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Liebe BDSMler, liebe Sadomasochisten, bevor ich zu meinem tatsächlichen Anliegen schwenke, möchte ich vorausschicken, dass ich selbst sadomasochistische Tendenzen beherberge, mich aber dennoch mit der Masse der Sadomasochisten nicht identifizieren mag. Ich mag mich z.B. nicht mit diesem schablonenhaften Auftreten vieler BDSMler identifizieren. Und eigentlich müsste dieses schablonenhafte Verhalten ihnen doch auch selbst widerstreben. Schließlich halten doch die allermeisten BDSMler ihre Sexualität für etwas Besonderes. Und tatsächlich ist der Sex von Sadomasochisten besonders, da dieser u.a. viel facettenreicher ist, als jener Sex, der als normal gilt. Der Sex und die sexuellen Phantasien von BDSMlern sind nicht normal. Und das ist o.k. so! Denn was bedeutet es eigentlich, normal zu sein? In einem früheren Text umschrieb ich die Normalität u.a. wie folgt: (..) Die Normalität ist doch im Grunde genommen eine leere Kiste. Was hat sie denn zu bieten, die Normalität? Die Normalität lässt sich in nur einem Wort zusammenfassen: M E H R H E I T. Das und nichts anderes ist die Normalität! (...) Und so gesehen stehen wir BDSMler einfach nur auf Sex, den die Mehrheit nicht mag. Na und? Lasst uns “abartig” sein! Denn alles, was von der Norm abweicht, ist abnorm. Und alles, was nicht der Norm entspricht.; - was also die Mehrheit nicht mag, mutiert für diese Mehrheit fast automatisch zu einer Abnormität. Nicht normal zu sein, heißt somit einfach nur, nicht das zu denken und zu fühlen, was die Mehrheit denkt und fühlt! Und damit ist man tatsächlich etwas Besonderes. Allerdings sollte man aufpassen, sich nicht allzusehr an so einer Selbstauszeichnung (“Ich bin etwas Besonderes”) zu ergötzen. Denn genau diesem Verhalten begegnet man u.a. häufig bei Homosexuellen. So fangen viele Schwule oft unmittelbar nach ihrem Outing damit an, ihre von der Masse abweichende Sexualität als etwas ganz Besonderes darzustellen und auszuleben. Häufig waren wiederholte Anfeindungen der Grund, warum sie die Flucht nach vorn angetreten haben. Und ihr Verhalten ist zutiefst menschlich. Wenn nämlich ein Mensch tausendmal gesagt oder auf anderem Wege signalisiert bekommt, dass er nicht normal, abartig, pervers, ekelhaft oder entartet ist, dann kann sich dadurch bei ihm eine Art von JETZT-ERST-RECHT-GEFÜHL herausbilden. Schließlich geht es um seine Sexualität. Und unsere Sexualität ist unsere Persönlichkeit und unsere Persönlichkeit ist unser Leben. Und NIEMAND lässt sich einfach so sein Leben verbieten. Doch aus diesem nachvollziehbaren Aufbegehren entwickelt sich nicht selten eine überzogene und (stark nach außen) ausgelebte Form der Sexualität. Man lässt sich sein Anderssein nicht länger verbieten und JEDER soll dies wissen und sehen und hören! Dabei wäre weniger oft mehr. Also weniger selbstinszeniertes Theater um die Andersartigkeit, als vielmehr ein selbstverständliches und unaufgeregtes Ausleben der eigenen Sexualität .
