Liebe Strommonopolisten, Arne Pahlke, 2006

ihr handelt mit einem „Rohstoff“, von dem wir modernen Menschen fast genauso abhängig sind, wie von der Luft, die wir atmen. Und zum Glück liegt die Gewinnung und Vermarktung der Atemluft noch nicht in euren Starkstrompranken, auch wenn dies für Euch sicherlich ein höchst verlockender Zukunftsgedanke ist?

Bereits seit vielen Jahren gehe ich zunehmend sparsamer und gewissenhafter mit dem von Euch gehandelten höchst profitablen Rohstoff um. Und damit halte ich mich an die Empfehlungen, die Ihr all jenen Stromabnehmern ans Herz legt, die finanziell nicht unbedingt auf Rosen gebettet sind. Dennoch tut ihr dies, wie ich finde, mit einem (un)bewussten Anflug von Zynismus.Indem ihr diesen Menschen z.B. empfehlt, sich doch bitteschön aus eurem Tarifdschungel einfach den für sie günstigsten Tarif herauszusuchen. Und zynisch ist diese Empfehlung  deshalb, weil ihr für Privathaushalte ausnahmslos überteuerte Wuchertarife anbietet, womit man bei Euch also lediglich zwischen Not und Elend wählen darf. Zwar tragen die von Euch angebotenen Wuchertarife von Jahr zu Jahr positivere und klangvollere (Begleit-)Namen, wie z.B. Future, Family, Nature etc. Doch die einzigen, die bei der Energieversorgungsentwicklung in eine positive Zukunft schauen, dies seid doch Ihr, die Energiemonopolisten.

Und an dieser Tatsache ändern auch Eure millionenschweren Imagekampagnen nichts. Aber natürlich kann es auch so sein, das Ihr durch Eure immer aufwendiger produzierten Hochglanzprospekte und Werbetrailer lediglich Euer schlechtes Gewissen beruhigen wollt, vorausgesetzt natürlich, das Ihr zu einem solchen überhaupt noch fähig seid?!

Allerdings sollte ich in diesem Schreiben auch nicht unerwähnt lassen, das Ihr Monopolisten, die Ihr euch übrigens gerne selbst als Opfer noch größerer Geldgeier seht, Euren Kunden z.B. vermehrt Energiespartipps zukommen lasst. Ja, einige von Euch sind mittlerweile sogar derart mitfühlend, dass sie Ihre Stromspartipps direkt auf Ihren Wucherrechnungen abdrucken. Wer bei dieser überaus „kundenfreundlichen“ Maßnahme nicht den Sarkasmusteufel erblickt, bei dem darf durchaus ein Kursschluss diagnostiziert werden.

 

Foto by 3268zauber

 

 

Wie bereits erwähnt, spare ich auf Grund meiner anhaltenden Geldmittelknappheit bereits seit Jahren am Rohstoff Strom. Und durch diverse Maßnahmen konnte ich meinen Stromverbrauch in den letzten Jahren immerhin um knapp 30 % reduzieren, was mir unterm Strich allerdings eine Nullersparnis bei meinem Stromversorger eingebracht hat, da dieser die Strompreise in derselben Zeit immer weiter angezogen hat. Und laut seiner Angaben blieb ihm auch gar keine andere Wahl.

Ja, ich verstehe schon! Eure ständig wachsenden Milliardengewinne sollten uns Endverbraucher nicht zu falschen Rückschlüssen animieren.

Nun ja, irgendwie erinnert mich dieses für den Endverbraucher höchst unlustige Spiel an jenen abgekarterten und noch immer praktizierten moralischen Straffall bezüglich der Müllbeseitigungskosten. Wie jeder weiß, sind wir Deutschen sehr gewissenhafte Mülltrenner. Dadurch konnte der durchschnittliche Müllberg pro Haushalt spürbar gedrosselt werden. Da aber die Beseitigung jedes Kubikmeters Müll – und zwar auch unabhängig von den hierbei angefallenen Kosten - immer höher berechnet wird, kann der Deutsche noch so viel Müll trennen und vermeiden. Am Ende wird er seine Müllgebühren nicht dauerhaft senken können!

Denn sowohl bei der Hausmüllbeseitigung, als auch beim Stromverbrauch, scheint es letzten Endes ziemlich gleichgültig zu sein, wie verbissen der Endabnehmer an Vermeidungsstategien arbeitet. Vielmehr scheint mir das Gegenteil der Fall zu sein. Je mehr Menschen (z.B. aus purer Geldnot) ihren Stromverbrauch weiter drosseln, um so schneller werden die Monopolisten an ihrer Preisschraube drehen. Und dazu begleitend werden sie ihren Kunden neue tolle Energiespartipps mit auf dem Weg geben – wie z.B. kalte Duschen, fernsehfreie Tage oder Familienabende bei Kerzenlicht.

Wirklich schade, dass man den stromlinienförmigen Machenschaften der Kartelle, die ähnlich wie Diktatoren mit der Ware Macht handeln, bei einem Übermaß an Raffgier nicht einfach das Licht abdrehen kann; - da sie es ja leider selbst es sind, die an der Lichtquelle sitzen.

Gruß Arne Pahlke

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