Lieber George Bush,

es ist eine kluge Entscheidung von mir, Ihnen diesen Zeilen direkt nach meinem täglichen Stundenlauf zu schreiben. Denn ausgeglichener, friedfertiger und harmoniesüchtiger bin ich sonst nur nach gutem Sex oder einer üppigen fettreichen Mahlzeit.

Aber was soll ich einen Mann wie Ihnen bloß mitteilen, der sich für einen guten und rechtschaffenen Christen hält und diese  irrationale Verrücktheit dann noch tatsächlich glauben mag?

Wissen Sie was?

Sie können von mir aus zehnmal täglich beten gehen; - Sie können von mir aus jeden Sonntag in einem Ihrer stockkonservativen Anzüge und in Ihren texanischen Cowboystiefeln in eine Kirche stolzieren, mit Ihrer debilen Unschulds- und Gutmütigkeitsweltrettermine, die Sie sich wahrscheinlich selbst antrainiert haben.

ich mag keinen Präsidenten, der zwanghaft an der Todesstrafe festhält; - der stolz darauf ist, jene Waffe von Saddam Hussein zu besitzen, die man diesen Erdvagabunden bei dessen Festnahme abgenommen hat. Ich mag keinen Präsidenten, der permanent von den Werten der zivilen Welt faselt, die es mit aller Härte und Entschlossenheit zu verteidigen gilt, notfalls auch mit Krieg. Und ich mag keine geistig verwirrten Männer, die  allen Ernstes glauben, dass der Olymp der zivilen Welt Amerika sei; - eben jenes Amerika, in dem das Menschenrecht in vielen Bereichen auf zynische Art und Weise mit Füßen getreten wird. Jenem Amerika, in dem Meinungsfreiheit mehr und mehr zum Fassadenbegriff verkommt;  - einem Land, in dem ich, nicht zuletzt wegen Männern wie Ihnen,  genauso wenig leben möchte, wie in einem Irak unter Saddam Hussein. Eigentlich mag ich einen  Mann wie Ihnen noch nicht einmal einen Brief schreiben.

Aber ich tue es trotzdem. Und falls es Sie interessiert: Menschen, wie Sie es einer sind, waren und sind auch ein Grund dafür, warum ich, selbst wenn ich jemals den Drang dazu verspüren sollte, sonntags nie zum Beten in eine Kirche gehen würde. Denn in den Kirchen gibt es einfach zu viele von Ihrer Sorte. Zu viele von der Sorte der ungläubigen Gläubigen - zu viele von der Sorte der selbstgefälligen Gefälligen - und viel zu viele von der Sorte, der sich vor allem selbst liebenden Nächstenlieber. In den Kirchen findest Du die größten Moralapostel und Vagabunden in jeweils in nur einer Person vereint.

Lieber George Bush, wenn ich richtig informiert bin, so hat Ihr Vater über längere Zeit das Psychopharmakon Prozac eingenommen, welches die Psyche eines Menschen stark beeinträchtigen und seine Entscheidungsfreiheit erheblich dezimieren kann. Mit eben diesem Prozac (Fluctin, Ritalin etc.) werden heute in Ihrem ach so freien Land, all jene Kinder voll gestopft, die verhaltensauffällig wirken. Es gibt in Amerika bereits Landstriche, wie z.B. in Virginia, wo ca. 20% der Schüler Ritalin verabreicht wird. Ich finde, diese menschenverachtende Maßnahme passt zu Ihrem Land und passte zu der Politik Ihres Vaters und passt zu dem ihrigen Führungsstil.

 

Der Retter der zivilen Welt

 

Sei reden von Bekämpfung des Terrorismus und der Zerschlagung weltweiter Drogenmärkte. Und was tun Sie? Sie terrorisieren Ihr eigenes Land. Sie terrorisieren die ganze Welt mit der Verbreitung eines mehrheitlich debilen Amerikanismus! Sie unternehmen hingegen nichts dagegen, dass immer mehr Kinder Ihres Landes unter „Psycho-Opium“ gesetzt werden, weil sich von den Normalverdienern fast niemand mehr, die in Ihrem Land unbezahlbar gewordene ärztliche Versorgung leisten kann.

Amerika ist krank – und Sie sind bestimmt nicht das Gegenteil von Krankheit und Zerstörung, Herr Bush! Nein, in meinen Augen gehören Sie einer weitaus gefährlichen Gattung Terroristen an, als jene Verwirrten, die Flugzeuge in Hochhäuser versenkten.

Wenn Sie das nächste Mal Ihre Hände zusammenfalten (… und dies dann beten nennen), so versuchen Sie dabei doch mal zu einer wahrhaftigen Auseinandersetzung mit ihrem Selbst und Ihrer zweifelhaften Ideale zu finden.

Aber wer weiß, vielleicht schlucken Sie ja auch Prozac? Wundern würde mich dies nicht. Dies würde ebenfalls zu Ihnen passen und es würde zum Zustand Ihres Landes passen. Ja, es würde sozusagen den Wert jener zivilen Welt reflektieren, die Sie vor den internationalen Terrorismus schützen wollen.

Eine der am häufigsten auftretenden Nebenwirkungen von Psychopharmakon ist übrigens Verfolgungswahn.

Leben Sie wohl!   © Arne Pahlke

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