Lieber Adolf Hitler,

habe bitte keine Angst, denn ich will heute keiner von jenen sein, die Dir vorhalten, wie viel Unheil Du über diese Welt gebracht hast. Ich werde Dir und mir das Aufzählen Deiner Sünden ersparen. Schließlich kennst Du diese Punkte ohnehin alle auswendig. Außerdem bin ich kein großer Freund endloser Wiederholungen und bin ja selbst nicht frei von Schuld, sodass ich mich hier nicht als Dein Richter aufspielen  möchte. Überdies glaube ich an das Gesetz von Ursache und Wirkung. Und laut diesem Gesetz bestraft der Mensch sich durch sein Handeln selbst. Aus diesem Grund braucht sich niemand darum zu kümmern, einen anderen, also auch nicht Dich, zu bestrafen. Und ich glaube im Gegensatz zu vielen anderen Menschen, dass Du jetzt eben nicht in der Hölle schmorst. Ich glaube dies allein  deshalb nicht, weil in meiner Vorstellung keine Hölle existiert. Jedenfalls keine, die uns nach dem irdischen Tod erwartet.

Es gab nie eine Hölle und es wird niemals eine Hölle geben, ganz gleich wie viele geistig verwirrte Hitlers (….wie Du es einer warst …) die Welt auch bevölkern mögen. Was die Menschen Hölle nennen, dies ist in Wahrheit einzig und allein das Böse auf Erden. Und was sie den Teufel taufen, das sind z.B. Personen, die wie du es eine warst.

Du arme kranke Seele wurdest von der Anziehungskraft des Bösen geschluckt und hast dadurch Millionen Menschen hinein ins Leiden – hinein in die Hölle auf Erden gezogen. Es gibt keinen anderen Teufel, als das Böse in uns Menschen, dem jeder einzelne Mensch theoretisch nachgeben könnte. Und es gibt definitiv keine andere Hölle als die, die jeder Mensch sich selbst in seiner eigenen kleinen und oft engstirnigen Vorstellungswelt schafft.

Wer ist eigentlich böser? Ist es der Mensch, der die Atombombe erfindet, der, der sie baut, der das Ziel auswählt, oder der, der sie schließlich abwirft und damit den Tod von unendlich vielen Menschenseelen besiegelt? Wer ist mehr Teufel? Ist es der, der sich kranke Rassenideologien ersinnt? Oder ist es der, der die Befehle zur „Bereinigung“ erteilt; oder jener,  der diese Befehle  ausführt und Menschen auf Grund ihrer Rasse tötet? Oder sind am Ende eventuell  auch all jene kleine Teufel, die stumm zu- oder wegsehen, zu- oder weghören?

Sind wir nicht alle kleine Teufel? Lebt nicht in fast jedem von uns ein genetischer Defekt von der Sorte eines Adolf Hitlers?

 

 

Lieber Adolf Hitler, auch wenn ich Dir in diesem Brief keine Vorhaltungen machen wollte, so gestattest Du mir aber doch bitte, dass ich Dir zumindest schreibe, was Du ebenfalls längst weißt. Nämlich, dass Du ein furchtbarer Wegbereiter ins Verderben warst. Du warst erfüllt und besessen von bösen und zerstörerischen Ideen. Du wolltest Dir (und dem deutschen Volk) ein tausendjähriges Reich und somit eine Hölle auf Erden zementieren. Aber Du warst lediglich ein Wegbereiter. Du warst nie ein Gott und noch nicht einmal ein Alleinherrscher. Niemals! Nicht einmal auf dem Gipfel deines bluttriefenden Olymps warst du auch nur annähernd allmächtig!

Ich akzeptiere es nicht, wenn man sagt, dass man Dir und Deinen Allmachtsphantasien nichts entgegensetzen konnte, weil Du der Inbegriff  des Bösen gewesen sein sollst. Hast Du etwa stellvertretend für Millionen von Menschen aus vollen Kehlen ein „Ja“ geschrien, auf die Frage, ob sie den totalen Krieg wollen?

Nein, sie selbst haben es getan. Sie selbst haben das Böse, ihren Teufel, von der Leine gelassen. Und jeder Einzelne, der dies tat, hat damit den Deinigen noch mehr Macht verliehen. Dennoch nennen sie Dich den schlimmsten Menschen, der je auf Erden gelebt hat. Ich halte Dich hingegen für einen ganz gewöhnlichen Menschen, der dem Bösen verfallenen ist; - einen Menschen,  wie sie auch im Jetzt und Hier zu Millionen auf diesem Planeten leben.

Die Welt ist voll von unzähligen kleinen verhinderten Menschenschändern! Und ich meine damit weniger jene, die dumpf deinen Namen rufen und zum Hitlergruß ansetzen. Nein, diese Minderbemittelten gehören doch zu den Harmloseren ihrer Art.

