Ihr lieben Dicken, Arne Pahlke , März 2007

 

zunächst einmal sende ich Euch meine vom Herzen kommenden Glückwünsche zur genüsslich angefressenen absoluten Mehrheit. Nicht nur, dass Ihr in Deutschland endlich die 50 %-Marke geknackt habt und somit erstmals mehr als die Hälfte aller deutschen Frauen und Männer übergewichtig bis extrem fettleibig sind; auch weltweit gibt es nun endlich mehr übergewichtige und fette als unterernährte und dünne Menschen. Wenn diese üppige Bilanz kein Grund für ein weiteres Festmahl ist, dann weiß ich auch nicht.

Und nun Spaß beiseite! Selbstverständlich sollte uns diese Wirklichkeit nicht zur weiteren Völlerei animieren. Jeder Dicke,  der ehrlich gegenüber sich selbst ist, muss dem WHO recht geben, dass sich die zunehmende Verfettung der Menschheit zur schlimmsten Epidemie der Gegenwart auswächst. Und ein wichtiger Fakt in dieser Angelegenheit ist der, dass es längst nicht mehr nur die reichen Industrienationen sind, die Fettleibigkeit quasi am Fließband produzieren. Inzwischen sind z.B. auch etliche asiatische Länder vom Verfettungsbazillus befallen, da sie ihre eigene gesunde Ernährungskultur,  die schlanke bis sehr schlanke Menschen hervorbringt, zunehmend gegen eine fett- und krankmachende westliche (amerikanische) Fast-Food-Ernährungskultur eintauschen. Und selbst in vielen armen Ländern, in denen die absolute Mehrheit der Bevölkerung früher an geschmeidige Gazellen auf zwei Beinen erinnerte, läuft man nun immer häufiger zweibeinigen Elefanten oder Nilpferden über den Weg.

Sicherlich werden jetzt einige einwenden, dass es doch allemal besser sei, wenn unsere Welt mehr Dicke als Unterernährte trägt. Tatsächlich aber stehen wir hier zwei Problemen gegenüber, die BEIDE bekämpft gehören! Doch während die Unterernährung weltweit immer weiter zurückgedrängt wird, nimmt die Verfettung im gleichen Maße immer bedrohlichere Auswüchse an. Und während Menschen mit leichtem Untergewicht oft kaum bis gar keine gesundheitlichen Probleme haben, führt bereits leichtes Übergewicht weitaus häufiger zu Komplikationen.  Überdies sind „ein paar Pfunde zu viel“ oftmals der Startschuss in eine immer weiter zunehmende Verfettung.

Deshalb wäre es endlich an der Zeit, dass man neben Hilfsorganisationen wie: „Brot für die Welt“ ganz gegensätzliche und ebenfalls weltweit operierende Organisation ins Leben rufen würde, die dann z.B. „Eine fettreduzierte Menschheit“ oder „Weniger Fett für die Welt“ heißen könnten.

Es ist eine unumstößliche Tatsache, dass die sogenannten „wohlgenährten“ Menschen weder länger noch gesünder leben. Übergewicht macht nicht nur krank – sondern starkes Übergewicht ist für sich genommen bereits eine schreckliche Krankheit, die bekämpft werden muss.  Und diese Krankheit muss vor allem von jedem Fettleibigen selbst bekämpft werden!

 

verfettende Gesellschaft
Die Menschheit verfettet zusehends

 

Doch es wäre gewissenlos und wenig hilfreich, wenn man den Dicken dieser Welt die Alleinschuld an ihrem Übergewicht zuschiebt, obwohl es letztlich natürlich sie selbst sind, die ihren Körpern immerfort mehr Energie zuführen, als sie verbrauchen.

Ich vergleiche Fettleibige  mitunter mit Drogenabhängigen. So wie Drogenabhängige, sind auch sie süchtig nach einer Form von „selbstverordnetem Wohlgefühl“, welches sie sich, ohne dafür eine ausreichende oder überhaupt irgendeine Gegenleistung zu erbringen, wiederholt „injizieren“. Ein Gläschen Wein macht z.B. niemanden zum Alkoholiker, ebenso wie ein Stück Torte niemanden zum Fettsack bläht. Doch trinkt ein Mensch täglich sein Glas Wein oder isst er täglich sein Stück Torte und findet er daran dann so sehr Gefallen, dass er die Dosis erhöht.   Und unternimmt er gleichzeitig nichts, um dieser Spirale entgegenzuwirken, dann droht eben die Alkohol- oder Fettsucht.

Und das Dilemma der Dicken ist, dass die Ernährungsindustrie über die letzten Jahrzehnte immer mehr in die Rolle der Fett-Dealer geschlüpft ist. Ja, selbst die Masse ihrer Light- oder Diätprodukte tut vor allem eines, sie macht die Menschheit immer fetter und fetter! Und diese Verfettung wird von Verantwortlichen der Lebensmittelindustrie ganz bewusst lanciert oder aber zumindest billigend in Kauf genommen.

Wir leben in einer Zeit der versteckten Fette, der fettmachenden Geschmacksverstärker und  der künstlichen Aromen und Süßmacher. Und wir fressen und trinken Unmengen jener künstlichen Süßungsmittel, wie sie z.B. überaus erfolgreich in der Schweinezucht einsetzt werden, um den Heißhunger der Tiere zu fördern. Was erwarten wir (oder vor allem die Hersteller) also von dieser Art von Diätzusätzen und Austauschstoffen? 

Wir Menschen verlernen nicht nur zunehmend gesunde von ungesunden Speisen und Getränken zu unterscheiden, wir werden auch in einer immer schändlicheren Art und Weise von der Ernährungsindustrie hinters Licht geführt. Es gibt leider viel zu wenige Großhersteller von Lebensmitteln, die tatsächlich das produzieren, als was sie uns ihre Produkte schließlich verkaufen wollen, nämlich gesunde Lebensmittel, mit denen man sein Gewicht dauerhaft auf Schlankniveau halten kann.

Und somit komme ich abschließend noch einmal kurz zurück zum meinem hinkenden aber durchaus geeigneten Drogenvergleich: Zu Recht ist der Staat doch bei der Drogenbekämpfung hauptsächlich an der Verfolgung der Dealer interessiert. Der Konsument - und dies verhält sich bei Übergewichtigen nicht anders, ist doch vor allem Opfer seiner eigenen Schwäche und Umstände, die wiederum von den Dealern (in seinem Fall von Nahrungsmittelproduzenten) eiskalt ausgenutzt werden. Es nützt also nichts, wenn man ständig nur an die Willensstärke der Dicken appelliert, doch endlich ernsthaft abnehmen zu wollen, während man es gleichzeitig weiterhin zulässt, dass immer mehr ungesunder Fettfraß produziert wird; und dass dieser Fettfraß dann noch mit beschönigenden bis extrem heuchlerischen Falschaussagen beworben werden darf und  dabei ganz gezielt oft vor allem auf Kinder abgezielt wird, da ein einmal fettgestopftes Kind meist für ein Leben lang ein fetter und treuer Kunde bleibt

Also legt den Dealern endlich das Handwerk!

fettreduzierter Gruß

A. Pahlke

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