Für mich gehört weder Homosexualität, Sadomasochismus oder Heterosexualität geadelt oder getadelt. Der Mensch mitsamt seiner Sexualität ist eben einfach das Produkt unzähliger Erlebnisse und Ereignisse. Jeder von uns trägt seinen ganz persönlichen Rucksack mit sich herum, den es so kein zweites Mal auf Erden gibt. Allein aus diesem Grund ist die Sehnsucht nach Normalität (also einer Mehrheit anzugehören) ein völlig unsinniges Bestreben. Wir sind nicht normal - keiner von uns - wir sind alle einzigartig - jeder Mensch auf dieser Welt! Und deshalb mag ich auch kein schablonenhafte Denken, wie man es leider auch bei vielen BDSMlern beobachten kann. Warum müssen z.B. so viele von ihnen - innerhalb ihrer von der Norm abweichenden Sexualität - nun selbst zwanghaft nach (der Einhaltung) von Normen suchen? Ein Sadist hat so und zu sein und eine Masochistin hat sich wie folgt zu verhalten. Wo steht denn bitteschön geschrieben, wer sich wann wie zu verhalten hat? Und selbst, wenn es irgendwo geschrieben steht. Warum sollte man sich daran halten und zu wessen Nutzen? Merkt Ihr denn nicht, dass Ihr damit denselben Fehler begeht, wie jene Menschen, die den Sadomasochismus als abartig deklarieren? Es ist doch Eure Sexualität! Sie gehört Euch ganz allein! Ihr müsst Euch deshalb von niemanden sagen lassen, wie Ihr Eure Rolle als Meister oder Sklave auszufüllen habt. Sexualität ist Persönlichkeit und Eure Persönlichkeit ist einmalig! Und einmalig geil wird BDSM-Sex vor allem dann, wenn er als Teil Eurer Persönlichkeit steht.
Lieber Gruß A. Pahlke © Arne Pahlke, April 2010 |
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Chris08, - 20 April 2010- Hervorragend! Genau das war mir immer ein Gefühl, das ich nur nicht beschreiben konnte, weil mir genau der Gedankengang fehlte. Ich kann jedenfalls nur zu hundert Prozent zustimmen. Feuerbart, 20 April 2010 -Was mir dazu spontan eingefallen ist, als ich die ersten Zeilen gelesen habe, die eine Difinition von Pervers. Schindluder, 21 April 2010 - Ich gebe Dir 100 %ig recht. Bravo! Es gibt wirklich Menschen, die versuchen etwas, das frei heraus anders ist, wieder zurück in ein Korsett zu pressen. Jaara, 24 April 2010 -Mein erster Freund sagte damals ich sei pervers, mein letzter Freund war der Meinung, ich sei zu normal...! Toller Beitrag! Wortmutation: Danke schön euch allen .-) Pervers oder nicht - ist am Ende meist eine Geschmacksfrage - dazu mal ein Auszug aus einem alten Text von mir: (...) So kenne ich kaum einen Schwulen, der nicht überheftig darauf reagiert hat, als ich ihm andeutete, dass die Vagina einer Frau schön aussieht, wohl duftend und wohlschmeckend sei. Die typischen Reaktionen auf diese meine Verlautbarung waren ein unüberseh- und meist unüberhörbar zur Schau gestellter Ekel: „Das ist ja widerlich“, „Igitt, hör auf mir derart ekelhafte Dinge zu erzählen!“, Bäh, ich muss gleich kotzen“. Und solche Reaktionen sind beileibe keine Seltenheit und längst nicht die Schlimmsten. Und manch ein Schwuler, der dies hier liest, mag jetzt meinen: „Was will er denn? Wenn man eine Vagina widerlich findet, dann findet man sie halt widerlich!“ Ja, so weit, so gut! Aber wie reagiert denn die Masse der Homos, wenn jemand auf offener Straße dieselben Aussagen tätigen würde, z.B. dann, wenn ein Gleichgeschlechtlicher ihm erzählt, wie erregend es sein kann, wenn ein Mann einen anderen Mann den Hintern leckt? Würde ein Heterosexueller auf der Langen Reihe („Die schwulste Straße Hamburgs“) wie viele unserer Popanalytiker reagieren, nämlich mit: „Das ist ja widerlich“, „Igitt, hör auf mir so ekelhafte Dinge zu erzählen!“, Bäh, ich muss gleich kotzen“, dann würde er garantiert von einer Traube aufgescheuchter Homos umringt werden, die sich über sein diskriminierendes Verhalten ereifern würden. (...) |
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® sämtliche Textrechte liegen bei Arne Pahlke/Wortmutation |
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