Ein weiser Mann sagte einmal, dass wenn allein ein Mensch eine Träne für einen Verstorbenen vergießt, dessen Seele nie verloren gehen kann. Ich finde, dies ist ein schöner Gedanke.

Lieber Adolf Hitler, ich vermag in Moment nicht um Dich zu weinen. Ich bin mir aber sicher, dass es  Menschen gab, die Deinen Verlust beweint haben, als Du in den Freitod geflüchtet bist. Es gab bestimmt sogar Menschen, die um etwas Menschenwürdiges in Dir Tränen vergossen haben. Und damit haben sie ein Teil des Bösen in Dir fortgespült und Deine fehlgeleiteten Ideologien quasi ad absurdum geführt, weil sie trotz allem, was Du getan hast, um dass Gute in Dir geweint haben.

Du wirst wieder kommen!

Vielleicht bist Du sogar schon wieder mitten unter uns. Und wenn dem so ist, dann höchstwahrscheinlich nicht als Terrorist oder Mörder oder größenwahnsinniger Politiker. Ich bin mir ziemlich sicher, dass, solltest Du bereits wieder hier auf Erden weilen, von Dir nunmehr weitaus weniger Gefahr ausgeht, als von den meisten anderen Menschen hier, so z.B. von mir.

In einer alten Schrift finden sich folgende Worte: „Jeder Neugeborene kommt bereits mit einem Bündel Schuld und Verflechtungen auf die Welt.“

In diesem Sinne hast Du in Deinem jetzigen Leben einen anderen Kampf zu kämpfen, als den, der Dich damals trieb. Du stehst nunmehr ganz am Anfang einer langen Reise der Wiedergutmachung.

Ich möchte Dir dabei ein wenig helfen, indem ICH Dir hiermit die Taten Deines Vorlebens vergebe.

Gruß

A. Pahlke

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Forty , 16 August 2010  - Ich denke nicht, dass du ihm für die Taten vergeben kannst. Auch nicht irgendwelche Juden oder andere, damals verfolge Minderheiten. Vergeben können nur die Opfer.

Wortmutation: Doch, selbstverständlich kann und darf ich Adolf Hitler vergeben! Ebenso, wie ich jedem Kindermörder oder Serienkiller vergeben darf. Es obliegt mir allein, wem ich wofür und warum vergebe. Aber gleichzeitig verstehe ich Deinen Einspruch. Wenn ich Adolf Hitler vergebe, so als würde irgendein Pfarrer/Pastor irgendwem für irgendeine Tat vergeben, den er letztlich gar nicht kennt, dann hat dies nicht annähernd den Wert, als würde ein Opfer vergeben. Es ist natürlich ein Leichtes von mir - und überdies ziemlich  plakativ, ihm zu vergeben, da ich nicht selbst unter Adolf Hitler gelitten habe. Ich wüsste hingegen nicht, ob ich ihm jemals hätte vergeben können, wenn ich wegen ihm in einem Konzentrationslager unter menschenunwürdigen Bedingungen gehalten und meiner Würde beraubt  geworden wäre. Danke für den Kommentar.

Siegfried Schilling, 29 Dezember 2011 -  Du wirst wieder kommen... Vielleicht ist er längst unter uns... Wer, mein lieber Autor, hat Ihnen das eingegeben???

Siantus, 5 März 2012 -      Man hört nur von dem Bösen, des Bösen des Adolf H. Man hört von Menschen, die Menschen vernichtet haben, man hört von Opfern hinter Stacheldrahtzäunen, man hört von Krematorien, man hört von Arbeitslagern und endlosem Leid...... Doch hört man auch von Menschen, welche sich gegen das ganze Töten, Abschlachten, Vergasen, etc. gestellt haben, außer denen, die uns Hollywood vor Augen führt? Hat nicht jedes Dorf, jede Stadt Helden, welche versucht haben die Opfer zu beschützen? Davon hört man in den Medien nichts. Warum haben so viele damals die Ideologie des Adolf H. angenommen? Wie konnte der Mensch, der seine ersten Reden vor nicht mal 30 Leuten hielt so groß werden!? Und feiern nicht auch heute noch heute inderekt Adolf H., wenn sie an Muttertag der Frau, Oma oder Freundin Blumen schenken? Begehen nicht auch die Gewerkschaften den 1Mai als Feiertag und machen da große Demos? Fahren wir nicht alle, die einen Führerschein haben noch heute auf Autobahnen, die Adolf H. bauen ließ?  Warum haben sich damals nicht die Menschen gegen das Weltbild Adolf H. gestellt? Er gab nur Denkanstöße, die auf fruchtbaren Boden fielen. Waren nicht die Leute daran Schuld, welche die Tataen ausführten? Denkende und emotional handelnde Menschen? Hätte nicht der einzelne Mensch sagen können "Stopp" ? Es war nicht Adolf H. der die Technik der KZ´s entwickelte. Es waren Menschen die hätten sagen können "Nein!"

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