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Liebe Down-Syndrom-Kinder, Arne Pahlke, April 2008
auf Grund verbesserter Diagnosemöglichkeiten ist es heute möglich, das Down-Syndrom bereits in einem sehr frühen Stadium der Schwangerschaft zu erkennen. Und da die Häufigkeit von Down-Schwangerschaften ohnehin nur bei etwa 1:660 liegt und einer neueren statistischen Erhebung zufolge inzwischen 95 von 100 Down-Schwangerschaften vorzeitig abgebrochen werden, erblicken immer weniger von Euch liebenswerten Geschöpfen das Licht der Welt. Einerseits kann ich all jene werdenden Eltern verstehen, die einer Abtreibung zustimmen, nachdem bei ihrem Ungeborenen die Diagnose Down-Syndrom gestellt wurde. Andrerseits möchte ich diesen werdenden Eltern sagen, dass sie sich durch diese Entscheidung um ein wunderbares Geschenk bringen. Denn ein Down-Syndrom-Kind ist fürwahr ein Geschenk des Himmels; - ist wie eine tägliche Portion Sonnenschein. Und ganz gleich, wie viel Schatten diese Behinderung auch mit sich bringt, - das freundliche und dankbare Wesen dieser Kinder überstrahlt für mein Gefühl jeden dieser Schatten. Und die Kinder behalten ihr sonniges Gemüt ihr Leben lang, da sie niemals aufhören Kind zu sein, solange sie atmen. Liebe Down-Syndrom-Kinder, ein „nichtbehinderter“ Mensch kann sich von Eurem Sozialverhalten und Eurer Emotionalität hin und wieder durchaus etwas überfordert fühlen, denn Ihr Sonnenkinder legt mitunter eine Offenheit zu Tage, die herzerfrischend und demaskierend zugleich ist. Und Ihr gebt Euren Eltern all die Liebe zurück, die diese in Euch investieren haben – oft tut Ihr dies sogar doppelt- und dreifach.
Menschen mit dieser Behinderung sind für mich viel weniger behindert, als das sie in vielerlei Hinsicht eher unsere Lehrer sein können, wenn wir Ihnen nur auf gleicher Augenhöhe begegnen. Eure Art ist unbedingt liebenswert. Ich liebe Euch. Oft legt sich sofort ein Lächeln auf mein Gesicht, sobald ich eines von Euch Kindern erspähe. Und vor allem liebe ich meinen jüngsten Bruder, der auch als ein Down-Syndrom-Kind geboren wurde. Als ich zehn Jahre alt war, trat Ron in unser Leben. Und seitdem bereichert er es auf vielfältige Weise und ich bin froh, dass es ihn gibt. Und somit bin ich heilfroh, dass es seinerzeit noch nicht diese verbesserten Diagnosemöglichkeiten gab, sodass meine Mutter einst nicht vor diese Gewissensfrage gestellt wurde. Ja, ich bin froh, dass mein Bruder lebt, denn er ist ein wunderbarer Mensch. Liebe Down-Syndrom-Kinder, Ihr alle seid etwas ganz Besonderes. Und in Eurer Gegenwart fühle ich mich oft weitaus mehr als ein Mensch, als an der Seite eines Menschen, der ohne diese Mutation des Erbmaterials auf die Welt gekommen ist. Diese Mutation empfinde ich als Geschenk, die nur darauf wartet angenommen zu werden, als das, was sie ist – als eine unbedingt liebens- und lebenswerte Form menschlichen Lebens.
Lieber Gruß Arne Pahlke |
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Wortmutation: Ich wollte mit diesem Brief niemandem dazu raten, ein Down-Syndrom-Kind austragen oder es abzutreiben! Ich denke darüber so, wie ich es hier schrieb:(...) Einerseits kann ich all jene werdenden Eltern verstehen, die einer Abtreibung zustimmen, nachdem bei ihrem Ungeborenen die Diagnose Down-Syndrom gestellt wurde. Andrerseits möchte ich diesen werdenden Eltern sagen, dass sie sich durch diese Entscheidung um ein wunderbares Geschenk bringen. (...). Und wie ich es hier ergänzte: (...) Und somit bin ich heilfroh, dass es seinerzeit noch nicht diese verbesserten Diagnosemöglichkeiten gab, sodass meine Mutter einst nicht vor diese Gewissensfrage gestellt wurde. (...) Würde ich z.B. noch einmal Vater werden und heute aufgrund der weit besseren Diagnosemöglichkeiten bereits im Frühstadium der Schwangerschaft erfahren, dass mein Kind mit Down-Syndrom zu Welt kommen würde, weiß ich nicht, wie ich mich bei dieser Gewissensfrage entscheiden würde ...auch wenn mein Tendenz in Moment in Richtung - Kind bekommen - geht. Doch dies ist eine hypothetische Tendenz, - denn wenn es wirklich so kommen würde, bekäme diese Frage eine ganz andere Dimension. |
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® sämtliche Textrechte liegen bei Arne Pahlke/Wortmutation |
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