumbart zugestehen, als dass ich bei einem Mann Brustbehaarung sehen möchte.

Und es geht noch weiter mit meinen zerrissenen klingenden Widersprüchlichkeiten, die für mich selbst aber eine völlig übereinstimmende Sehnsucht darstellen. So empfinde ich eine Frau im Anzug und mit Krawatte oft  als schön. Einen Mann im Anzug und Krawatte empfinde ich hingegen meist als zu männlich. Und eine helle (nicht tuntige) Stimme ist mir bei Männern weitaus lieber als bei Frauen. Bei Frauen empfinde ich weiche Glockenstimmen hingegen eher als abstoßend und mag es, wenn diese lieber etwas burschikoser und maskuliner klingen.

Mein Traumpartner ist immer auch meine Traumpartnerin und umgekehrt.

 

Copyright 2006
Ich im Jahre 2006

 

Doch meine Vorliebe für Androgyniewesen bezieht sich tatsächlich vielmehr auf das Wesen, als auf den soeben beschriebenen äußeren Schein. Denn, ich würde eine langhaarige Frau natürlich trotz ihrer langen Haare und trotz ihrer hellen Stimme begehrenswert finden können. Wenn in ihr aber nicht auch ein Mann lebt und wirkt, dann würde sie für mich als dauerhafte Partner(in) wohl nicht in Frage kommen. Man könnte es wie folgt auf den Punkt zu bringen versuchen:

Ich mag maskuline Frauen und ich liebe feminine Männer. Allerdings ist dies viel zu einfach und oberflächlich zusammengefasst.

So liebe ich es, wenn eine Frau in ihrem ganzen Wesen männliche Züge erkennen lässt. Ebenso, wie ich eine augenscheinliche Verletzbarkeit eines zartgliedrigen Mannes liebe, den ich daraufhin in die Arme nehmen möchte, um ihn zu schützen, aber auch, um ihn zu dirigieren. Er ist dann für mich  nicht nur ein Mann sondern auch ein zartes Mädchen.

Ich liebe die Frau, die sich nicht vor rauer „männlicher“ Sprache erschreckt, die Dreck auf Seele und Haut liebt, die burschikos mit mir durchs Leben gehen kann und die nicht ständig mit Samthandschuhen angefasst werden muss. Ich liebe die Frau mit den kleinen Brüsten und dem strengen aber warmen Blick; - ich liebe Frauen mit Knabenärschen und so weiter und so fort. Ebenso, wie ich Männer liebe, die in vielerlei Hinsicht - und dies nicht nur sexuell - eher meine Freundin wären.

Als ich ungefähr zwanzig Jahre alt war, hatte ich eine Begegnung der besonderen Art. Ich wurde auf eine Party eingeladen. Die Schwester des Gastgebers war für mich von einer so unglaublichen, entzückenden Schönheit, dass es mir fast den Boden unter meinen Füßen weggezogen hatte. Doch wie seltsam. Alle anderen Jungmänner machten sich lustig über diese Frau, weil man selbst nach mehrmaligem Hinschauen seine Probleme damit hatte, ihr ein eindeutiges Geschlecht zuzuweisen.

Genau dies war meine optische Traumfrau – genau dies war mein optischer Traummann - das Androgyniewesen!

Leider habe ich dieses entzückende Mischwesen nie wieder gesehen. Und leider hatte ich in meinem bisherigen Leben nie das Glück mit einem Androgyniewesen eine Beziehung führen zu dürfen. Was ich aber zumindest erlebte, dies waren sexuelle Abenteuer mit einigen androgyn aussehenden Frauen und Männern.

Aber im Grunde genommen suche ich  viel mehr, als zwei oder drei optische Wesensmerkmale, an die ich mich klammern kann. Ich suche nach dieser übergeschlechtlichen Einheit – ich suche nach Dir –– dem stolzen  Androgyniewesen.

Ich weiß, nur Du könntest mir alles geben, was ich bräuchte; - nur Du könntest mich von meiner Hetero- und Bisexualität „kurieren“, da ich tatsächlich weder das eine noch das andere bin.

Ich will ganz einfach beide Geschlechter in nur einer Person. Ich suche nicht mehr aber eben auch nicht weniger, als ein Universalwesen für mich!

Einen lieben Gruß sendet der androgyne Pahlke        © Arne Pahlke 2005 (komplett überarbeitet im April 2010)

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